Ueber all die Jahrtausende von den Babyloniern, Assyrer hin zu den
Griechen, Römern, den Königen und Kaisern des Mittelalters bis zum
heutigen Tag, hat Gold seinen Glanz nicht verloren. Die Faszination
"Gold" lebt weiter. Gold hat die Menschheit schon immer beschäftigt,
auch die Literatur und unter anderem auch Deutschlands Dichter Und
Denker Goethe. Beinahe fällt einem die Kinnlade aus dem Gesicht, wenn
man an die eigentlich nicht zitierfähigen Zeilen von Johann Wolfgang
denkt, die ihm zum Thema "Gold" eingefallen sind. Zumindest ein Teil
soll nicht vorenthalten werden, der weniger jugendfreie Teil kann in der
"Walpurgisnacht" nachgelesen werden:
"Euch gibt es zwei Dinge
So herrlich und groß:
Das glänzende Gold
Und der weibliche Schoß.
Das eine verschaffet,
Das andre verschlingt;
Drum glücklich, wer beide
Zusammen erringt!"
(Johann Wolfgang von Goethe, Paralipomenon 52 (Walpurgisnacht) / es
sprach der Satan!)
Krisenzeiten sind Goldzeiten
Ob es nun Sprüche sind, wie z.B. "Heim und Herd sind Goldes wert" oder
einfach nur die reine Erkenntnis, in Gold einen Tresor gefunden zu
haben, einen sicheren Hafen für das so hart erarbeitete Kapital oder nur
die reine Begierde einen oder mehrere Barren jedweder Größenordnung
selbst sein Eigen nennen zu können, Gold stellt für die Menschen eine
Wert dar. Diesen Wert scheinen die Menschen global betrachtet in einer
gewissen Größenordnung derzeit nicht im Papiergeld zu sehen. Wer die
letzten Jahre seit den großen Wirtschaftskrisen aktiv die Kapitalmärkte
begleitet hat, dem erscheint der Preisanstieg bei Edelmetallen oder auch
anderen Rohstoffen und Sachwerten nur selbstverständlich. Neben der
Wertanlage in Gold sehnen sich die Menschen nach sicheren Häfen. Ob dies
nun Immobilien sind, noch sicher geglaubte Papierwährungen, wie den
Schweizer Franken (CHF), den Australischen Dollar (AUD), die Norwegische
Krone (NOK), die Schwedische Krone (SEK), den Kanadischen Dollar (CAD),
den Neuseeländischen Dollar (NZD) und den Singapur Dollar (SGD) oder
weitere Sachwerte, wie Kunst oder sogar Wein. Wie bei jedem Investment
ist das Timing alles, denn überall bilden sich nach einer gewissen Zeit
ganz einfach die Schlussphasen in der Preisreise gen Norden, die dann
gerne mit dem Phänomen namens "Blase" endet - dem großen Knall. Wie
schmerzhaft so etwas für Investoren oder auch Sammler sein kann, zeigt
das aktuelle Beispiel beim "Château Lafite". Dieser französische
Göttertropfen gilt als die Benchmark unter den weltweiten Handel mit
Spitzenweinen. In den letzten Wochen kehrte sich die Stimmung von heiter
auf düster, als die Preise um bis zu 45 Prozent z.B. für den 2008er
Château Lafite-Rothschild vom Hoch bei etwa 14.043 Pfund (GBP) für die
12er-Kiste nach unten drehten - nun kostet sie "nur" noch rund 8.100
Pfund (GBP). Die Kunst des Spekulierens ist demnach bei jedem noch so
begehrten Gut, den Zustand der Blasenbildung in der Spekulationsphase
nach oben hin mitzunehmen und dann rechtzeitig bei der Übertreibung den
Absprung zu schaffen. Auch hier gilt: Besiege die Gier und nehme den
Gewinn zur rechten Zeit mit! Klingt schlau, ist aber gar nicht so
schwer. Wenn Sie mit einem Investment schon dick im Plus sind, so
verabschieden Sie sich doch einfach aus diesem Investment und wenden
sich anderen Freuden zu. Das gilt für nahezu jeden Basiswert, den Sie
sich zur Spekulation, Wertsteigerung und aus weiteren Gründen aneignen.
Beim Thema "Gold" müssen wir das jedoch ein wenig differenzieren. Von
einer Goldblase sollte man derzeit aber noch nicht offen sprechen. Gold
ist schon immer der einzige und wahre Vermögenswert, der nicht an
irgendein Zahlungsversprechen von Regierungen gekoppelt ist. Da man es
nicht beliebig reproduzieren kann, bleibt es im Umlauf halbwegs
beschränkt und deshalb zum Glück auch so wertvoll. Auch heute gilt
weiter: Die Minen decken den Bedarf nach neuem Gold nicht und Altgold
deckt die Nachfrage auch nicht. Durch die Krisen verkaufen die
Zentralbanken weniger bis kaum oder sind sogar im Gegenteil stärker als
Käufer auffällig - vor allem in Asien. Würden die asiatischen Länder
ähnliche Goldquoten in ihren Zentralbanken anhäufen wollen, wie sie in
der westlichen Welt vorzufinden sind, so würde man sich noch weniger
Sorgen um fallende Kurse machen. Der Nachholbedarf ist gigantisch. Die
größten "Goldbesitzer" sind die USA gefolgt von Deutschland, erst dann
kommt der IWF. Indien hortet den weltweit größten Goldschatz in Form von
Schmuck - die indische Hochzeitssaison ist berüchtigt für saisonale
Preisbewegungen bei Gold (unbedingt beachten!).
"Es ist nicht alles Gold, was glänzt."
Der Kauf von Gold kann viele Beweggründe haben. Wer "mit" Gold handelt,
"auf" Gold handelt oder auf Gold setzt, auf Werterhalt setzt, der sollte
die verschiedenen Wege kennen, den Wert für sich dann auch tatsächlich
beanspruchen zu können (in den Händen halten zu können oder an das Gold
schnell herankommen), wenn es wirtschaftlich betrachtet "eng" werden
sollte (Währungskrisen/Eurokrisen/Wirtschaftsverfall). Sollten Sie als
Investor und nicht vordergründig als Spekulant beim Thema "Gold" agieren
wollen, so sollten Sie natürlich auch die Finger von "Papiergold"
lassen. Das sind die Derivate, wie Zertifikate, Indexzertifikate, CFDs
aber auch Futures und das sind auch die Fonds und sogar ETFs und ETCs
der Investmentbranche. Was nützen Ihnen zur Vermögenssicherung, zum
Werterhalt Papiere, die dann platzen, weil sie in Währungen berechnet
ausgegeben wurden oder Berechtigungsscheine für Gold in weit entfernten
Tresoren in England oder den USA und der Schweiz. Sie wollen das Gold
schließlich schnell erreichen und es notfalls in irgendeiner Form
kapitalisieren. Da bleibt nur der reine Goldkauf über den Tresen. Je
nach Kapital sollte man Gold in vernünftigen Stückelungen erwerben. Man
sollte dann Münzen und Barren erwerben. Die Münzen lassen sich leichter
in den alltäglichen Kreislauf einbringen. Mit einem großen Barren können
Sie bestenfalls Leute erschlagen oder Gold mühsam abkratzen und
abwiegen. Bei all diesen Gedankengängen sieht man, dass man sich auch
beim Goldkauf einmal mit den wahren Beweggründen beschäftigen sollte,
bevor man leichtfertig zum Bankschalter rennt und z.B. ein paar
"Krüger-Rand-Münzen" erwirbt. Gold ist übrigens zusätzlich gerade als
Wertanlage auch so geeignet, weil beim Erwerb keine Umsatzsteuer anfällt
- bei Silber ist dies nämlich der Fall. Beim Erwerb von Silber haben Sie
dann so betrachtet neben dem reinen Kursrisiko und Währungsrisiko
(Rohstoffe werden in US-Dollar fakturiert) auch erst noch die bezahlte
Steuer mit dem Investment wieder reinzuholen.
Goldpreis - quo vadis?
Im neuen Jahr 2012 ging es für die Goldinvestoren begleitet durch die
weiter im Markt bekannten Faktoren stetig bergauf. Die Schulden der
Industrienationen der westlichen Welt und auch Japans treiben den
Goldpreis vor sich hin. Nach dem kurzfristigen Einbruch im alten Jahr
vor Weihnachten auf Kurse um ca. USD 1.550 die Unze, kann der Goldpreis
bei heutigen Kursen um USD 1.760 die Feinunze, die Kursdelle als
vorläufiges Zwischentief verbuchen. Auch die Inflationssorgen sind bei
weitem nicht vom Tisch. Fundamental bleibt diese Goldpreisrally weiter
gerechtfertigt. Aber Vorsicht: Die Tagesschwankungen können für den
nicht so nervlich gewappneten Investor zittrige Hände verursachen. Die
Märkte bleiben volatil und diese ruppigen Kursbewegungen oder auch
Achterbahnmärkte sollten für den Investor eher als praktisch betrachtet
werden. Jede Kursdelle stellt doch auch eine gute Einstiegsgelegenheit
dar oder man baut Positionen sogar aus. Ich spreche hier rein vom
Investor. Wir Trader verfolgen da andere Ziele. Wir nutzen die
hochvolatilen Märkte, um z.B. mit gehebelten Derivaten auf den
Spot-Preis von Gold oder direkt via Futures (Kontrakte auf den
Goldpreis) an den Kursschwankungen zu verdienen. Der Werterhalt steht
dabei nicht als Ziel auf dem Tableau, sondern Gewinne bei steigenden wie
fallenden Kursen. Bei den Kursschwankungen können so rund um die
Bekanntgabe der amerikanischen Arbeitsmarktdaten (NFP -
non-farm-Payrolls) von diesem Freitag bei Kursen von rund 1.762-1.733
US-Dollar nette (aber auch erschütternde) Ergebnisse mit gehebelten,
derivativen Wertpapieren oder via Future-Handel entstehen. Der
übergeordnete Trend sieht aber weiter bullish aus. Es sieht derzeit
stark danach aus, dass man die alten Hochs zumindest antesten wird.
Sollten die amerikanischen Terminbörsen jedoch wieder an den
Margin-Anforderungen für Gold-Kontrakte herumschrauben, so werden hier
die Bullen schnell zu Bären. Dies hat man bei der letzten Aktion
feststellen können.
Besonderheiten beim Handel mit Gold
Bitte beachten Sie, dass für die meisten Derivate der Gold-Spot-Kurs als
Referenzwert dient und nicht die verschiedenen Future-Kontrakte. Zur
Ermittlung der Marktgegebenheiten sind jedoch die Kenntnisse und
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Dirk Friczewsky, Tradingstrategien |
Dirk Friczewsky ist Trader und Analyst bei Friczewsky Financial Markets.
Aktien, Anleihen, Devisen, Indizes und Rohstoffe werden einem
Marktscreening mittels der Technischen Analyse unterzogen und daraus
nachhaltige Tradingstrategien entwickelt. Je nach Marktlage sind die
Trading-Setups für Daytrading oder für mittelfristige bis langfristige
Investitionen geeignet. Mehr Informationen unter www.friczewsky.com.
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