Multipolares Fonds Mannheim



19:24 26.01.12

Was haben Multipolarität, Mannheim und Fonds gemein, werden Sie sich möglicherweise aufgrund dieser etwas eigenartigen Überschrift fragen. Das will ich Ihnen im Folgenden gerne kurz erläutern. Wie jedes Jahr um diese Zeit fand gestern und heute der Fondskongress in Mannheim statt. Wo sich alles aus der Branche trifft, was Rang und Namen hat. Den wir von Globalyze und ich persönlich zum ersten Mal besuchten. Was sich damit erklärt, dass wir im November letzten Jahres gemeinsam mit den lieben Luxemburger Kollegen der Venova SA und Axxion SA unseren ersten Aktienfonds aufgelegt haben.

Wie Sie von Globalyze zu Recht erwarten können, ist dies aber nicht irgendein weiterer Aktienfonds in einer langen Reihe langweiliger „Me-too“-Aktienfonds. Mit dem Prinzip, den alt hergebrachten und sich in langen Jahren als äußerst erfolgreich bewiesenen Value Investment Ansatz zu automatisieren, d. h. dem Computer den vollständigen Prozess der Aktienauswahl, dem Aktienkauf und Aktienverkauf zu überlassen, sind wir nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch in Europa, wenn nicht sogar darüber hinaus, einzigartig. Wäre Warren Buffett im Alter von Marc Zuckerberg und genauso internetbegeistert, dann bin ich mir sicher, dass er das längst gemacht hätte. So sind aber diesmal wir von Globalyze den Amis voraus. Was bei mir eine tiefe Genugtuung gibt.

Der Globalyze QuantValue (WKN: A1JL1H; ISIN: LU0690028625), der an den Regionalbörsen in Hamburg, München und bei Tradegate gehandelt wird und darüber gekauft werden kann, ist aufgrund seiner Machart absolut manipulationsfrei und unabhängig. Weil ein Computerprogramm sich nun mal weder vom rhetorischem Geschick eines Vorstandsvorsitzenden noch von anderen reinen Äußerlichkeiten blenden lässt. Entweder hat das Unternehmen gute fundamentale Daten vorzuweisen und ist noch dazu unterbewertet. Oder es ist es nicht. Irgendetwas dazwischen kennt ein Computer nicht. Und so werden wir der Branche zeigen, wie man „mit“ und „für“ seine Kunden bei einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis in der mittleren Frist ganz unkompliziert überdurchschnittlich hohe Renditen erzielen kann. Auf die Verlass ist.

Nun habe ich den Kongress natürlich vorrangig genutzt mit Vertretern von Dachfonds, die unseren Fonds möglicherweise mit einbinden werden und Fonds-Plattformen sowie Vermögensberatern zu sprechen. Nebenbei fand ich natürlich noch etwas Zeit in den ein oder anderen Vortrag hineinzuschauen.

Am ersten Tag habe ich natürlich den vollkommen überfüllten Eröffnungsvortrag „meines“ Bundespräsidenten Horst Köhler besucht. Kompetent, sympathisch, humorvoll und kritisch legte er uns die „hoffentlich bald multipolare“ Welt zu Füßen. Selten habe ich eine so kluge und weitsichtige Rede beigewohnt. Ob er ein zukünftiges Zeitalter ohne Hegemonialmächte in einer Welt der Multipolarität skizzierte, oder die Transformation, die allen Kulturen gemeinsam sei, als Ausweg aus der wenig verantwortungsbewussten, Rohstoff verbrauchenden jetzigen Wirtschaft in eine nachhaltige Weltwirtschaft Aussicht stellte. Ob er die „Economics of Happiness“ einforderte, über die Fortschritte in Afrika berichtete oder von Investitionen in globale Infrastrukturprojekte berichtete, stets wirkte das, was er sagte und vor allem wie er es sagte, authentisch und glaubwürdig. Dabei geizte der Vortrag nicht mit Kritik. Dass Deutschland und Europa, ja sogar die G7 aufgrund ihres Versagens in der Finanzkrise in der Gefahr seien, die Vorbildhaftigkeit unseres westlichen Gesellschaftsmodells der Demokratie mit der Sozialen Marktwirtschaft gegenüber den Schwellenländern zu verspielen, sprach er direkt an. Wie sollen wir die aufstrebenden Schwellenländer von unseren Werten überzeugen, wenn wir doch so kläglich scheitern wie in der Finanzkrise und es zulassen, dass der Finanzsektor seine dienende Funktion nicht mehr wahrnimmt, sondern im Gegenteil die Realwirtschaft wieder und wieder in Krisen stürzt?

Auch sparte er, der an der Vorbereitung und Einführung des Euro mitgewirkt hat, nicht mit Kritik an den europäischen Regierungen, dass diese das „politisch zu kurz geratene Bein“ nicht nachträglich an die Währungsunion angepasst hätten und diese massiven Versäumnisse die momentane Europakrise erst ermöglicht hätten. Seine Lösung und Forderung auf die uns bewegenden Fragen ist ein strategisch langfristiger Denk und auch Anlageansatz, mit dem wir unsere wahren Stärken zutage fördern würden. Und wo wir seiner Meinung nach weltweit auf Offenheit und Geschäftsinteresse stoßen werden. Wir Deutsche, die wir nach seiner Erfahrung in aller Welt geschätzt werden. „It’s german“ bedeutet in den Slums im indischen Mumbai soviel wie, „it‘s reliable and solid“ (es ist verlässlich und solide). Dieses Pfund sollten wir nicht verspielen, mahnt er.

Wobei er darauf hinwies, dass die vorzunehmenden Investitionen in Infrastruktur und Transformation erst eine zeitversetzte Rendite bringen wird. Was aber klugen Investoren aufgrund der im Gegenzug erhaltenden Nachhaltigkeit keine Probleme bereiten sollte und wird. Insofern bestätigte Horst Köhler uns in unserem fundamentalen, antizyklischen und aufgrund seiner Mittel- bis Langfristigkeit nachhaltigen Value Investmentansatz. Nicht der schnelle, alles vernichtende Rubel, sondern die langfristig nachhaltige Rendite, die dann auch einen immateriellen Gewinn in Form von „Happiness“ für andere und damit auch für uns bringt, ist das Ziel.

Neben diesem mich sehr beeindruckenden Vortrag habe ich mir aber auch einmal angehört, wie z.B. Dr. Jens Erhardt oder der junge Bernecker die momentane Situation beurteilen. Interessant dabei ist, dass hier ein großer Gleichklang zu vernehmen war. Dabei wurden die weltwirtschaftlichen und europäischen Risiken keinesfalls verniedlicht. Im Gegenteil. Aber, dass aufgrund der expansiven Notenbankpolitiken der Bad Notenbank EZB und der FED sowie der wieder etwas Handlungsspielraum erworbenen Notenbanken in China und Indien genug Liquidität in den Märkten steckt, kann glaube ich, jeder nachvollziehen. Auch dass die Unternehmen auf Cash-Beständen sitzen, die teils enorm sind und einer sinnvollen Investition harren.

Der von DJE hergestellte Zusammenhang zwischen Geldmenge und Aktienhausse konnte historisch gut nachvollzogen werden. Schön war auch, dass er das Nichteintreffen seiner im letzten Jahr gegebenen Prognose einräumte. Glaskugeln haben auch für Profis so ihre Tücken!Interessant war auch die Aussage von Bernecker junior, dass die Amerikaner längst vom Kauf auf Pump weg sind. Wobei er da durchaus den Unterschied zum Staat USA machte. Er der nach eigenen Angaben lange Jahre in den USA lebte, muss das wohl wissen. Nicht minder interessant war seine These, dass sich das Geschäftsmodell der Banken überlebt habe. Was ich Ihnen gegenüber ebenfalls schon schrieb und deshalb vor einer Investition in Banken warnte. Er ging sogar so weit, dass Mittelständler unter Umgehung der Banken sich gegenseitig Geld liehen und die Banken meiden würden, wo sie könnten. Die Zeiten sich mit Fremdkapital über Banken einzudecken, sei aufgrund des wenig partnerschaftlichen Verhaltens der Banken in der Finanzkrise endgültig vorbei.

Dass bei Anleihezinsen von 2% und der Unsicherheit bei Immobilien eigentlich nur noch Aktien als Investmentalternative überblieben, darüber war schnell Einigkeit zu erzielen. Wobei DJE auch dem Gold das Wort redete, was ich persönlich weniger nachvollziehen konnte und kann.



Insofern war mein erster Besuch auf dem Fondskongress in Mannheim insgesamt eine runde Sache. Wenn man nun noch dem bis zu einer halben Stunde dauernden Anstehen zum Mittagbuffet abhelfen würde, beim „Gala“-Dinner auf die zwar schön anzuschauenden, aufgrund ihren geringen Bekleidung aber völlig unpassenden auf dem Bartresen tanzenden Mädels weglassen würde und die für mich etwas undurchsichtige und wenig nachvollziehbare Preisvergabe etwas interessanter und kürzer gestalten würde, dann könnte man von einem insgesamt gelungenen Kongress sprechen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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