Grundsätzlicher Ausblick für den US-Dollar: Neutral

Über den unmittelbaren Trend des Greenback gibt es nur wenig zu diskutieren. In etwa drei Wochen fiel der Dow Jones FXCM Dollar Index um fast 360 Punkte bzw. 3,6 Prozent. Gegenüber dem Jahresbeginn, als der Benchmark drohte, den höchsten Wert seit 12 Monaten zu erreichen, ist das eine deutliche Änderung des Verhaltens. Im Prinzip gibt es eine grundlegende Rechtfertigung für dieses Nachgeben. Wir haben beim Dow Jones Industrial Average einen gewaltigen Anstieg der Risikobereitschaft erlebt, der den Index mit dem höchsten Wert seit vier Jahren schließen ließ. Falls dieser Risikotrend weiter ansteigt, kann man den ertragsschwachen Safe-Hafen Dollar kaum vor dem Straucheln bewahren. Was geschieht jedoch, wenn wir von diesem zunehmenden Optimismus nicht überzeugt sind...
Tatsächlich
gehen tausende verschiedene Elemente in die Berechnung des
Marktwertes einer Währung ein (z.B. der Zustand des
Wohnungssektors, die Verfügbarkeit von Kapital, der
Rohstoffverbrauch, die Neigung zu Konjunkturprogrammen,
Erwartungen hinsichtlich der Zinssätze und vieles mehr).
Glücklicherweise gibt es jedoch nur wenige Schlüsselfaktoren,
die einen unermesslichen Einfluss auf die Entwicklung einer
Währung haben. Die Schwierigkeit besteht darin, diese
Katalysatoren zu bestimmen und ihren Einfluss zu bewerten. Was
den Dollar anbelangt, so besteht der wesentliche Cocktail aus:
Risikotrends, dem Bestreben, sich vom Euro weg zu
diversifizieren und der Erwartung eines Quantitative Easing 3.
Betrachtet
man eine über 20 Tage gleitende Korrelation zwischen dem
Benchmark US-Dollar Index und dem S&P 500, so stellt man
fest, dass die Safe-Hafen-Währung und der Standard für blinde
Risikobereitschaft mit einem Wert von -0,87 korrelieren. Diese
außerordentlich starke Verknüpfung deutet darauf hin, dass die
beiden Indizes sich meist mit gleicher Stärke in verschiedene
Richtungen bewegt haben. Daher drücken der Anstieg des S&P
500 auf ein Sechs-Monats-Hoch und das Schließen des Dow Jones
auf einem Vier-Jahres-Hoch die Lage ziemlich deutlich aus.
Andererseits gibt es keine Garantie für die zugrundeliegende
Triebkraft (Risikobereitschaft). Aktien und der Carry Trade
zwischen den üblichen Währungspartnern streben seit Ende
Dezember in die Höhe. Der jüngste, viel propagierte Vorstoß
wurde durch die Veröffentlichung der Beschäftigungszahlen vom
Januar noch weiter angekurbelt.
Wir
sollten einen kritischen Blick auf die Beständigkeit des
optimistischen Investorenverhaltens werfen und mit den
Beschäftigungszahlen vom Freitag beginnen. Die Angaben eines
Nettoanstiegs von 243.000 Arbeitsplätzen und der geringsten
Arbeitslosenquote seit drei Jahren (8,3 Prozent) werden
angesichts der Anpassungen, die vom Bureau of Labor Statistics
vorgenommen werden, mit Skepsis betrachtet (insbesondere die Art
und Weise, wie jene verärgerten Amerikaner ausgewiesen werden,
die den Arbeitsmarkt verlassen). Doch müssen wir uns darüber
nicht in eine Diskussion vertiefen. Für die Kursentwicklung ist
entscheidend, was der Markt als würdig erachtet (egal, ob es
sinnvoll ist oder nicht). Auch wenn wir die
Arbeitsmarktstatistik als maßgeblich ansehen, so können die
Angaben vom Januar nur wenig vom zugrundeliegenden Trend
ablenken (was bedeutet, dass sie bereits eingepreist waren) und
das Tempo führt nicht gerade dazu, dass die USA in absehbarer
Zeit ein Land sein werden, in dem Vollbeschäftigung herrscht.
Darüber hinaus wird ein stetiger wenn auch glanzloser Trend
zu einem gesunden Arbeitsmarkt den Druck reduzieren, ein heiß
begehrtes Quantitative Easing 3 vorzunehmen, auf das sich viele
verlassen haben.
Jenseits des Einflusses von Arbeitsmarktdaten haben wir die Überzeugung, risikoreiche Positionen wirksam einzusetzen, schon seit einiger Zeit infrage gestellt. Starke Trends werden durch maßgebliche Beteiligung bestimmt, welche das erreichte Level verfestigt und die Märkte weiter vorantreibt. Nichtsdestotrotz führte dieser Trend nie zu wirklichen Umsatzzahlen. Der Grund dafür ist nicht schwer zu verstehen, da Ängste eines globalen Konjunkturrückgangs, schwindende Erträge und Anzeichen finanzieller Spannungen in verschiedenen Gegenden der Welt einen dunklen Schatten auf die Märkte werfen. Obwohl es nicht klug wäre, gegen einen vorherrschenden Trend anzukämpfen, sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass Kursgewinne bei geringen Umsätzen massive Korrekturen erfahren könnten, sobald die Skeptiker mit voller Kraft zurückkehren.
Ein weiterer Faktor, den wir zu Beginn der kommenden Handelswoche berücksichtigen sollten, ist die Entwicklung des Euro. Neuerliche Ängste, dass das Abkommen mit Griechenland scheitern könnte, verhinderten einen Anstieg der Einheitswährung am Freitag. Das ist ein weiterer Segen des liquiden Dollars.
John Kicklighter, DailyFX Analyst
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