Wagende und alle anderen



10:40 02.02.12

Es gibt Tage, da sucht man förmlich die Themen und den Aufhänger für eine solche Kolumne. Dann gibt es Tage, da könnte man angesichts des Stoffs fünf und mehr Kolumnen schreiben und jede hätte ihre inhaltliche Berechtigung. Und so sehen sie es mir nach, dass ich diesmal inhaltlich von Pontius zu Pilatus wechsle und zurück.

Sehr geärgert habe ich mich über Vodafone Deutschland. Ob Sie es glauben oder nicht, die Portierung sowohl meiner privaten als auch beruflichen Nummern soll – trotz Zusage vor Ort bei Kauf zum 31.01.2012– erst zum 17. Februar erfolgen, was für ein Unternehmen wie uns eine mittelgroße Katastrophe ist. Wobei neben der Begründung das Beste an dieser Angelegenheit die Dreistigkeit der Dame in der Hotline war, die das noch als Kundenservice verkaufen wollte und auf meine Kritik hin einfach auflegte. Aber kommen wir zur sagenhaften Begründung. Das neue Produkt LTE sieht eine 4.wöchige Rückgabemöglichkeit vor. Da man als Kunde theoretisch also die Reißleine ziehen kann, portieren die Jungs von Vodafone einfach erst nach Ablauf der vier Wochen. Zusage hin, Zusage her. Offensichtlich ist der deutsche Vorstand von Vodafone von der Qualität des Produkts und seinem Produkt so wenig überzeugt, dass er diese unsinnige Vorgehensweise als angebracht sieht. Denn würde an das Produkt glauben, müsste er so nicht handeln. Toll Vodafone. Willkommen im 21 Jahrhundert. Ich nenne das Scheiß-Service!

Dann gehe ich gleich weiter zu eBay und Paypal. Einer meiner Söhne hat dort einen gebrauchten iMac G5 ersteigert. Leider war das Gerät mit einem Fehler behaftet, der in den Foren zuhauf seinen Widerhall findet. Wir haben das reklamiert. Der Verkäufer behauptet, dass das Problem aus dem Transport bzw. der unsachgemäßen Behandlung resultieren würde. Was schlicht gelogen ist. Weil das häufig auftauchende Grafikkartenproblem, jedenfalls den Foren zufolge, allgemein bekannt ist. Nun setzte man uns eine Frist bis zu der wir ein Gutachten eines Händlers einreichen sollte, die nun leider verstrichen ist. Weil der Macintosh Händler hier in Kiel am Europaplatz mir telefonisch am Freitag für Montag ein solches Gutachten zusagte und am Montag der dort Angetroffene sich an diese Zusage schlicht nicht halten wollte. Alle Plätze seien belegt und das Diagnoseprogramm würde 10 Stunden dauern. So kommen Betrüger mithilfe interner kundenunfreundlicher Prozesse durch. Ein hanseatischer Kaufmann, den in Deutschland wohl keiner mehr kennt oder kennen mag, hätte anders gehandelt. Auch Scheiß-Service.

Da wünscht man sich dann doch kleine deutsche inhabergeführte Mittelstands-Unternehmen, in denen der Chef noch erreichbar ist, und die sich deshalb noch anstrengen und kümmern. Etwas, was gar nicht hoch genug geschätzt werden kann. Jeder von Ihnen, der einmal in Not kam, weiß das. Wobei wir von Globalyze inzwischen aus unseren schlechten Erfahrungen mit den Großen, soweit möglich, mit jungen und neugegründeten Unternehmen und Dienstleistern zusammenarbeiten, weil uns die Arroganz der Etablierten teilweise so etwas von auf den Senkel geht. Leider kommt man daran, aufgrund der planwirtschaftliche Tendenzen beinhaltenden Wirtschaftspolitik dieser sich konservativ-liberal nennenden Regierung, nicht immer vorbei.

Insofern habe ich mit großem Interesse gelesen, dass China seine Zukunft nicht wie Frau Merkel und ganz Europa in den Banken sieht, in die sie rückwärtsgewandt Milliarden, ja inzwischen Billionen von Euro stecken, sondern zukunftsgewandt in Mikro und Kleinunternehmen. Sie haben richtig gelesen. China investiert fast zweieinhalb Mrd. Dollar in einen Start-up Fonds. Die Begründung?

“The micro and small-sized business is the main channel of creating new jobs, the platform for entrepreneurs to grow and the major force for scientific innovation.” Und: “Small companies have "significant strategic importance" to helping China keep stable and rapid growth amid a global financial meltdown.”

Respekt kann ich da nur sagen. Und so werden die Google, Microsoft und Facebook der Zukunft wohl aus China kommen. A propos Facebook. Facebook Gründer Marc Zuckerberg hat gestern seinen Wertpapierprospekt bei der Börsenaufsichtsbehörde SEC eingereicht und wird uns in Kürze mit einem 10 Mrd. Dollar Börsengang beglücken. Wobei das Unternehmen auf satte 75 bis 100 Mrd. Euro taxiert wird. Wenn man nun dagegensetzt, dass mir vor ein paar Jahren ein Firmenkundenberater der Deutsche Bank AG sagte, dass „bei Internet und Software bei den Kollegen in Hamburg die Schotten heruntergehen“, sieht man wie ungeheuer fortschrittlich sogar die größte deutsche Bank, die sich angeblich den Mittelstand auf die Fahnen geschrieben hat, ist und auch die anderen sind.

Kommen wir zum gescheiterten Deutsche Börse-Nyse Deal. Der Untergang des Abendlandes, wie es Dr. Francioni sieht, ist das ganz gewiss nicht. Ich rate ihm, statt sich in Gigantomanie zu üben, sein Angebot zu verbessern. Wenn man mal sieht, was unsere Kunden, wenn Sie z.B. japanische Aktien kaufen wollen, für unverschämte Spreads akzeptieren müssen – obwohl es sich da um große japanische Konzerne handelt – dann glaube ich, dass da noch genug Verbesserungsbedarf hierzulande beseht. Auch die ganz schwer an ein Oligopol erinnernde Organisation der Kursverteilung über die Vendoren und Subvendoren könnte man im Zeitalter der 21. Jahrhunderts über Standardschnittstellen für jedermann auch einfacher regeln. Aber wer will in Deutschland schon einfache Lösungen und Wettbewerb? Wo man doch anders bei den Kunden besser abkassieren kann?

Überhaupt geht mir diese neue, überall aufkommende Großmannssucht mächtig auf den Zeiger. Während man überall noch größer und noch schöner sein will, bleibt das Einfache Reine, z.B. der einfache Prozess, das einfache Produkt, der einfache Service auf der Strecke. Wie wäre es, wenn sich die Damen und Herren einfach mal um ihr Kerngeschäft kümmern würden statt Monopoly zu spielen? Auch für die Politiker gäbe es in Deutschland genug Baustellen. Da muss man nicht weltweit und in Europa laufend Neue aufmachen.

Zuletzt noch ein konkretes Beispiel wie doof wir uns in diesem unserem Land verhalten. Wie Sie wissen, haben wir im November letzten Jahres einen Aktienfonds über so eine Art Nachwuchsfondsgesellschaft, die Luxemburger Venova SA, eine 100% Tochter der großen und renommierten Luxemburger Axxion SA, aufgelegt. Wir liegen derzeit mit einem Fondsvolumen von 400 T¤ noch ziemlich niedrig. Wobei wir aufgrund einer Kostendeckelung durch unseren Partner in den Verwaltungsgebühren auch nicht teurer sind als andere Fonds. Dafür aber aufgrund unseres rein rationalen und vollautomatischen Vorgehens vollkommen unabhängig und manipulationsfrei. Was – wie die Finanzkrise gezeigt hat – ein Wert an sich ist.

Jetzt bekommen wir wieder und wieder zu hören, dass unser Ansatz, den ich jedenfalls so in der deutschen und europäischen Fondslandschaft nicht noch einmal wieder finde, zwar ein toller sei, aber man erst ab einem Volumen von 10 Mio. Euro einsteigen könne. Das gipfelte in der Aussage eines Gesprächspartners, dem ich den Carmignac Patrimoine A gegenüber hielt und auf die relativ schlechte Performance seit Mitte 2010 hinwies, dass er lieber einen Fonds kaufen würde, der wenig bis keine Rendite bringt, als einen kleinen sehr renditeträchtigen Aktienfonds. Was wohl ganz schön bescheuert ist. Insbesondere wo wir doch mit der Performance unserer Top10 im zweiten Halbjahr mit über +70% nicht nur den Camignac ordentlich outperformten, sondern eigentlich alles was Rang und Namen hatte. Egal. Meine Antwort, also die Antwort eines Unternehmers, der die Ärmel noch hochkrempelt und selbst anfasst war, dass wir eine so hohe Rendite zeigen werden, dass der Markt an uns nicht vorbeikommen wird. Und mancher sich nachträglich wünschen wird, dass er doch von Anfang an dabei gewesen wäre. Basta!

Eines ist klar. Solange sich die Anleger und Institutionellen so irrational verhalten, so lange werden wir diese Finanzkrise noch mit uns herumschleppen. Wer den sicheren Kapitalverlust über nicht die Inflation deckenden Nominalzinsen einer Markenbank und schwache Renditen von etablierten Fondsgesellschaften einer beinahe sicheren, überdurchschnittlichen und vor allem manipulationsfreien Rendite eines Newcomers vorzieht, der ist nicht mehr zu retten. Und gehört wohl auch über Vermögensverluste bestraft. Während sich umgekehrt unsere Globalyze Kunden - gemeinsam mit uns und bei Gleichgerichtetheit der Interessen - nach und nach ein Vermögen aufbauen und so eine sinnvolle private Altersvorsorge betreiben.



Zum Schluss muss ich feststellen, dass ich immer wieder von der Passgenauigkeit meines Kalenderspruchs (ob das noch mit rechten Dingen zugeht? ;.)) beeindruckt bin. Dort lese ich heute von der Wiener Philosophin, Autorin und Künstlerin Dr. Lisz Hirn:

„Wagenden hilft das Glück. Allen anderen hilft gar nichts.“

Passender könnte der Spruch nicht sein. In diesem Sinne.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

Globalyze
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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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