Der Duft der Gewinner: Douglas vor Delisting?



06:47 25.01.12

Der Duft der Gewinner: Douglas vor Delisting?

Die aktuelle Bilanz des Handelskonzerns Douglas sieht auf den ersten Blick nicht rosig aus. Probleme bei der Buchhandelsparte Thalia hatten dem Unternehmen aus Hagen die Jahresbilanz verhagelt. Folge: Der Kurs brach ein und stürzte auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2004. Doch die miese Stimmung unter den Anlegern war nur 24 Stunden später schon wieder verflogen.

Nach Gerüchten, die Alteigentümer würden ihr Gewicht verstärken wollen, kletterte das im MDAX notierte Papier zeitweise um mehr als 25 Prozent. Damit holte Douglas nicht nur die deutlichen Vortagesverluste wieder auf, sondern gewann auch noch kräftig dazu. Und die Aktie ist immer noch kaufenswert!

„Verduftet“ Douglas schon bald vom Börsenparkett? Unternehmens-Chef Henning Kreke selbst war es, der diesem Gerücht neue Nahrung gab. „Wir wollen kaufen“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Das Ziel: Den Konzern von der Börse zu nehmen. Das ist aktienrechtlich nur möglich, wenn die Familie mindestens 95 Prozent der Anteile besitzt.

Allerdings wird dieses Vorhaben wohl ein schwieriges und teures Unterfangen und der Coup kann eventuell nur mithilfe von Finanzinvestoren (Apax Partners und BC Partners) gelingen.

An der Börse ist Douglas derzeit rund 1,2 Milliarden Euro wert. Die Gründerfamilie Kreke hält 12,62 Prozent der Anteile. Die mit ihr verbündete Familie Oetker kontrolliert 25,81 Prozent. Allerdings gibt es mit Drogerie-Unternehmer Erwin Müller noch einen Großaktionär. Der ist mit einem Anteil von 10,05 Prozent die dritte Kraft innerhalb der Holding und den beiden anderen Familien alles andere als gutgesinnt. Müller hatte erst kürzlich selbst erklärt, sein Aktienpaket aufstocken zu wollen. Als Geber könnte ihm die Bank Sarasin dienen, die 8,28 Prozent an Douglas hält. Ein schneller Squeeze-out scheint also unwahrscheinlich zu sein.

Positive Zukunft trotz vieler Baustellen

Kreke, Oetker & Co. sind unzufrieden mit dem Aktienkurs. Der ist allerdings nicht nur aktuell eine Enttäuschung. Seit 2000 kann das Parfum-Papier nur dank Dividendenausschüttungen ein Plus von 5,7 Prozent ausweisen. Eine äußerst magere Bilanz.

„Wir haben das Gefühl, dass der Aktienkurs nicht unseren wahren Unternehmenswert widerspiegelt“, so Kreke. Tatsächlich scheint der Konzern unterbewertet. Bei einem Blick hinter die Kulissen findet man zwar reichlich Baustellen, doch die Restrukturierung ist im Plan. Von den russischen Parfümerie-Läden hat sich Douglas bereits getrennt. In Frankreich fielen erneut außerplanmäßige Abschreibungen von knapp 23 Millionen Euro auf Geschäfts- und Firmenwerte an. Die Zukunft dort sieht schon wieder wesentlich positiver aus.

Gut geht es vor allem dem Schmuckhändler Christ. Und auch das Deutschland-Geschäft macht wegen des stabilen Konsumklimas hierzulande (noch) Freude.

So kommt es auch, dass Douglas seinen Umsatz in 2011 noch um 1,7 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro steigern konnte - trotz der miserablen Zahlen der Buchtochter Thalia, der im vergangenen Jahr massenhaft Kunden flöten gingen. Dennoch steht der Konzern insgesamt auf immer noch soliden Füßen und selbst die Probleme im Buchgeschäft scheinen noch lösbar zu sein, zum Beispiel durch den Verkauf überdimensionierter Buchhandlungen.



MEIN FAZIT:

- Die Substanz des Parfüm-Riesen ist weiterhin gut. Dank zusätzlicher Erträge aus dem Verkauf der Russlandaktivitäten blieb unter dem Strich eine Steigerung des Gewinns je Aktie um 14 Prozent auf 2,20 Euro. Die Dividende von 1,10 Euro entspricht zudem der Vorjahresgröße.

- Der Ausblick ist zwar schwierig, vor allem, weil keiner sicher weiß, wie es mit der Schuldenkrise weiter geht, doch solange der Konsum in Deutschland nicht einbricht, sollte Douglas keine größeren (Umsatz-)Probleme bekommen.

- Ein großes Plus von Douglas im Vergleich zur Konkurrenz ist die geringe Verschuldung. Im Geschäftsjahr 2010/11 weist der Konzern eine Nettoverschuldung von lediglich 49,6 Millionen Euro aus.

- Angesichts der Börsenrückzugspläne kommt nun wieder etwas Leben in die Bude. Ein möglicher Eigentümerstreit zwischen den Familien Kreke und Oetker auf der einen Seite und Müller auf der anderen sollte steigende Kurse zur Folge haben.

- Einen Dämpfer gibt es allerdings: Geht man nämlich von der üblichen Abfindung auf Basis des durchschnittlichen gewichteten Kurses der letzten drei Monate vor dem Öffentlichwerden des geplanten Delistings aus, so ergibt sich gerade einmal ein Kurs von 28 Euro. Da braucht es einen deutlichen Aufschlag, um einen Einstieg zu rechtfertigen. Ich rate darum auch nur zum Kauf an sehr schwachen Tagen.


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Armin Brack
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