„Die Großzügigkeit zu wählen, welchen Tod man sterben will, hat
nicht viel mit einer Wahl zu tun,“ sind die Worte des in Pittsburgh
ansässigen CEO Donahue von Federated Investors Inc. zu den
beabsichtigten Regulierungen der Börsenaufsichtsbehörde SEC im
Geldmarktbereich.
Der Grund für solche Aussprüche bzw. Ausbrüche ist, dass die
Securities and Exchange Commission, also das amerikanische
Gegenstück zu unserer zahnlosen und bis heute „rat-“ und „konzept-„
losen Finanzaufsichtsbehörde Bafin, wird in den kommenden Wochen
einen zweistufigen Plan zur Stabilisierung von Geldmarktfonds
vorlegen. Gegen den die betroffenen Marktteilnehmer schon heute
Sturm laufen, obwohl das genaue Instrumentarium noch gar nicht
vorliegt. Dabei ist das Anliegen der SEC ein Hehres. Sie will die
Verluste für Anleger im Falle einer erneuten Panik möglichst gering
halten.
Die Geldmarktfondsindustrie ist da natürlich ganz anderer Meinung.
Statt den Markt zu stabilisieren, sei Frau Shapiro dabei diesen
total zu verunsichern. Und ihr die Ertragsgrundlage zu entziehen.
Was einzelne bereits jetzt zu Aussagen verleitet, dass sie auf jeden
Fall gegen diese Instrumente klagen werden.
Aber worum geht es eigentlich?
Sog. Geldmarktfonds (Money-Market Funds) sind Investmentfonds, die
überwiegend in Geldmarkttitel und liquide Wertpapiere mit sehr
kurzen Laufzeiten investieren. Dazu zählen u.a. Termingelder,
Schuldscheindarlehen und Anleihen. Für den Anleger, der sein Geld
kurzfristig parken möchte, war das eine interessante Alternative, da
die Zinssätze im Gegensatz zu den normalen Termingeldern relativ
hoch lagen bzw. liegen.
In den USA, deren Kapitalmarkt im Gegensatz zu unserem auf
Entwicklungslandniveau dahinsiechenden und bankendominanten bzw.
-verseuchten Kapitalmärktchen, weniger bankenlastig und deshalb weit
entwickelter ist als bei uns, sind diese money market funds eine
wichtige Quelle zur Finanzierung von Unternehmen. Die im Gegensatz
zu den Bankeinlagen im Worst Case nicht von der Regierung garantiert
werden. Das sieht man schon am Volumen von derzeit ca. 2,7 Billionen
Dollar. Wobei diese zuletzt erneut ins Gerede kamen, weil sie
europäischen Banken und da vor allem den französischen Banken aus
Angst vor sinkender Bonität im Zusammenhang mit der
Euro-Schuldenkrise und Griechenland, die Geldmittel entzogen. Die
Folge war, dass die europäischen Banken dann – wie allseits bekannt
- bei der Bad Notenbank EZB betteln gehen mussten.
Nun ist ein Vorschlag der SEC, dass im Fall einer erneuten
„lehmannähnlichen Pleite“ die Geldmarktfonds den Anlegern nur 95%
ihrer Einlagen zurückgewähren dürfen und 5% mindestens 30 Tage
stehen lassen müssen. Dieser Vorschlag resultiert daraus, dass die
Regierung und die SEC in der Finanzkrise den Geldmarktfonds, als
deren Wert den vorgeschriebenen Net Asset Value von 1 Dollar
unterschritten haben, den Rücken stärken mussten. Was so nicht
vorgesehen war und ist. Zudem will die SEC die Fonds floaten lassen.
Gegen diese auf den ersten Blick nicht unsinnige Regelungen laufen
die Marktteilnehmer natürlich Sturm. Wobei sie kein Problem damit
hatten, dass ihnen der amerikanische Steuerzahler, als ihnen im Zuge
der Krise der Arsch auf Grundeis ging, denselbigen rettete. Und zwar
ohne dass dies gesetzlich so vorgesehen war.
Wenn man sich diese Unverschämtheiten der Finanzindustrie und der
Marktakteure, die es gar nicht mehr gäbe, wenn man den Markt zu
Beginn der Finanzkrise hätte walten lassen, weltweit einmal zu
Gemüte führt, dann ist die Bezeichnung Undankbarkeit noch der
geringste Vorwurf, den man diesen Versagern machen könnte.
Und so wundere ich mich schon, dass es in der amerikanischen, aber
auch unseren Parteienlandschaft, wobei da in den USA insbesondere
die Republikaner und bei uns die CDU/CSU und FDP die bremsenden
Kräfte sind, nicht mehr Unterstützung für strukturelle Änderungen
gibt.
Wobei sich in den USA, im Gegensatz zu uns, wenigstens die
Aufsichtsbehörde mit einem Vorschlag weit aus dem Fenster lehnt. Bei
uns in Deutschland ist da Fehlanzeige. Ich weiß gar nicht, ob und
wann das letzte Mal ein Marktteilnehmer gegen unsere deutsche
Aufsichtsbehörde Bafin Sturm gelaufen ist. Wissen Sie es?

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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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