Ich gönne mir jeden Morgen, nachdem ich alles gelesen habe, was zu
lesen war und ich den Marktbericht, die Pressetour und die Kolumne
geschrieben und veröffentlicht habe, den Luxus, eines kurzen
Spaziergangs raus auf die Felder. Manchmal begleitet mich meine
Frau, wenn sie nicht gerade zu tun hat und stets mein in die Jahre
gekommener, mittlerweile von Alterserscheinungen gezeichneter alter
Hund.
Auf so einem Spaziergang kamen meine Frau und ich auf die
zahlreichen Ungerechtigkeiten zu sprechen, denen wir in diesem Land
ausgesetzt sind. Ich weiß nicht, wie wir drauf kamen, aber plötzlich
sprachen wir über das Thema Energiepolitik mit dem in großer Hektik
vollzogenen Atomausstieg und der gigantischen Förderung der
Erneuerbaren Energien, die jede Familie in Zukunft über stark
steigende Energiekosten noch mehr spüren wird, als es ihnen lieb
ist. Und deren Weiterleitung aufgrund des nicht vorhanden
Stromnetzes nicht gesichert ist. Gleichzeitig stellten wir fest, wie
schwer es doch war und wie viel Anstrengungen es kostete, sich im
Finanzbereich mit einem vollkommen neuen und sehr innovativen Ansatz
halbwegs zu etablieren. In einem Geistesblitz drängten sich mir
folgende Gedanken auf, von denen ich Sie gerne unterrichten möchte.
In letzter Zeit lese ich zunehmend Positives über Japan. Was mich
persönlich, der ich in unserem Value Börsenbrief den Schwerpunkt
Japan gesetzt habe, nicht wundert. Japan war in 2011 von einer der
größten Katastrophen gekennzeichnet, die man sich denken kann. Ein
heftiges Erdbeben mit anschließendem Tsunami. Und obendrauf noch das
Fukushima-Desaster. Mit welch hoher Disziplin und hohem Einsatz das
japanische Volk diese Katastrophe weggesteckt hat und den
Wiederaufbau angeht, nötigt mir einen enormen Respekt ab. Das soll
aber heute nicht das Thema sein.
Mir geht es um den möglicherweise etwas hinkenden, aber nicht ganz
unzuverlässigen Vergleich zweier Katastrophen bzw. zweier
Sachverhalte, die man, wenn man sie denn abstrahiert,
nebeneinanderstellen kann und dann interessanterweise ihre
vollkommen unterschiedlich Behandlungsweise erkennt. Was meines
Erachtens bei tiefgründiger Betrachtung so nicht in Ordnung ist.
Ich meine einmal das Abschiednehmen von der Atomenergie, welches
über die Fukushima-Katastrophe katalysiert wurde und zum übereilten
Atomausstieg führte. Und das Finanz-Fukushima, worunter ich die
Finanzkrise 2008 verstehe, die im Gegensatz und weit über Fukushima
hinaus, die ganze Welt in Mitleidenschaft zog. Schon jetzt verweise
ich darauf, wie unterschiedlich die Politik darauf reagierte, was im
Grunde genommen sehr schwer verständlich ist.
In Deutschland werden die Erneuerbaren Energien seit Jahren, ja
Jahrzehnten mit Milliardenschweren Subventionen gefördert. Das haben
wir vor allem auch den Grünen zu verdanken, die seinerzeit aus der
AKW-Bewegung hervorgingen. Man kann dazu stehen, wie man will. Es
ist auf jeden Fall ein Anliegen, das jeder Mensch nachvollziehen
kann. Auch bleibt es das große Verdienst dieser Bewegung der Umwelt
den hohen Stellenwert zurückgegeben zu haben, der ihr als Schöpfung
zusteht. Demzufolge haben sich in diesem Bereich eine Menge an
Unternehmen im Solarbereich und im Bereich der Windenergien
entwickelt. Wobei die deshalb existieren konnten, weil sie aufgrund
des hohen politischen Drucks massiv gefördert wurden. Nachhaltigkeit
war und ist das Stichwort. Wobei Nachhaltigkeit jedenfalls im
Wirtschaftlichen bedeutet, dass sich ein Unternehmen ohne Förderung
aufgrund seiner Einnahmen und darunter liegenden Kosten selbst
dauerhaft tragen kann. Der Gegner war von Anfang an klar. Die
Atomkonzerne. Noch heute wird diese Gegnerschaft in Fernsehspots der
Solarworld hochgehalten. Ob immer geglückt sei dahingestellt.
Nun möchte ich Sie bitten mir gedanklich zu folgen, wenn ich die
Finanzwirtschaft mit der Atomwirtschaft vergleiche und die
Reaktorenunfälle in Fukushima mit der Finanzkrise. Wobei Letzteres
regional begrenzt war, wie übrigens auch Tschernobyl. Einigen können
wir uns sicherlich darauf, dass wir in beiden Fällen am Rande einer
großen Katastrophe standen.
Auf Fukushima hat die Regierungskoalition mit der Abschaltung der
Atommeiler und dem beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie
reagiert. Nach dem Motto koste es, was es wolle. Da gab es schnell
einen großen Konsens.
Was aber ist im Finanzbereich passiert bzw. hätte passieren müssen?
Wenn wir analog gehandelt hätten, hätten wir aus dem Bankenwesen,
wie es derzeit aufgestellt ist, aussteigen müssen. Wir hätten
alternativen und nachhaltigen Anbieter im Finanzmarkt mit
Milliardenbeträgen fördern, die bürokratischen Hürden für diese
beiseite räumen müssen und eine Restlaufzeit für Banken und
Bankgeschäfte vereinbaren müssen. Was aber ist stattdessen
geschehen?
Tatsächlich wurden und werden ganz im Gegensatz zu der Atombranche,
diejenigen, die mit ihrem unethischen und unverantwortlichen Handeln
die Welt an den Rand einer Katastrophe geführt haben und weswegen
zahlreiche Menschen weltweit unter die Armutsgrenze gedrückt wurden
und auch sterben mussten (übrigens zahlenmäßig weit mehr als in
Fukushima oder Tschernobyl, nur nicht so bilderträchtig und
medienwirksam, sondern einsam abseits der Kameras) sogar noch
belohnt. Die Notenbanken schmeißen den Banken das Geld nur so
hinterher. Die Bad Notenbank EZB hat vor Weihnachten 500 Mrd. Euro
(!!!) zu 1% für 3 Jahre herausgereicht und will, soll man Gerüchten
aus Expertenkreisen Glauben schenken, noch einmal mit bis zu 1
Billion Euro (!!!) weiter nachhelfen. Wobei die Absicht, die von der
Politik betrieben wird, klar ist. Man will damit sich selbst, also
die klammen Eurostaaten retten, die sich in hemmungsloser und
unverantwortlicher Weise Jahre und Jahrzehntelang auf Kosten der
jungen Generation verschuldet haben, retten.
Jetzt mache ich Sie einmal auf das aufmerksam, worüber gar keiner
redet und nachdenkt und uns als Unternehmen, die wir eine andere
bessere und nachhaltigere Finanzwelt wollen, zunehmend negativ
aufstößt. Während den Newcomern bei den erneuerbaren Energien die
Taschen mit garantierten Kilowattstundeneinnahmen und -abnahmen nur
so vollgestopft wurden, müssen sich Unternehmen wie wir und auch
andere nachhaltig orientierte Alternativanbieter selbst am Markt
behaupten. Was ok ist. Weil eine soziale Marktwirtschaft, wie ich
sie will, aufgrund des Wettbewerbsgedankens das nun mal so fordert.
Darüber beschweren wir uns nicht. Aber was uns mächtig auf den
Senkel geht, ist, dass wir bei der Finanzierung auf diejenigen
angewiesen sind, die den ganzen Scheiß angerichtet haben. Und die
nachvollziehbarerweise keine große Lust verspüren da mehr zu tun als
nötig. Wer päppelt schon gerne seine Konkurrenz auf? Und noch weit
mehr auf den Senkel geht uns, dass wir nicht nur nicht gefördert
werden, sondern der Konkurrenz auch noch mit Steuermitteln die
Taschen vollgestopft wird und wir mit bürokratischen Hemmnissen
klein gehalten und der faire Wettbewerb so quasi ausgeschaltet
werden. Wobei keiner an die Hemmnisse heran geht. Oder haben Sie
schon einen ernsthaften Vorschlag zur strukturellen Änderung des
Bankwesens wahrgenommen?
Ich erkenne als Diplom-Volkswirt darin eine massive
Wettbewerbsverzerrung, ja geradezu ein staatlich gefördertes
Konkurrenzvernichtungsprogramm zu Lasten derjenigen, die eine andere
Finanzwelt bauen wollen.
Wenn Sie nun glauben, dass da irgendwer eingreift, also z.B. die
Wettbewerbsbehörde in diesem Lande wie das Kartellamt, dessen
Aufgabe der Schutz des Wettbewerbs sein sollte, dann haben sie sich
getäuscht. Hierzulande sind die Behörden gleichgeschaltet. Wenn man
lesen muss, dass die Bafin, wohlgemerkt die Bundesaufsichtsbehörde
für Finanzdienstleistung und ihre neue Chefin Elke König, vergangene
Woche Entwarnung für die anstehende Kapitalerhöhung der Banken gibt,
so frage ich mich, ob das wirklich ihre Aufgabe ist. Ich persönlich
sehe das anders und würde dieser Behörde Beine machen. Lassen Sie
sich nur einmal folgenden Satz von Frau König auf der Zunge
zergehen:

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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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