Wie bei jedem anderen Basiswert, so spielt auch beim
Orangensaft-Kontrakt zum Beispiel das Wetter und die Politik eine Rolle.
Aktuell in den Wintermonaten bekommt "Väterchen Frost" wieder seine ganz
eigene Rolle. Zitrusfrüchte sind nun einmal empfindlich. Da gibt es
durch zu niedrige Temperaturen schnell Schäden an den Früchten oder
sogar im schlimmsten Fall an den Orangenbäumen. Im Agrarsektor ist man
zusätzlich noch mit anderen Sondereffekten gestraft oder belohnt. Das
kommt natürlich auf die Marktrichtung an, auf die man als Trader
spekuliert. Fallen Ernten durch Fluten, Dürren, Hitze, Kälte,
Wetterkapriolen wie Tornados, Hurrikans oder sogar durch Ungeziefer aus,
so hat dies natürlich direkte Auswirkung auf die Preisfindung an den
Terminmärkten. Da wundert es auch nicht, dass man sogar Wetterkontrakte
für die verschiedensten Regionen der USA in Chicago handeln kann -
unendliches "Hedging" ist somit jederzeit möglich.
Frost, Ungeziefer, FDA
Ein erhöhtes Frostrisiko für das größte Anbaugebiet für Orangen in den
USA, nämlich der Bundesstaat Florida, ist zwischen Weihnachten und der
Mitte des Januars auszumachen. Sieht von den Fakten bis dato also noch
ganz gut aus. Zwei Nächte im Januar lagen unter dem Gefrierpunkt,
Schäden haben sie wohl nicht angerichtet. Für Schäden muss die
Temperatur mehrere Stunden unter dem Gefrierpunkt bleiben. Ist dies so,
so bilden sich innerhalb der Orange im Fruchtfleisch die ersten
nachhaltigen Frostschäden. Das Eis trocknet das Fruchtfleisch aus,
später öffnet man dann Orangen, die innen relativ trocken sind - diese
Orangen könnte man ohnehin nicht mit ausreichender Quote auspressen und
zu Konzentrat verarbeiten. Meist gehen solche Früchte, wenn es
ansatzweise noch Sinn macht in den Handel und werden als Obst verkauft.
Auf die Gesamtmenge der Orangenernte hatten diese Frosteffekte bis dato
noch keine horrende Auswirkung. Die richtigen Effekte, die sich dann aus
Statistiken des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) herauslesen
lassen, kommen mit den neuen Zahlen des "USDA-Reports" Anfang Februar.
Gemäß dieser Statistik werden dann die sogenannten "box-counts" (Anzahl
der Kisten) die Kurse wieder bewegen. Generell gilt: Je später der Frost
auftritt, desto weniger Schäden treten an den Früchten auf und desto
höher ist der Saftanteil, den man aus jeder Frucht pressen kann. Treten
Schäden direkt an den Bäumen auf, so führt dies zu immensen Auswirkungen
bei der zukünftigen Blütenbildung und zu einem reduzierten nächsten
Ernteertrag.
Der Handel rund um "FCOJ" blieb nicht lange ohne News und neue
Aufregung. Erneut verzeichnete der Kontrakt weitere Kurssprünge, als die
Nachrichten zum Thema "Fungizide in brasilianischen Orangen" über die
Ticker gingen . Brasilien gilt als größter Produzent und nun droht auch
von dieser Seite ein Versorgungsrisiko. Das beeinträchtigt die Importe
in den USA und sorgt somit für weitere Preisrisiken. Der Kurs für "FCOJ"
könnte demnach noch weiter steigen. Fungizide sind chemische,
biologische Wirkstoffe, die Pilze, Sporen abtöten oder in ihrem Wachstum
behindern. Die Food and Drug Administration (FDA) der USA - kurzum die
Lebensmittelüberwachung und die Arzneizulassungsbehörde kontrolliert nun
alle Importe auf Rückstände dieser Fungizide. Werden zu hohe Werte
ermittelt, so sendet man die Tranche wieder an den Händler zurück oder
vernichtet die Ware vor Ort auf Kosten des Händlers. Freunde macht man
sich in Brasilien damit natürlich nicht. Bereits in Supermärkten
bereitgestellte Ware wird ebenso untersucht. Da könnte noch ein weiterer
Preisschub drohen, wenn erhöhte Werte gemessen würden.
Zu allem Ungemach kommt aktuell auch noch aus Texas die schlechte
Nachricht. Von offizieller Seite kam nun die Bestätigung, dass man den
ersten Fall von "citrus greening" bei San Juan hatte. Das betroffene
Gebiet wurde bereits unter Quarantäne gestellt. Die Krankheit "citrus
greening" wird durch Bakterien erzeugt, die durch Blattläuse übertragen
werden. Orangen werden dann vollends grün und sind ungenießbar.
Vermutlich wurde die Krankheit gegen Ende der Neunziger aus Asien und
Afrika in die USA eingeschleppt. Das Auftreten dieser Krankheit in Texas
bedroht nun auch eine weitere starke Anbauregion für Orangen in den USA.
Texas gilt nach Florida und Kalifornien als das drittgrößte Anbaugebiet
in den USA.
FCOJ mit weiter steigenden Kursen
FCOJ hat in den letzten Jahren bereits einen respektablen Preisanstieg
zu verzeichnen. Allein 2009 ging es beinahe 100 Prozent mit dem Kurs gen
Norden. 2010 waren es immerhin noch knapp 25 Prozent, 2011 gab es kaum
Veränderungen zu registrieren. Von September bis dato jedoch sind es
schon jetzt über 25 Prozent, zeitweise mit dem neuen Hoch von 210 USc
waren es sogar deutlich mehr. Alle Fakten sprechen derzeit für weiter
steigende Preise. "citrus greening" ist auch nicht von heute auf morgen
wieder in den Griff zu bekommen. Da wird noch einiger Trubel für
weiteren Preisschub sorgen. Auch die Gentechnik wird hier in den USA
eine größere Rolle spielen - der Wahnsinn nimmt seinen Lauf. Für den
März-Kontrakt von Frozen Concentrated Orange Juice (FCOJ) liegt der Kurs
derzeit bei 206,60 USc an der ICE Futures Exchange. Die nachfolgenden
Kontrakte liegen alle noch unterhalb der Marke von 200,00 USc. Die
Indikation der Investmentbanken liegen zum Zeitpunkt dieses Berichts
knapp unterhalb der 200er-Marke bei 199,10 USc. Das März-Kontrakt-Hoch
liegt aktuell bei 226,95 USc.
Charttechnik für FCOJ-03/2012
Der Orangensaftkonzentrat-Future im März-Kontrakt wird wahrscheinlich
nach den starken Anstiegen die nächsten Handelstage noch an
Gewinnmitnahmen leiden, doch an den Fundamentaldaten, die erörtert
wurden, ist nicht zu rütteln. Heute wird noch ein Zwischenbericht
seitens der Regierung erwartet. Gerüchten aus der Traderszene zufolge,
könnten zunächst zu einem Importstopp führen. Die Auswirkung wäre groß
und der Preis würde schnell anziehen. Analysten aus der Agrarbranche und
Investmentbranche nehmen 250 USc als erstes Kursziel auf 3-Monatssicht
ins Visier. Um diesen Kurs herum könnte man sich Short-Positionen
positionieren und die Kurssprünge abfischen. Rein aus charttechnischer
sicht sieht es für weiter steigende Notierungen gut aus. Wichtige
Unterstützungen liegen bei 198.00 USC und 192.00 USc, Widerstände sind
für 217,00 USc, 221,00 USc und 227,00 USC auszumachen.
Exkurs zum Thema Orangensaftkonzentrat
Da man das Rad ja bekanntlich nicht neu erfinden muss, zitiere ich für
den Exkurs zum Thema "Orangensaftkonzentrat/Frozen Concentrated Orange
Juice (FCOJ)" und für die "Kontraktspezifikationen von FCOJ (physical)
an der NYBOT" einfach den kompletten Inhalt der Seite "broker-test.de".
Die Inhalte stammen ohnehin von mir. Wer hier übrigens den richtigen und
geeigneten Broker zum Beispiel auch für den Handel mit Futures auf
Orangensaftkonzentrat sucht, der wird hier mit Sicherheit fündig.
Orangensaftkonzentrat / Frozen Concentrated Orange Juice
(FCOJ)
Die Orange, auch Apfelsine oder gar Chinaapfel genannt, ist eine
kugelförmige bis leicht eiförmige, hellorangene bis dunkelrote Frucht.
Als solche wird sie von der Orangenpflanze bzw. dem Orangenbaum bei
Reife geerntet. Die Frucht hat eine Schale, die sich ablösen und
abschälen lässt und süßliches, aromatisches Fruchtfleisch. Orangen
werden vor allem als Frischobst zum Verzehr verkauft oder zu Marmeladen
verarbeitet. Obendrein entsteht aus den Orangen frisch verarbeiteter
Orangensaft oder eben das Orangensaftkonzentrat. Nebenprodukte sind z.B.
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Dirk Friczewsky, Tradingstrategien |
Dirk Friczewsky ist Trader und Analyst bei Friczewsky Financial Markets.
Aktien, Anleihen, Devisen, Indizes und Rohstoffe werden einem
Marktscreening mittels der Technischen Analyse unterzogen und daraus
nachhaltige Tradingstrategien entwickelt. Je nach Marktlage sind die
Trading-Setups für Daytrading oder für mittelfristige bis langfristige
Investitionen geeignet. Mehr Informationen unter www.friczewsky.com.
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