Smart Investor Weekly 6/2012
Liebe in Zeiten der Killerkälte - Europäische Politik als
Groschenroman
Wenn Inszenierung und Wirklichkeit aufeinander treffen, dann reibt
man sich manchmal verdutzt die Augen.
Kalt ist es geworden in Deutschland - und in Europa. Das meinen
wir unter anderem sogar wörtlich. Konnte hierzulande bislang
allein die "soziale Kälte" dem Trend zur Globalen Erwärmung
widerstehen, so spielt nun auch das Wetter verrückt. Bereits
mehrere hundert Kältetote sind in Europa zu beklagen und unsere
auf Kante genähte Energieversorgung zeigt erste Schwächetendenzen.
Wenigstens dürfen wir sicher sein, dass auch künftig kein
Kernkraftwerk auf deutschem Boden von einem Tsunami getroffen
wird. Erstaunlich aber, dass nun ausgerechnet die Bild-Zeitung aus
der Phalanx der Klimahysteriker ausschert und "Die CO2-Lüge" mit
einer eigenen Serie bedenkt. Das ist immerhin jene Zeitung, die im
Vorfeld noch eines jeden Klimagipfels als Sprachrohr sogenannter
Klimafolgenforscher fungierte und uns den baldigen Hitzetod
prophezeite. Offenbar muss das leibhaftige Killergas CO2 gegenüber
der Killerkälte im Moment klein beigeben. Wirklich gespannt dürfen
wir aber auf die Erklärungsversuche der CO2-Gläubigen und
-Profiteure sein: Sicher, Wetter ist nicht Klima, Kälte ist
Ausdruck der Erwärmung und überhaupt, war die Kälte nur eine
Gefühlte. Ohnehin setzt man sich sprachlich schon seit einiger
Zeit von der "Globalen Erwärmung" ab, vermutlich weil sie zu
nachprüfbar ist. Die neue Vokabel heißt daher "Klimawandel", denn
nichts ist bekanntlich beständiger als der Wandel, jetzt auch
"menschengemacht". Dass man nicht überall in der Welt so viel
Verständnis für die Luxusprobleme der westlichen
Klima-Nomenklatura hat, zeigte sich diese Woche in China. Die
dortige Regierung verbietet ihren Airlines schlicht die Bezahlung
des von der EU erhobenen "Klimaschutzgelds".
Mutti und der kleine Franzose
Wenigstens ums Herz wird es uns derzeit ein wenig warm, wenn wir
Mutti mit ihrem kleinen Franzosen händchenhaltend vor den Kameras
sehen. Das ungleiche Paar versichert sich ein um das andere Mal
höchster und gegenseitiger Wertschätzung. Mutti etwa unterstütze
den kleinen Franzosen, "egal, was er tue". Derart blinde
Gefolgschaft ist selten geworden in Deutschland. Der kleine
Franzose seinerseits schwärmte, wie sehr er die Frau bewundere,
die 80 Mio. Deutsche in, pardon, durch die Krise geführt habe. Nur
notorische Unken unken, dass er am Ende gar kein Auge auf unsere
Mutti, sondern nur eines auf die schier unerschöpflich tiefen
Taschen der deutschen Steuerzahler geworfen hat. Frankreich gilt
einigen Beobachtern nämlich längst als die am meisten überschätzte
Volkswirtschaft der EU und bereits der frühere Staatspräsident
Charles de Gaulle formulierte ebenso trocken wie treffsicher:
"Staaten haben keine Freunde, Staaten haben Interessen." Das durch
diese mäßig attraktive Lovestory erzeugte Wohlbehagen kann kaum
über die tiefen Gräben hinwegtäuschen, die das EU-Prestigeprojekt
Euro in Europa aufgerissen hat. Dem "Friedens"-Euro sei Dank,
werden in Europa wieder Ultimaten gestellt, die freilich
wirkungslos verpuffen, wie das gestrige gegen Griechenland. Das
einzige Disziplinierungsinstrument, das funktioniert hat, der
Marktzins, wurde von den Hobby-Ökonomen der Junckerschen
Euro-Clique bzw. -Gruppe auf dem Altar ihres Wunschdenkens
geopfert.
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Was macht "sichere" Anlagen aktuell so gefährlich?
Die meisten Anleger flüchten derzeit in vermeintlich sichere
Anlagen wie Gold oder Staatsanleihen und positionieren sich damit
falsch. StarCapital Fondsmanager Peter E. Huber geht in einem
aktuellen Videobeitrag auf die Gefahren ein und zeigt bessere
Investitionsgelegenheiten auf. Das Video ist abrufbar unter
http://www.starcapital.de/.
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Falsche Fragen, falsche Antworten
Fakt ist: Jede bislang ergriffene "Rettungsmaßnahme" ist
gescheitert und hat den Schuldenstand weiter dramatisch erhöht.
Dies wird mit dem Monstrum Europäischer Stabilitätsmechanismus
(ESM), der schon als ausgemachte Sache gilt (siehe hierzu auch
unsere Überlegungen zum Thema Wulff/ESM) , nicht anders sein. Die
Frage, ob das überhaupt der richtige Weg ist, wird gar nicht erst
gestellt. Allenfalls wird über die Höhe gefeilscht, so als ob die
bisherigen Maßnahmen wegen zu geringer Mittelausstattung
scheiterten und nicht aufgrund ihrer prinzipiellen Untauglichkeit.
Dass die Bürger bei solchen "alternativlosen" Maßnahmen und beim
"bedingungslosen" Folgen (s.o.) nicht gefragt werden, ist
mittlerweile gute Übung in der postdemokratischen EU, die die
freien Nationen Europas fest in ihrem Würgegriff hält.
Böse Banken, wir retten euch!
Auch in Bezug auf die Beteiligung privater Gläubiger wurde die
Diskussion - offenbar bewusst - von Anfang an falsch geankert.
Natürlicherweise ist der Investor, der eine Fehlinvestition
getätigt hat, zu 100% daran beteiligt. Jedes Prozent weniger ist
erklärungsbedürftig, vor allem gegenüber denjenigen, die es
übernehmen sollen. Im Zuge der seit zwei Jahren mit "fresh money"
verschleppten Griechenlandpleite ging man absurder Weise aber von
0% Gläubigerbeteiligung aus und ließ sich Schritt für Schritt nach
oben verhandeln, so als ob des jedes Mal ein besonderes
Entgegenkommen wäre. In Wirklichkeit sind die Banken fester
Bestandteil der staatlichen Traumindustrie, die den Bürgern
vorgaukelt, sie bekämen mehr heraus, als sie einzahlten. Die
Finanzindustrie finanziert nämlich diesen populistischen
Stimmenfang und gaukelt den Inhabern der Staatsanleihen vor, dass
sie etwas Werthaltiges besäßen. Auch dies ist ein Spiel auf Zeit.
Dass nun ausgerechnet Herr Gabriel von der SPD einen Wahlkampf
gegen die Finanzindustrie führen will, zeigt wie wenig er
verstanden hat, wer die Wohltaten finanziert, die er seiner
Klientel verspricht. Sorgen braucht er sich deshalb aber wohl
nicht zu machen, denn auch Dummheit kann mehrheitsfähig sein.
Zu den Märkten
Wer unseren Jahresausblick für die Kapitalmärkte aus dem Heft
1/2012 gelesen hat, der kennt unsere Meinung: Demnach
prognostizierten wir beim DAX einen Stand von rund 7.500 Punkten
für Ende 2012. So bullish wie sich das deutsche Aktienbarometer
derzeit nun verhält, ist es jedoch wahrscheinlich, dass unser
Kursziel weit früher erreicht wird. Normalerweise gehen Analysten
in einem solchen Fall dergestalt vor, dass sie ihre Kursziele
einfach erhöhen. Wir tun dies nicht. Denn vermehrt erkennen wir
mögliche zukünftige Störfaktoren für Wirtschaft und Börsen, vor
allem für Europa und insbesondere für die Exportnation
Deutschland. Dabei sind wir uns bewusst, dass wir damit mal wieder
deutlich vom Mainstream abweichen, der gerade durch die jüngsten
deutlichen Kursgewinne inzwischen "Morgenluft" wittert.
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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
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