Boni für Banker?



14:15 03.02.12

diese Woche begann mit einem Paukenschlag: Die mit viel Steuergeldern gerettete und zu knapp 85% in Staatsbesitz befindliche Royal Bank of Scotland plante millionenschwere Bonuszahlungen an ihren CEO Stephen Hester und andere Top-Banker. Ganz Großbritannien schrie auf. Doch ist diese Ankündigung tatsächlich als ein Zeichen von übermäßiger Gier zu werten, oder ist es vielmehr der gerechte Lohn für eine gute Performance speziell dieser Bank? Generell gilt:

Für Premier Cameron kommt die Meldung zum denkbar schlechten Zeitpunkt. In den letzten Wochen hat er sich auf internationalem Parkett erfolgreich als kompromissloser "Mr.CamerNO" profiliert, der sich gegen alle europäischen Regulierungsbemühungen der Finanzplätze stemmt. Zweifelsohne ist die City ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für das Vereinte Königreich und die, wenn auch kontrovers diskutierte, Haltung des Regierungschefs nur zu verständlich. Dennoch macht es jetzt den Anschein, als würde Cameron mit seiner Politik, die Großbritannien in Europa isoliert, gerade die gierigsten und skrupellosesten Banker schützen, welche nach einhelliger Meinung des Volkes die ganze Krise erst herbeigeführt haben. Aber:

Es lohnt ein Blick auf die Fakten. Während die RBS zwischen 2008 und 2010 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise satte 29Mrd Pfund verlor, schrieb das Institut in 2011 erstmals wieder schwarze Zahlen. Auch wenn es sich bei einem Großteil dieser Gewinne ausschließlich um Buchgewinne, resultierend aus einer niedrigeren Bewertung der Schulden, handelte, kann man doch vorsichtig von einem Trendwechsel sprechen. Auch das operative Ergebnis drehte wieder in die Gewinnzone. Darüber hinaus konnte der Anteil von Anleihen aus den PIIGS-Staaten auf knappe 20% des Ursprungsbestands reduziert werden! Dies führt zu stetigen Kursgewinnen. Allerdings auf sehr schwachem Niveau. Denn die RBS ist mittlerweile ein Pennystock. Das Papier kletterte von 0,20 Euro im Dezember 2011 auf zuletzt 0,32 Euro. Das entspricht starken 60%. In einer guten gesamtwirtschaftlichen Phase hat also auch die Royal Bank eine vernünftige Leistung gezeigt.



Ob dies allerdings die Auszahlung von Boni rechtfertigt, sei mal dahingestellt. Natürlich können die Top-Banker nicht noch jahrelang in Sippenhaft genommen werden, ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl wäre jedoch wünschenswert. Ich möchte allerdings noch einmal betonen: Die Banker haben lediglich nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung gehandelt. Wenn das Risiko durch Staatshilfen, Rettungsfonds etc. der politischen Entscheidungsträger auf nahe Null minimiert wird, ist es nur logisch, dass die Banken ein immer größeres Rad drehen. Meine Meinung kennen Sie: 1. Klare Trennung von Investment- und Geschäftsbank. 2. Der Steuerzahler sollte für die Einlagen der Sparer haften bzw. diese absichern, aber nicht für irgendwelche riskanten Papiere, deren mögliche Gewinne (bei null Risiko) ausschließlich bei der Bank landen. Aber darauf können wir wohl lange warten, solange die politischen Entscheidungsträger entweder durch Inkompetenz oder durch Verzahnung mit der Wirtschaft auffallen.

Ihr

Alexander Coels

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Autor: Alexander Coels Alexander Coels,
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