Undankbarer Money Market



10:15 07.02.12

„Die Großzügigkeit zu wählen, welchen Tod man sterben will, hat nicht viel mit einer Wahl zu tun,“ sind die Worte des in Pittsburgh ansässigen CEO Donahue von Federated Investors Inc. zu den beabsichtigten Regulierungen der Börsenaufsichtsbehörde SEC im Geldmarktbereich.

Der Grund für solche Aussprüche bzw. Ausbrüche ist, dass die Securities and Exchange Commission, also das amerikanische Gegenstück zu unserer zahnlosen und bis heute „rat-“ und „konzept-„ losen Finanzaufsichtsbehörde Bafin, wird in den kommenden Wochen einen zweistufigen Plan zur Stabilisierung von Geldmarktfonds vorlegen. Gegen den die betroffenen Marktteilnehmer schon heute Sturm laufen, obwohl das genaue Instrumentarium noch gar nicht vorliegt. Dabei ist das Anliegen der SEC ein Hehres. Sie will die Verluste für Anleger im Falle einer erneuten Panik möglichst gering halten.

Die Geldmarktfondsindustrie ist da natürlich ganz anderer Meinung. Statt den Markt zu stabilisieren, sei Frau Shapiro dabei diesen total zu verunsichern. Und ihr die Ertragsgrundlage zu entziehen. Was einzelne bereits jetzt zu Aussagen verleitet, dass sie auf jeden Fall gegen diese Instrumente klagen werden.

Aber worum geht es eigentlich?

Sog. Geldmarktfonds (Money-Market Funds) sind Investmentfonds, die überwiegend in Geldmarkttitel und liquide Wertpapiere mit sehr kurzen Laufzeiten investieren. Dazu zählen u.a. Termingelder, Schuldscheindarlehen und Anleihen. Für den Anleger, der sein Geld kurzfristig parken möchte, war das eine interessante Alternative, da die Zinssätze im Gegensatz zu den normalen Termingeldern relativ hoch lagen bzw. liegen.

In den USA, deren Kapitalmarkt im Gegensatz zu unserem auf Entwicklungslandniveau dahinsiechenden und bankendominanten bzw. -verseuchten Kapitalmärktchen, weniger bankenlastig und deshalb weit entwickelter ist als bei uns, sind diese money market funds eine wichtige Quelle zur Finanzierung von Unternehmen. Die im Gegensatz zu den Bankeinlagen im Worst Case nicht von der Regierung garantiert werden. Das sieht man schon am Volumen von derzeit ca. 2,7 Billionen Dollar. Wobei diese zuletzt erneut ins Gerede kamen, weil sie europäischen Banken und da vor allem den französischen Banken aus Angst vor sinkender Bonität im Zusammenhang mit der Euro-Schuldenkrise und Griechenland, die Geldmittel entzogen. Die Folge war, dass die europäischen Banken dann – wie allseits bekannt - bei der Bad Notenbank EZB betteln gehen mussten.

Nun ist ein Vorschlag der SEC, dass im Fall einer erneuten „lehmannähnlichen Pleite“ die Geldmarktfonds den Anlegern nur 95% ihrer Einlagen zurückgewähren dürfen und 5% mindestens 30 Tage stehen lassen müssen. Dieser Vorschlag resultiert daraus, dass die Regierung und die SEC in der Finanzkrise den Geldmarktfonds, als deren Wert den vorgeschriebenen Net Asset Value von 1 Dollar unterschritten haben, den Rücken stärken mussten. Was so nicht vorgesehen war und ist. Zudem will die SEC die Fonds floaten lassen.

Gegen diese auf den ersten Blick nicht unsinnige Regelungen laufen die Marktteilnehmer natürlich Sturm. Wobei sie kein Problem damit hatten, dass ihnen der amerikanische Steuerzahler, als ihnen im Zuge der Krise der Arsch auf Grundeis ging, denselbigen rettete. Und zwar ohne dass dies gesetzlich so vorgesehen war.

Wenn man sich diese Unverschämtheiten der Finanzindustrie und der Marktakteure, die es gar nicht mehr gäbe, wenn man den Markt zu Beginn der Finanzkrise hätte walten lassen, weltweit einmal zu Gemüte führt, dann ist die Bezeichnung Undankbarkeit noch der geringste Vorwurf, den man diesen Versagern machen könnte.

Und so wundere ich mich schon, dass es in der amerikanischen, aber auch unseren Parteienlandschaft, wobei da in den USA insbesondere die Republikaner und bei uns die CDU/CSU und FDP die bremsenden Kräfte sind, nicht mehr Unterstützung für strukturelle Änderungen gibt.

Wobei sich in den USA, im Gegensatz zu uns, wenigstens die Aufsichtsbehörde mit einem Vorschlag weit aus dem Fenster lehnt. Bei uns in Deutschland ist da Fehlanzeige. Ich weiß gar nicht, ob und wann das letzte Mal ein Marktteilnehmer gegen unsere deutsche Aufsichtsbehörde Bafin Sturm gelaufen ist. Wissen Sie es?



Unter Insidern wird diese vermeintliche Aufsichtsbehörde, die sich in der Vergangenheit immer noch gerne mit jedem noch so kleinen Aktienclub angelegt hat, gleich nach dem Bundesverband deutscher Banken, als zweiter Bankenverband gehandelt. Das kann man verstehen. Denn nach einer Finanzkrise wie die, die wir immer noch nicht hinter uns gebracht haben, könnte man meinen, dass eine Behörde wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht einmal ein Konzeptpapier vorlegt, das strukturelle Änderungen vorschlägt. Das ist mir nicht bekannt. Und so frage ich mich, was die 1.830 Mitarbeiter denn den ganzen Tag tun? Wahrscheinlich das, was die meisten Behörden hier in Deutschland auch tun: sich selbst zu verwalten und hin und wieder den Kleinen etwas Schwierigkeiten machen, damit man noch sie noch wahrnimmt und sie ihre schwache Existenz rechtfertigt.

Und so warten wir weiter auf Vorschläge dieser Behörde zur Verbesserung unseres Finanzsystems vergebens. Deshalb wurde sie wohl auch von der Politik vor Kurzem aufgestockt. Damit sie dem dreigliedrigen deutschen Bankensystem in den internationalen Gremien weiter das Wort reden kann.

Wie auch immer. Wenigstens gehen die USA auch diesbezüglich voran. Während wir wieder einmal durch Nichtstun glänzen. Und die Systemrelevanz beim nächsten Mal wieder aufpoppen wird und wir wieder mit unseren Steuergeldern Gewehr bei Fuß stehen, um die zu retten, die hinterher noch nicht einmal ein Dankeschön für uns übrig haben. Sondern noch dazu mit Klage drohen. Das nenne ich Chuzpe.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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