Narrenschiffe und Windmühlen



10:34 01.02.12

Wie jämmerlich europäische und deutsche Banken derzeit daherkommen, sieht man, wenn man den Blick mal über den begrenzten Horizont hinaus schweifen lässt und sich z. B. einmal die indische ICICI Bank und auch deren Kursverlauf zu Gemüte führt. Während hier die Groß-Banken wohl als Exklusiv-Bettler bezeichnet werden dürfen und sie sich statt um ihre Kunden zu kümmern, wild zockend für den Ansturm auf Billig-Kredite der Bad Notenbank EZB rüsten, gibt es doch tatsächlich noch Banken auf dieser Welt, die nicht schnorren, sondern sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und dort punkten.

Wobei man da schon weit reisen muss. Denn hierzulande braucht sich aufgrund des Geldsegens seitens der Bad Notenbank EZB wohl keiner in den Banktürmen mehr richtig anstrengen. Das Geld fließt quasi von ganz allein und das noch dazu zu günstigsten Konditionen. Ist das nicht geradezu paradiesisch? Wie schön wäre es, wenn wir von Globalyze da auch einmal einen Kredit von sagen wir 1 bis 2 Mio. Euro zu 1% Zins haben könnten? Wir würden den Jungs in Frankfurt das Fürchten lehren und ihnen zeigen, dass Kundenorientierung und überdurchschnittliche Rendite kein Gegensatz sind, sondern zusammengehören.

Jedenfalls konnte die indische ICICI Bank im letzten Quartal ihren Nettogewinn um +20% auf RS (=indische Rupie) 1.728,10 crore (crore=10 Mio. in Indien) steigern. Wobei die Gesamterlöse sogar von RS 8.444,75 crore um +24,2% auf RS 10.483,73 crore stiegen. Wer da noch sein Geld einer Commerzbank oder Deutsche Bank AG anvertraut ist selbst schuld.

Dass sich die Gewichte von Europa weg verschieben, zeigt auch unser TopValue Computerprogramm. So begrüßen wir in unseren Top10 erstmals einen südkoreanischen Wert und zwar an Nummer 2. Und so sehen Sie mich, der ich dieses Programm entwickelt habe, immer wieder überrascht, welche Werte dieses Ding heraussucht. Das ist so etwas von spannend, das glauben Sie gar nicht. Es ist vergleichbar mit Kindern, die wir in die Welt setzten und die irgendwann plötzlich ihre eigenen Wege gehen. Sie machen es manchmal anders, was uns möglicherweise kurz verunsichert, aber auch nicht schlechter und häufig sogar besser als wir selbst.

Jedenfalls haben wir derzeit eine äußerst interessante Aktienauswahl mit der wir – da bin ich mir ziemlich sicher – in 2012 erneut den Markt deutlich outperformen werden. Wer gegen ein Narrenschiff antritt, muss eigentlich nur den einmal als richtig erkannten Kurs halten. Mehr braucht‘s da nicht. Und Narren und Narrlesen haben wir derzeit nicht nur - weil die 5. Jahreszeit des Karnevals angebrochen ist - mehr zu bestaunen als uns allen lieb ist. Und vor allem bis in die höchsten Positionen hinein. Bitter ist nur, dass die verteilten Bonscher bereits auf Pump gekauft werden.

Und Hoffnung ist nicht in Sicht. Wenn man sich einmal die beiden Herausforderer Obamas ansieht, wird das überdeutlich. Mal im Ernst. Wer will Politiker, die so ungehemmt und bar jeden Respekts aufeinander losgehen, in Amt und Würden haben? Es scheint wohl, dass nicht nur bei uns die Politik immer schlechter wird und leider nur allzu häufig die Falschen nach oben spült. Nur am Rande. Bei uns in Schleswig-Holstein freuen sich die Liberalen bereits, dass sie bei ihrem Neujahresempfang den Saal vollbekommen haben und werten das als ein gutes Zeichen. So konnte man in der hiesigen Regionalzeitung lesen. Tief muss man fallen, um zu einer solchen Einsicht zu kommen. Die paar werden es aber wohl nicht richten. Da schwafelt dann Herr Brüderle, der im Gegensatz zu Stuttgart, hier ausnahmsweise reden durfte, etwas von „Zuschütten der Probleme mit Geld“ und „dass die Notenpresse nicht in die Hände der Politik kommen darf“, wo sie doch längst angekommen ist, als wenn die FDP nicht Teil des gesamten Problems wäre und dagegen nun doch in der jüngsten Vergangenheit wirklich nichts unternommen hat bzw. derzeit unternimmt.

Wer hat denn Herrn Schäffler, der stets den liberalen Ideen treu geblieben ist in die Ecke gedrängt? Jetzt nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, gegenüber Griechenland den harten Hund zu geben, ist vor wichtigen Wahlen wirklich mehr als durchsichtig. Also mit der von Ihnen befürworteten absolut blödsinnigen Finanztransaktionssteuer und ein paar Lehrerstellen mehr, die es angesichts der strukturellen Defizite auch nicht richten werden, auf zum letzten Gefecht, Herr Kubicki! Wobei ich ihn fast ein wenig in Schutz nehmen muss. Unsere Kollegen von der CSU toppen die FDP mit dem angekündigten Verbotsantrag für die Linken zur Unzeit noch. Haben die/wir derzeit wirklich keine anderen Sorgen und Probleme? So haken wir das mal unter schlechtem Ablenkungsmanöver ab.

Aber wenden wir uns wieder den Unternehmen zu. Interessant ist, dass sich ThyssenKrupp aus seiner Urdomäne verabschiedet. Nicht ganz natürlich. Immerhin wird der Stahlkocher noch 29,9% an dem neuen Unternehmen und künftigen Weltmarktführer, so die Wettbewerbsbehörde will, in diesem Segment halten. Aber es zeigt doch recht gut, dass der Stahl von ThyssenKrupp nicht mehr so hart wie einst ist. Den Spruch „Hart wie Kruppstahl...“ entzieht man so im Zeitalter der Globalisierung die Grundlage. Wobei das nicht unbedingt zu bedauern ist. Wir sehen daran aber, welche enorme Veränderungen China bewirkt.

Dazu passt auch, dass der indische Suzlon-Chef Tulsi Tanti vor einer Bereinigung in der Windbranche warnt und eine Pleitewelle auf uns zukommen sieht. Wobei der wohl unsere Solarpanelanbieter nicht gesehen hat. Schuld sind wieder mal die Chinesen. Wobei ich diesbezüglich hier vor Ort, nämlich in Rendsburg, schon einen Frühindikator beobachten konnte. Der mit Steuergeldern des hochverschuldeten Schleswig-Holsteins aufgepeppte Hafen, der dort eigens für das Windenergie-Unternehmen gebaut wurde und noch nie ein Windrad zu Gesicht bekam, drohte mangels plötzlichem Desinteresse zu eine Brache zu verkommen. Jetzt hat man jemanden gefunden, wie ich neulich in der Regionalzeitung lesen konnte. Wobei ich nicht wissen will, was den Steuerzahler diese Fehlinvestition gekostet hat. Leider wird auch hier vor Ort und regional immer wieder auf die Großen und damit auf die falschen Pferde gesetzt. Kiel kann da mit seinem Partikelzentrum, dass jetzt Koreaner oder waren es Thailänder (?) betreiben sollen, mitreden. Dass man angesichts solcher Bauchlandungen hierzulande nicht vorankommt, wundert mich jedenfalls nicht.

Sie sehen. Manchmal muss man, um gut in Aktien anzulegen, nur mit Sorgfalt die Regionalzeitung lesen und seine nähere Umgebung genau beobachten. Das reicht, um die größten Fettnäpfchen zu vermeiden.



Und so rufe ich Ihnen zum Schluss dieser Kolumne ein dreifaches Helau oder von mir aus auch Alaf zu. Merken Sie sich das gut. Sie werden diese Grüße, angesichts der Jecken, die derzeit - wohin man auch schaut - unterwegs sind, auch über die Karnevalszeit hinaus gebrauchen können.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

Globalyze
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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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