Gerüchte treiben den DAX auf über 6600 Punkte



10:41 02.02.12

Wie so oft sind es Gerüchte, die als Begründung für die aktuelle positive Kursentwicklung herhalten müssen. So kursieren erneut Meldungen, nach denen sich Griechenland mit den privaten Schuldnern auf einen Schuldenschnitt geeinigt habe. Nun gut, dass wird allerdings auch schon seit mehreren Wochen immer wieder behauptet. Aber trotzdem, der DAX steigt um 2 % und entwickelt damit die Dynamik, die ich gestern noch vermisst habe. Mit 6.630 Punkten wurde zudem ein neues Jahreshoch erreicht. Der Ausbruch ist somit nachhaltig gelungen, der Retest der vergangenen beiden Tage abgeschlossen und jetzt sehen wir auch die Dynamik. Nun haben wir also ein perfektes Ausbruchssignal, und der Aufwärtstrend ist weiterhin intakt.

Das Kursziel liegt nun bei ca. 7.000 bis 7.100 Punkten.


Die Wahrscheinlichkeit

Ein Problem bei der Charttechnik ist, dass viele Anleger sie zu dogmatisch sehen. Selbst so ein deutliches Signal, wie wir es aktuell im DAX sehen und seit einigen Tagen begleiten, bedeutet nicht etwa, dass das Erreichen der 7.000 Punkte sicher ist. Nein, hier geht es nur um Wahrscheinlichkeiten. Diese liegen vielleicht jetzt bei geschätzt knapp 70 %, mehr ist es nicht. Das bedeutet aber, dass es trotz eines solchen Signals immer noch in drei bis vier von 10 Fällen nicht zu der Erreichung des Kursziels kommt! Und 70 Prozent Wahrscheinlichkeit sind in der Charttechnik bereits viel.

Dazu sollten Sie bedenken, dass wir immer noch politische Börsen erleben die Gefahr, dass es hier erneut Störfeuer gibt, senkt meiner Meinung nach die Wahrscheinlichkeit zurzeit erheblich hier gibt es sozusagen Abzüge in der B-Note.

Langfristige Gewinne

Und es ist eines der wenigen unbestreitbaren Geheimnisse des Tradens, dass es niemals um den sicheren Trade geht, den Geheimtipp oder das unfehlbare Investment. Es geht, so ernüchternd es auch sein mag, lediglich um die Erhöhung der Wahrscheinlichkeit zu Ihren Gunsten und hierbei ist jedes Prozentpünktchen willkommen.

Börsengang von Facebook

Heute fragte mich zum Beispiel eine Bekannte, ob ich denn bei einem Börsengang von Facebook einsteigen würde. Mal abgesehen davon, dass noch viel zu wenig belastbare Informationen dazu vorliegen, blieb meine Antwort doch negativ. Obwohl Facebook sicherlich zurzeit eines der größten Phänomene in der IT-Branche ist.

Ich habe aber bei solchen Börsengängen große Schwierigkeiten die Wahrscheinlichkeiten für weiter steigende Kurse zu bestimmen - ich kann die Chancen und Risiken nicht wirklich abwägen. Schließlich sind nicht alle Börsengänge der IT-Branche in den vergangenen Jahren so gut gelaufen, wie zuvor von den Anlegern erwartet. Aber wenn mich schon Nicht-Börsianer zu diesem Thema befragen, ist eins wohl sicher: Es wird einen ziemlichen Hype um diesen Börsengang von Facebook geben. Ob aber die Aktie nach der ersten Euphorie weiter steigt?



Eins ist dabei sicher: Irgendwann unterliegen auch die neuen Aktien den allgemeinen Börsentrends. So brach zum Beispiel Google während der Finanzkrise von zuvor knapp 750 Dollar auf im Tief 250 Dollar, also um über 66 %, ein.

Alle Information in einer Linie

Zudem fehlt mir bei einem Börsengang der Chartverlauf, also überlass ich die Bewertung anderen. Meiner Meinung nach (und da gibt es sicherlich auch andere durchaus vertretbare Meinungen) gibt es nichts, was mehr über eine Aktie aussagt als der vorherige Kursverlauf. Schließlich sehen Sie dort alle Informationen, die bekannten und unbekannten, in einer Kurshistorie vereint. Sie sehen die unveröffentlichten Einschätzungen der institutionellen Anleger und jede Kaufentscheidung, ob die des Firmenboss oder eines einfachen kleinen Anlegers. Für mich liefert das eine geradezu geniale Spielwiese der Wahrscheinlichkeiten.

Traderlatein

Aber man muss sich sowieso von der Vorstellung trennen, bei jedem einzelnen Trade zu gewinnen. Der einzelne Trade ist völlig unbedeutend. Es ist egal, ob er aufgeht oder nicht. Man hat nicht nur deswegen einen Fehler gemacht, weil ein Trade mal schief geht. So ein Denken macht die Psyche kaputt. Man kann auch alles richtig machen und trotzdem ausgestoppt werden.

Nein, es geht darum, in der Masse der Trades mehr Gewinn zu machen als Verluste. Gerade im sehr kurzfristigen Bereich wird das sogar teilweise dadurch erzielt, dass man unterm Strich mehr Verlustrades als Gewinntrades macht. Wenn die wenigen Gewinntrades aber die vielen Verlusttrades (z.B. durch sehr dichte Stopps) überkompensieren, bleibt zum Schluss ein Gewinn übrig.

Schlussendlich bleiben zum Schluss wenige Punkte, die an den Börsen zum Erfolg führen: Intuition, Wissen, Erfahrung und eben der ewige Kampf um die Wahrscheinlichkeiten.

Viele Grüße

Jochen Steffens

(Quelle: www.stockstreet.de)

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Über den Autor
 
Autor: Jochen Steffens Jochen Steffens,
Stockstreet GmbH

Jochen Steffens ist als Chefredakteur diverser Fachpublikationen im Bereich Börse und als bekannter Kolumnist tätig. Seit mehr als zwölf Jahren arbeitet er als eigenverantwortlicher Daytrader mit dem Schwerpunkt Futurehandel. Als Geschäftsführer der Stockstreet GmbH ist er für die Börsenseite stockstreet.de verantwortlich. Dort gibt er den täglich erscheinenden Börsennewsletter: "Steffens Daily" heraus. Für mehr Information: www.stockstreet.de

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