Wochenausblick Euro-Dollar und Dax



16:55 06.02.12

Wochenausblick Euro-Dollar und Dax

Montag, 6. Februar 2012   Kontakt: www.actior.de  

 

 

Euro-Dollar:

In einer recht engen Spanne handelte Euro-Dollar in der vergangenen Woche. Nach einem Start knapp über der 1,32 erreichte die Gemeinschaftswährung gleich am Montag vormittag das Wochenhoch bei 1,3230 und zeigte in den folgenden Tagen ein teils wildes Auf und Ab zwischen 1,3025 und 1,3220. Die sehr guten US-Arbeitsmarktdaten katapultierten den Euro dann kurz über die 1,32, doch dann setzte sich die neue Logik druch, wonach gute US-Daten den Dollar stärken. Am heutigen Montag kommt der Euro unter Druck, nachdem die EU Griechenland ein Ultimatum gestellt hat - bei Nichtanerkennung der geforderten Reformen wäre Griechenland spätestens Ende März pleite.

Damit ist die Euro-Krise wieder in den Fokus gerückt, nachdem das Thema etwas in den Hintergrund geraten war. Die immer wieder verbreiteten Jubelmeldungen, wonach Griechenland unmittelbar vor einer Einigung mit seinen Gläubigern stehe, haben sich - wie von uns vermutet - inzwischen in Luft aufgelöst. Selbst bei einer Einigung aber wird Griechenland um einen Bankrott nicht herumkommen - es ist letztlich nur eine Frage der Zeit bis diese Tatsache ins allgemeine Bewußtsein rücken wird.

Das Highlight der letzten Woche waren fraglos die US-Arbeitsmarktdaten, die positiv überrascht haben. Nun ist die USA von einer wirklich tragfähigen wirtschaftlichen Erholung noch ein gutes Stück entfernt, zumal die Immobilienpreise, wie letzte Woche der Case-Shiller-Hauspreisindex erneut gezeigt hat, weiter fallen. Dennoch wirkt die Entwicklung in den Staaten solider als in den meisten Teilen der Eurozone, sodaß wir weiter davon ausgehen, daß Kapital in die USA fließen und letztlich der Dollar von dieser Entwicklung profitieren wird.

Einer der Gründe für den Zwischenspurt des Euro in den letzten Wochen war die Erwartung des Marktes, daß die Fed im April oder Mai QE3 auflegen wird. Doch stellt sich die Frage, warum dies angesichts der sich besser entwickelnden Konjunkturdaten erfolgen sollte. Logischer wäre es für die Fed, erst dann wieder zu intervenieren, wenn wirklich "Not am Mann" ist und nicht bereits im Vorfeld sein Pulver zu verschiessen. Dennoch sind insbesondere die US-Medien fest überzeugt, daß QE3 vor der Tür steht - kommt es nicht, wovon wir ausgehen, wird der Dollar haussieren.

Es stehen in dieser Woche recht wenige wichtige Daten auf der Agenda, sodaß die EZB-Sitzung am Donnerstag das Top-Ereignis für die Gemeinschaftswährung werden sollte. Faktisch betreibt ja auch die EZB über die Flutung der Banken mit Liquidität eine Art QE, aber Schulden bleiben Schulden, auch wenn Liquidität diese Tatsache zeitweise zu verschleiern vermag. Noch im Februar wird die EZB wohl einen neuen Tender auflegen, der Selbsbedienungsmodus auf Kosten der Zukunft kann dann erst einmal weitergehen.

Charttechnisch häufen sich die Warnzeichen für Euro-Dollar, wenn die Gemeinschaftswährung nicht bald den Bereich 1,32-1,3240 überwinden kann. Schon der Bruch der 1,3080 heute morgen ist negativ zu werten, auch wenn die leichte Unterstützung bei 1,3030 erst einmal gehalten hat. Fällt auch diese Marke, ist der Weg zu neuen Jahrestiefs unter 1,2620 frei.

 

 

 

 

Dax:

 

Eine weitere Ralleywoche hat der Dax hinter sich. Nach einem schwachen Start fiel der Index am Montag zunächst auf das Wochentief bei 6412 Punkten, bis auf einen heftigen Rücksetzer am Dienstag ging es dann die gesamte Woche bergauf. Insbesondere die US-Arbeitsmarktdaten gaben dem Dax noch einen Schub, auf X-Dax-Basis schloß der Markt knapp unter 6800 Punkten. Am heutigen Montag belastet das Griechenland-Ultimatum, doch bleibt der Abverkauf bisher aus.

Die derzeitige Ralley im Dax und den US-Indizes ist - wieder einmal - liquiditätsgetrieben. Da verspricht die Fed, die Zinsen bis Ende 2014 unverändert zu belassen, während die EZB den anderen Weg geht und den Banken billiges Geld zuschiebt. Werden die Probleme damit gelöst? Natürlich nicht, man schiebt von der rechten in die linke Tasche und hofft, daß das System nicht so schnell in die Luft fliegt.

Das Spiel ist recht einfach: die EZB druckt Geld, gibt es den Banken, die wiederum dafür Staatsanleihen kaufen, die höher verzinst sind als das EZB-Geld. Da haben alle etwas davon: die Banken ein sicheres Geschäft, die Staaten können sich wieder billiger refinanzieren und so weiter munter die Verschuldung kaschieren. Damit dreht sich das Karussel weiter, bis irgendwann das Rad überdreht ist und das System "aus der Kurve fliegt".

Aber die Schulden bleiben. Indem die Notenbanken das System manipulieren, kaufen sie Zeit und helfen den Aktienmärkten nach oben. Man versucht, das bereits verloren gegangene Vertrauen durch Liquidität zuzuschütten und zwingt damit die Anleger, mitzuschwimmen. Bis dann der nächste externe Schock kommt.

Dieser externe Schock scheint uns nicht mehr weit. Ob Griechenland, Iran oder ein bisher nicht sichtbarer schwarzer Schwan - die Ralley ist so oder so auf dünnem Eis gebaut. So haben wir in den USA den besten Jahresauftakt seit 1987, aber das geringste Volumen seit 1999. Nun argumentieren viele, daß jede Ralley mit geringem Volumen beginnt, weil die Angst nur die starken Hände agieren läßt. Aber in den USA ist von Angst nichts zu spüren, der Anteil der Bären bewegt sich dort auf fast schon historisch niedrigen Niveaus. Darin sehen wir eben nicht den Beginn einer Ralley, sondern die Spätphase einer Bewegung, die kurz vor dem Kippen steht.

Spätestens im März sollte die Party dann erst einmal vorbei sein. Bis dahin kann der Dax noch weiter steigen, möglicherweise bis 7000 Punkte. Auf der Unterseite wäre ein Bruch der Zone 6400/6410 Auftakt zu einer größeren Korrektur.

 

 

 

 

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