Liebe in Zeiten der Killerkälte - Europäische Politik als Groschenroman



20:34 07.02.12

Smart Investor Weekly 6/2012
Liebe in Zeiten der Killerkälte - Europäische Politik als Groschenroman

Wenn Inszenierung und Wirklichkeit aufeinander treffen, dann reibt man sich manchmal verdutzt die Augen.

Kalt ist es geworden in Deutschland - und in Europa. Das meinen wir unter anderem sogar wörtlich. Konnte hierzulande bislang allein die "soziale Kälte" dem Trend zur Globalen Erwärmung widerstehen, so spielt nun auch das Wetter verrückt. Bereits mehrere hundert Kältetote sind in Europa zu beklagen und unsere auf Kante genähte Energieversorgung zeigt erste Schwächetendenzen. Wenigstens dürfen wir sicher sein, dass auch künftig kein Kernkraftwerk auf deutschem Boden von einem Tsunami getroffen wird. Erstaunlich aber, dass nun ausgerechnet die Bild-Zeitung aus der Phalanx der Klimahysteriker ausschert und "Die CO2-Lüge" mit einer eigenen Serie bedenkt. Das ist immerhin jene Zeitung, die im Vorfeld noch eines jeden Klimagipfels als Sprachrohr sogenannter Klimafolgenforscher fungierte und uns den baldigen Hitzetod prophezeite. Offenbar muss das leibhaftige Killergas CO2 gegenüber der Killerkälte im Moment klein beigeben. Wirklich gespannt dürfen wir aber auf die Erklärungsversuche der CO2-Gläubigen und -Profiteure sein: Sicher, Wetter ist nicht Klima, Kälte ist Ausdruck der Erwärmung und überhaupt, war die Kälte nur eine Gefühlte. Ohnehin setzt man sich sprachlich schon seit einiger Zeit von der "Globalen Erwärmung" ab, vermutlich weil sie zu nachprüfbar ist. Die neue Vokabel heißt daher "Klimawandel", denn nichts ist bekanntlich beständiger als der Wandel, jetzt auch "menschengemacht". Dass man nicht überall in der Welt so viel Verständnis für die Luxusprobleme der westlichen Klima-Nomenklatura hat, zeigte sich diese Woche in China. Die dortige Regierung verbietet ihren Airlines schlicht die Bezahlung des von der EU erhobenen "Klimaschutzgelds".

Mutti und der kleine Franzose
Wenigstens ums Herz wird es uns derzeit ein wenig warm, wenn wir Mutti mit ihrem kleinen Franzosen händchenhaltend vor den Kameras sehen. Das ungleiche Paar versichert sich ein um das andere Mal höchster und gegenseitiger Wertschätzung. Mutti etwa unterstütze den kleinen Franzosen, "egal, was er tue". Derart blinde Gefolgschaft ist selten geworden in Deutschland. Der kleine Franzose seinerseits schwärmte, wie sehr er die Frau bewundere, die 80 Mio. Deutsche in, pardon, durch die Krise geführt habe. Nur notorische Unken unken, dass er am Ende gar kein Auge auf unsere Mutti, sondern nur eines auf die schier unerschöpflich tiefen Taschen der deutschen Steuerzahler geworfen hat. Frankreich gilt einigen Beobachtern nämlich längst als die am meisten überschätzte Volkswirtschaft der EU und bereits der frühere Staatspräsident Charles de Gaulle formulierte ebenso trocken wie treffsicher: "Staaten haben keine Freunde, Staaten haben Interessen." Das durch diese mäßig attraktive Lovestory erzeugte Wohlbehagen kann kaum über die tiefen Gräben hinwegtäuschen, die das EU-Prestigeprojekt Euro in Europa aufgerissen hat. Dem "Friedens"-Euro sei Dank, werden in Europa wieder Ultimaten gestellt, die freilich wirkungslos verpuffen, wie das gestrige gegen Griechenland. Das einzige Disziplinierungsinstrument, das funktioniert hat, der Marktzins, wurde von den Hobby-Ökonomen der Junckerschen Euro-Clique bzw. -Gruppe auf dem Altar ihres Wunschdenkens geopfert.

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Was macht "sichere" Anlagen aktuell so gefährlich?
Die meisten Anleger flüchten derzeit in vermeintlich sichere Anlagen wie Gold oder Staatsanleihen und positionieren sich damit falsch. StarCapital Fondsmanager Peter E. Huber geht in einem aktuellen Videobeitrag auf die Gefahren ein und zeigt bessere Investitionsgelegenheiten auf. Das Video ist abrufbar unter http://www.starcapital.de/.

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Falsche Fragen, falsche Antworten
Fakt ist: Jede bislang ergriffene "Rettungsmaßnahme" ist gescheitert und hat den Schuldenstand weiter dramatisch erhöht. Dies wird mit dem Monstrum Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM), der schon als ausgemachte Sache gilt (siehe hierzu auch unsere Überlegungen zum Thema Wulff/ESM) , nicht anders sein. Die Frage, ob das überhaupt der richtige Weg ist, wird gar nicht erst gestellt. Allenfalls wird über die Höhe gefeilscht, so als ob die bisherigen Maßnahmen wegen zu geringer Mittelausstattung scheiterten und nicht aufgrund ihrer prinzipiellen Untauglichkeit. Dass die Bürger bei solchen "alternativlosen" Maßnahmen und beim "bedingungslosen" Folgen (s.o.) nicht gefragt werden, ist mittlerweile gute Übung in der postdemokratischen EU, die die freien Nationen Europas fest in ihrem Würgegriff hält.

Böse Banken, wir retten euch!
Auch in Bezug auf die Beteiligung privater Gläubiger wurde die Diskussion - offenbar bewusst - von Anfang an falsch geankert. Natürlicherweise ist der Investor, der eine Fehlinvestition getätigt hat, zu 100% daran beteiligt. Jedes Prozent weniger ist erklärungsbedürftig, vor allem gegenüber denjenigen, die es übernehmen sollen. Im Zuge der seit zwei Jahren mit "fresh money" verschleppten Griechenlandpleite ging man absurder Weise aber von 0% Gläubigerbeteiligung aus und ließ sich Schritt für Schritt nach oben verhandeln, so als ob des jedes Mal ein besonderes Entgegenkommen wäre. In Wirklichkeit sind die Banken fester Bestandteil der staatlichen Traumindustrie, die den Bürgern vorgaukelt, sie bekämen mehr heraus, als sie einzahlten. Die Finanzindustrie finanziert nämlich diesen populistischen Stimmenfang und gaukelt den Inhabern der Staatsanleihen vor, dass sie etwas Werthaltiges besäßen. Auch dies ist ein Spiel auf Zeit. Dass nun ausgerechnet Herr Gabriel von der SPD einen Wahlkampf gegen die Finanzindustrie führen will, zeigt wie wenig er verstanden hat, wer die Wohltaten finanziert, die er seiner Klientel verspricht. Sorgen braucht er sich deshalb aber wohl nicht zu machen, denn auch Dummheit kann mehrheitsfähig sein.

Zu den Märkten
Wer unseren Jahresausblick für die Kapitalmärkte aus dem Heft 1/2012 gelesen hat, der kennt unsere Meinung: Demnach prognostizierten wir beim DAX einen Stand von rund 7.500 Punkten für Ende 2012. So bullish wie sich das deutsche Aktienbarometer derzeit nun verhält, ist es jedoch wahrscheinlich, dass unser Kursziel weit früher erreicht wird. Normalerweise gehen Analysten in einem solchen Fall dergestalt vor, dass sie ihre Kursziele einfach erhöhen. Wir tun dies nicht. Denn vermehrt erkennen wir mögliche zukünftige Störfaktoren für Wirtschaft und Börsen, vor allem für Europa und insbesondere für die Exportnation Deutschland. Dabei sind wir uns bewusst, dass wir damit mal wieder deutlich vom Mainstream abweichen, der gerade durch die jüngsten deutlichen Kursgewinne inzwischen "Morgenluft" wittert.

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Wie in der letzten Ausgabe 2/2012 ( hier geht's zur Inhaltsangabe) ausführlich beschrieben, sind Inflation und Deflation einfach nur die beiden Wellenmuster innerhalb eines Geldschöpfungszyklus. So wie wir die Zahlen aus der Wirtschaft aber interpretieren (z.B. Baltic Dry Index; aktuelles Heft, S. 46, Abb. 5) ist demnächst mit einer - vermutlich recht kurzen - Deflationsperiode zu rechnen, welche mit einer deutlichen konjunkturellen Abkühlung einhergehen dürfte. Und damit sehen wir einen wesentlichen Belastungsfaktor für den Aktienmarkt, und das schon in naher Zukunft. Was bedeutet das konkret?

Wir rücken nicht von unserem Kursziel ab, wonach wir also weiterhin DAX-Kurse oberhalb von 7.500 Punkten sehen (theoretisch sind sogar 8.000 Punkte möglich). Allerdings halten wir dies schon in den kommenden acht bis zwölf Wochen für wahrscheinlich. Sollte dieses Niveau also demnächst erreicht werden, so legt dies aus unserer Sicht das Ende des laufenden Bullenmarktes bzw. des Crack-up-Booms nahe. Und folglich würde sich eine Baisse anschließen. Dieser Gedankengang mag nun für den einen oder anderen unserer Leser befremdlich wirken, da wir ja nun so lange schon auf der CuB-Theorie "herumgeritten" sind. Aber, wer die Entwicklung unserer Argumentation verfolgt hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass wir nun von "Szenario B", also einem "gemäßigten CuB" ausgehen, und dieser dürfte in Höhe oder kurz unterhalb der alten Höchstkurse bei rund 8.000 DAX-Punkten sein Ende finden. Bezüglich der verschiedenen Szenarien sei nochmals auf unseren CuB-Einführungsartikel (v.a. die dortige Abb. 3) verwiesen, der bereits im April 2009 erschienen ist: www.smartinvestor.de/cub

Tatsächlich ist der Fall etwas komplizierter als hier in aller Kürze dargestellt worden ist. Wir werden darauf aber im nächsten und auch im übernächsten Heft (3/2012 und 4/2012) ausführlich eingehen. Da wir dementsprechend auch unsere Anlagestrategie ändern werden, finden Sie im Heft 3/2012 einen umfangreichen Artikel-Komplex zum Thema Anleihen und im Heft 4/2012 dann einen zum Thema Absicherung via Derivaten.

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Nach der vor einer Woche angekündigten Preiserhöhung bietet sich für alle Nicht-Abonnenten die Möglichkeit, den Smart Investor für 12 Monate noch zum alten Preis von 48 EUR zu bestellen (für Inländer), und zwar solange wie die Ausgabe 3 noch nicht ausgeliefert wurde. Nutzen Sie diese Chance und ordern Sie hier Ihr kostenloses Probeabo!

Veranstaltungshinweis 1
Am Sonntag, den 10. Februar 2012 von 10.00 bis 14.00 Uhr veranstaltet die pAS (= "private Akademie für Selbständigkeit") in Herrsching am Ammersee ein Seminar zum Thema "Geld geht uns alles an!". In diesem Rahmen wird Chefredakteur Ralf Flierl zum Thema "Gutes Geld" referieren und anschließend mit den Teilnehmern in kleiner Runde diskutieren. Die Veranstaltung ist kostenpflichtig, eine Anmeldung ist unbedingt nötig. Mehr dazu hier: http://www.smartinvestor.de/seedialog2012

Veranstaltungshinweis 2
Am 2. und 3. März 2012 findet im Forum Messe Frankfurt zum dritten Mal die Deutsche Anlegermesse statt. Dabei suchen namhafte Unternehmen aus dem Finanzbereich den direkten Dialog mit den Anlegern. Untermalt wird das umfangreiche Programm mit den Vorträgen und Interviews zahlreicher Prominenter wie Heiner Geißler, "Mister Dax" Dirk Müller oder der ehemaligen Boxweltmeisterin Regina Halmich. Nähere Informationen sowie die Möglichkeit der Registrierung finden Sie unter: http://www.deutsche-anlegermesse.de/index.php?id=211

Fazit
Die Liebesgeschichte zwischen Merkel und Sarkozy wärmt tatsächlich das Herz. Ob die Beziehung jedoch die französische Präsidentenwahl am 22. April heil übersteht, darf angezweifelt werden. Im Frühling werden wir auch klarer sehen, ob die alte Börsenweisheit "Sell in may and go away" für das Jahr 2012 gilt. Wir glauben schon.

Ralf Flierl, Ralph Malisch


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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.

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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
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Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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