Wissen Sie wie man etwas, was zunächst aberwitzig ist und völlig
unangemessen im politischen Betrieb durchboxt? Ganz einfach. Sie
dementieren es und sagen erst, dass Sie das so nicht akzeptieren
werden. Dann, etwas später räumen Sie ein, dass Sie es immer noch
nicht wollen, die Fakten aber dieses Vorgehen erfordern. Und
schließlich, wenn der Drops erstmals gelutscht ist und alle sich an
den Unsinn gewöhnt haben, ist es ein Klacks noch mehr durchzudrücken
und eine ordentliche Schippe draufzulegen. Das politische Publikum,
also wir Bürger, lassen uns sowieso alles gefallen. Wobei in der
Europakrise eine neue Dimension hinzukommt. Man setzt seine Leute
auf Posten der internationalen Organisationen, die dann von dort
aus, mit dem Anschein der Überparteilichkeit, brutalste Lobbypolitik
für ihr eigenes Land betreiben. Siehe Internationaler Währungsfonds.
Bei dem man sich wünscht, dass statt ein Franzose/eine Französin
endlich ein Schwellenlandvertreter auf dem Stuhl Platz nimmt.
Bestes Beispiel dafür ist der EFSF bzw. ESM. Oder wie wir jetzt
lernen durften, eine Parallelveranstaltung der Beiden. Wo doch der
eine eigentlich in den anderen übergehen sollte. Das Sahnehäubchen
oben drauf ist die unmäßige Aussage, dass die Brandmauer von 500
Mrd. Euro nicht reichen würde und wir auf 1 Billion Euro (!!!), das
ist die unglaublich hohe und gigantische Summe von wohlgemerkt 1.000
Mrd. Euro, aufstocken müssten.
Dabei und ich wiederholte das, wenn es sein muss bis zum Sankt
Nimmerleinstag, hatten wir bis zu Beginn der Griechenlandkrise nicht
einmal die Verpflichtung für einen anderen europäischen Staat auch
nur 1 Cent auszugeben! Es herrschte das versprochene und gebrochene
Prinzip des No-Bail-Out. Das auch in den europäischen Verträgen
festgeschrieben war bzw. noch ist?
Von nicht einmal 1 Cent über ein paar Milliarden für Griechenland
(zu Beginn) hin zu einem vorläufigen EFSF mit 500 Mrd. Euro, dann zu
einem dauerhaften ESM, der Option beide parallel laufen zu lassen
und dann die Forderung auf 1 Billion Euro oben drauf.
Entschuldigen Sie bitte. Aber haben die noch alle? Was fällt denen
eigentlich ein, so mit unserem Steuergeld umzugehen? Denn auch wenn
Sie bzw. wir alle es noch (!!!) nicht spüren, so können Sie doch
nicht ernsthaft meinen, dass wir solche Summen nicht eines Tages
spüren werden, oder? Dabei sind wir längst - für die meisten
unbemerkt - bei einer Billion angekommen.
Denn der Bad Notenbanker Draghi hat ja kurz vor Weihnachten mal so
eben 500 Mrd. Euro ins Bankensystem gekippt. Aber was sind in Zeiten
wie diesen schon 500 Mrd. Euro?
Wenn man sich dann noch die Satzung des ESM anschaut, dann kann man
nur noch zu dem Schluss kommen, dass sich hier die Europäer
zukünftige Versorgungsposten für in den Ländern abgehalfterte
Politiker schaffen. Und die sind dann – trotz der Summen, die da im
Spiel sind - noch nicht einmal für das rechtlich zu belangen, was
sie da anrichten. Denn satzungsgemäß wird ein Persilschein gegeben.
Politiker müsste man sein!
Mich persönlich widert diese Unfähigkeit Probleme zu lösen und das
Postengeschiebe einschließlich Versorgungsmentalität angesichts des
offenbaren Versagens nur noch an. Das ist im Grunde das Gleiche, wie
das Absahnen der Europapolitiker, die bevor sie ins Wochenende
fahren, sich noch schnell in die Sitzungsliste eintragen, damit sie
das Sitzungsgeld für den Tag abkassieren. Wobei da die EU dann die
investigative Presse in undemokratischer Manier auf die Straße
setzte und setzt. Pressefreiheit ist also in Europa offensichtlich
nicht immer gewünscht. Insbesondere nicht, wenn es um Ausgaben und
den Verdienst (kommt eigentlich von Verdienen) der Politiker geht.
Und so sind wir gespannt, wohin uns das alles führt. Eines ist
gewiss. Die Probleme wird es nicht lösen. Sie zuzudecken wird es
allemal helfen. Dass es aber auch das Lebensgesetz gibt, dass so
etwas dann zur Unzeit hochpoppt, weiß jeder, der genug
Lebenserfahrung hat.
Es bleibt also spannend. Und so beobachte ich den ganzen Zirkus und
frage mich, wie lange IWF, EU und unsere Regierung wohl noch
benötigen, bis sie erkennen, dass Geld allein nicht glücklich macht.
Und Problemlösungen nicht unbedingt mit Geld zusammenhängt. Man muss
schon etwas tiefer gehen. Aber dazu benötigt es auch Tiefe.
Menschliche.

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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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