Da wir heute die Telefonanlage auf einen anderen Anbieter umgestellt
haben, komme ich erst jetzt, wo alles halbwegs wieder funktioniert,
dazu Ihnen meine Kolumne zu präsentieren.
Gerade habe ich die jüngsten Meldungen gelesen. Und das, was ich da
lesen muss, erschüttert mich bis ins Mark. Was die Bad Notenbank EZB
und Herr Draghi als ihr Präsident da vorhaben, ist – falls es nur
ansatzweise so kommen sollte – ein geldpolitisches Verbrechen
sondergleichen.
Waren die 500 Mrd. Euro vor Weihnachten nach dem trichtet‘schen
Sündenfall überhaupt Staatsanleihen aufzukaufen schon
verantwortungslos, so ist die jetzt gehandelte zusätzliche Summe von
bis zu einer Billion Euro jenseits von Gut und Böse. Statt endlich
die strukturellen Probleme - auch und gerade im Banksektor anzugehen
- wird wieder einmal der einfachere Weg über das Anwerfen der
Gelddruckmaschinen gewählt. Insofern frage ich mich persönlich, ob
Herr Draghi und die Herren in der Bad Notenbank EZB noch alle im
Stübchen haben. Das kommt davon, wenn man ehemaliges
Führungspersonal von Goldman Sachs und die aus Weichwährungsländern
an solche verantwortungsvolle Posten lässt. Ich habe davor letztes
Jahr gewarnt. Wobei ich schon damals einer der schärfsten Kritiker
von Herrn Trichet war.
Ich kann wiederholt nur warnen. Wie wurde doch Greenspan mit seiner
ungehemmt expansiven und verantwortungslosen Geldpolitik in den
Himmel gehoben. Gebüßt haben wir es später alle über gigantische
Blasenbildungen. New Economy und auch die Finanzkrise wären ohne
eine solch expansive Geldpolitik nicht passiert. Und so möchte ich
mir gar nicht die Verwerfungen vorstellen, die in ein paar Jahren
weltweit passieren. Eines ist aber sicher. Das meine sehr verehrten
Anleger werden wir alle erst einmal über steigende Kurse feiern.
Insofern könnte ich mich jetzt, der gerade einen Aktienfonds
aufgelegt hat, hinstellen und mich freuen und die Schnauze halten.
Nach dem Motto; Nach mir die Sintflut.
Weil ich aber ansatzweise ahne, was für einen Absturz es in ein paar
Jahren geben wird, dessen Ausmaße ich jedenfalls noch nicht erlebt
haben – weil wir letztlich derzeit unsere Probleme alle zu Lasten
der jungen Generation in die Zukunft schieben, statt sie zu lösen
und ich das ablehne - tue ich das nicht. Und protestiere als
Vorstand und Diplom-Volkswirt dagegen auf das Entschiedenste. Wohl
wissend, dass dies wenig, bis nichts bewirken wird. Und so ist
Europa wohl derzeit dabei, einen großen Fehler mit historischen
Ausmaßen zu begehen. Und obwohl ich sonst nicht die Zukunft deute
und das Glaskugel lesen anderen überlasse, so tue ich es diesmal
doch, weil es nach den Regeln der Volkswirtschaft eine mathematische
Gewissheit ist. Europa wird für diese geldpolitischen und
wirtschaftlichen Versäumnisse büßen. Und zwar bitter. Da bin ich mir
absolut sicher. Man wird eines Tages auf diese Zeiten zurückschauen
und sich fragen, wie man es so weit hat kommen lassen können. Und
wieso niemand dem ganzen Einhalt geboten hat. Wir werden uns vor der
jungen Generation rechtfertigen müssen!
Jetzt höre ich schon die neunmal Klugen um die Ecke kommen und
sagen, dass das doch alles nicht so schlimm sei. Und der heute
verkündete Inflationsrückgang doch zeige, dass Pessimisten (wobei
für mich immer das Glas halb voll anstatt halb leer ist) wie ich,
die schon vor zwei drei Jahren die Inflation an die Wand malten,
doch im Unrecht gewesen wären und sein werde. Insbesondere und vor
allem solange die Bad Notenbank EZB die Gelder wieder einsammelt.
Was sie derzeit tut. Und die Konjunktur rückläufig ist.
Ich bezweifle aber, dass sie das dauerhaft kann. Momentan ist es
natürlich keine Hexerei. Da eine Bank der anderen nicht vertraut
(ein Zustand, den offenbar gar keinen mehr zu beängstigen scheint),
ist das Ganze linke Tasche rechte Tasche. Die Banken nehmen die
Geldmenge dankbar entgegen und geben sie über Nacht gleich wieder an
die Bad Notenbank EZB zurück. Deshalb die Rekordsummen der
Übernachtgelder. Von etwas risikoreicher aufgestellten Banken wird
das Geld vielleicht noch in Staatsanleihen gesteckt, wobei die Wette
in Richtung Gesundung und Reduzierung der Staatsverschuldung geht.
Wobei wir Letzteres wohlgemerkt, bisher noch nie gesehen haben.
Bisher stiegen die Schulden selbst in Deutschland immer weiter an.
Und jedes Mal war die Ausrede die, dass wir vor historischen
Aufgaben stehen. Das Problem ist nur, dass die Historie uns immer
wieder vor historische Aufgaben stellen wird. Und ein Ende wohl
nicht in Sicht ist. Insbesondere in Zeiten, wo sich die
wirtschaftlichen Gewichte aufgrund der Globalisierung so erratisch
verschieben wie derzeit.
Jetzt malen wir doch einfach einmal ein gar nicht so unrealistisches
Szenario an die Wand. Die europäischen Staaten schaffen es einfach
nicht zu sparen. Was mich angesichts der momentanen Politiker, die
viel reden, aber wenig handeln, nicht wundern würde. Was werden die
wohl tun, wenn das Volk auf die Straße geht, wie jetzt in
Griechenland? Dann haben wir das Thema Systembanken, das strukturell
immer noch einer Lösung harrt, wieder auf der Matte. Dann aber in
einem wesentlich gewaltigeren Umfang. Wollen wir dann 10, 20
Billionen und mehr ins System schieben? Mit einer
Jugendarbeitslosigkeit von dann vielleicht 40% im Schnit? Da braucht
es nicht viel Vorstellungskraft, was dann mit Europa und Deutschland
passiert.
Insofern ist das, wovon jetzt nur gesprochen wird, schlicht
unverantwortlich. Sie sehen mich absolut entsetzt. Weil selbst ich
mir das in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt hätte. Trotz
Trichet, Draghi, Juncker, Merkel und Sarkozy. Das ist die Abdankung
Europas. Und eine starke Machtverschiebung hin zu den Banken. Honi
soit qui mal y pense. Und das ist noch vorsichtig ausgedrückt.
Wie sagte doch Albert Einstein:

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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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