DAX SENTIMENT INDEX
Bären behalten die Oberhand
Die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds trauen Deutschland im neuen Jahr nicht mehr allzu viel zu. Sie senkten die Wachstumsprognose auf nur noch 0,3 Prozent. Ganz so bescheiden will man hierzulande aber nicht planen: Bundesbank-Chef Jens Weidmann tritt der IWF-Prognose entgegen und rechnet weiterhin mit einem BIP-Plus von 0,6 Prozent für 2012. Auch die heimischen Top-Manager sind immer noch recht zuversichtlich. Zwar prophezeit die breite Mehrheit der Unternehmenslenker der Globalkonjunktur einen ordentlichen Dämpfer, für die eigenen Firmen sind sie aber ziemlich optimistisch - 47 Prozent erwarten dieses Jahr laut einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC steigende Erlöse ihres Unternehmens. Diese Einschätzung spiegelte sich heute auch im besser als erwartet ausgefallenen Ifo-Geschäftsklimaindex wider.
Die heimischen Börsianer können den unternehmerischen Optimismus jedoch nicht teilen. Sie sehen derzeit keinen sonderlich großen Spielraum für Deutschlands Blue-Chips und bleiben skeptisch für den DAX eingestellt. Schon in der letzten Woche war unser Stimmungsbarometer, der Bull/Bear-Index, erstmals seit Juni 2011 in pessimistisches Terrain abgerutscht. In der heutigen Umfrage der Börse Frankfurt rücken zwar immerhin 5 Prozent der Panel-Teilnehmer von ihrer skeptischen Haltung ab, der Bull/Bear-Index bleibt aber im Stimmungskeller.
Vielen ist der jüngste Kursanstieg in einem eher schwierigen ökonomischen Umfeld nicht ganz geheuer. Dazu kommt, dass die Euro-Schuldenkrise weiterhin schwelt, schon wieder einmal eine Forderung nach einer drastischen Erhöhung der Rettungsschirme im Raum steht und sich die Hoffnungen auf eine einvernehmliche Einigung über einen Schuldenerlass für Griechenland bisher noch nicht erfüllt haben. Zumindest konnte der DAX in den vergangenen fünf Handelstagen keine großen Fortschritte machen und hat den vielen Bären damit eine schmerzvolle Rally erspart. Dank der Trippelschritte konnten sie sich an die neuen Höhen des DAX gewöhnen. Dennoch notierte er während des Berichtszeitraums so hoch wie zuletzt Anfang August, was einige der Skeptiker zur Aufgabe bewogen hat - sie wandern fast allesamt in das neutrale Lager ab.
Doch auch wenn die Anleger innerhalb der schuldengeplagten Eurozone noch kein Licht am Ende des Tunnels sehen, so wagen sich erste ausländische Investoren wieder zurück auf europäisches Parkett. Amerikanische Geldmarktfonds etwa, die im letzten Jahr noch in Scharen aus Euroland geflüchtet waren, griffen jüngst wieder bei europäischen Bank-Papieren zu. Sie gehen offenbar davon aus, dass die europäische Notenbank das Finanzsystem auch weiterhin großzügig mit Liquidität versorgen wird. Und die Möglichkeit einer griechischen Pleite, sollten die Verhandlungen mit der Privatwirtschaft scheitern, kann längst nicht mehr so viel Angst und Schrecken verbreiten wie noch vor einigen Monaten.
Schieflagen bestehen nach wie vor: Die meisten Short- Positionen in den Büchern der mittelfristig aktiven Investoren dürften mittlerweile deutlich unter Wasser liegen. Das verspricht dem DAX gute Unterstützung, sollte er doch noch einmal stärker abtauchen, gleichzeitig hat er aber weiterhin das Zeug dazu - mit oder ohne schlechte Nachrichten - seine Jahresanfangsrally fortzusetzen.
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Joachim Goldberg, WGZ Cognitrend TV |
Joachim Goldberg ist Geschäftsführender Gesellschafter des renommierten Frankfurter Analysehauses Cognitrend. Der erfahrene Banker und regelmäßige Gast bei n-tv ist eine Koryphäe auf dem Gebiet des so genannten Behavioral Finance. In Zusammenarbeit mit der WGZ BANK kommentieren Goldberg und sein Team unter www.wgzbank-zertifikate.de börsentäglich die Stimmung an den Aktienmärkten und leiten daraus Kauf- und Verkaufsempfehlungen für private Anleger ab. Abgerundet wird das informative Angebot der WGZ BANK durch den wöchentlich erscheinenden WGZ Cognitrend REPORT, der das Marktgeschehen aus dem Blickwinkel der verhaltensorientierten Forschung herausstellt.
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