Bullen nach wie vor unbeirrt



11:08 10.02.12

Liebe Leserinnen und Leser,

wieder liegt eine spannende Handelswoche hinter uns, die vor allem von den zähen und fast schon satirehaften Verhandlungen zwischen der EU und der Athener Regierung bestimmt wurden. Die Hoffnungslosigkeit der wirtschaftlichen Verfassung Griechenlands spiegelt sich vor allem in der permanent steigenden Summe der benötigten Mittel wider. Denn während noch um die Ausstattung des zweiten großen Hilfspaketes von 130 Mrd. gestritten wird, hat der Währungskommissar der EU bereits ein neues Defizit von 15 Mrd. entdeckt. Kein Wunder, dass langsam die ansonsten zahlungswilligen Kernländer der EU nervös werden, die im vergangenen Herbst ihren Wählern noch versprochen hatten, dass nun die endgültig benötigte „Rettungs-Summe“ fest stehe.

Trotz dieser frustrierenden Einleitung meiner Analyse stehen die Chancen für eine weitere Erholung von Aktien und Edelmetallen gut, obwohl ich kurzfristig mit gesunden Korrekturen rechne. Denn die wichtigsten Marktparameter deuten mittelfristig eindeutig auf das Bullenlager. Als diese bezeichne ich die zögerliche Aufhellung der Konjunktur in den meisten Industrieländern, die nun die Angst der Börsianer vor einer ausufernden Schuldenkrise etwas in den Hintergrund drängt. Ein weiterer Punkt für die Bullen ist natürlich die ungeheure Liquidität, die die Notenbanken in die Märkte pumpen, und deren anhaltende Kreativität bei der Krisenbekämpfung. Wichtig ist auch die recht klare Zielformulierung, keine Bankenkrise zuzulassen und den Sektor bei der Umsetzung der strengeren Eigenkapitalanforderung zu unterstützen. Natürlich ist es auch kein Nachteil für die Aktionäre, dass die frische Liquidität auf einen sehr teuren Rentenmarkt trifft, der einem historisch günstigen Aktienmarkt gegenübersteht.

 

S & P bleibt in Bullenhand

Leider werden auch  zukünftig  Prognosen mit großen Unsicherheiten behaftet bleiben und die Prognose der für die Aktienmärkte relevanten Unternehmensergebnisse immer einem  Lotteriespiel ähneln. Daher sollten wir jetzt die Gegenwart analysieren und daraus eine Wahrscheinlichkeit für die Kursentwicklung der näheren Zukunft ableiten.

 

SPXEW.png

 

Abgebildet sehen Sie den von mir favorisierten gleichgewichteten S & P 500, der den breiten Markt darstellt ohne von wenigen Schwergewichten wie Apple oder Google verfälscht zu werden. Der Index ist auch deswegen interessant, da hier erst vor wenigen Tagen die sehr wichtige Überkreuzung der gleitenden 50-Tage-Linie von unten über die 200-Tage-Linie stattfand. Diese ist hier zwar nicht zu sehen, da sich P & F Charts ausschließlich auf den Preis konzentrieren. Trotzdem wollte ich Ihnen dieses wichtige zyklische Kaufsignal aber nicht vorenthalten.

Ganz eindeutig und unzweifelhaft ist der seit Oktober 2011 (Buchstabe A) etablierte Aufwärtstrend intakt. Zweimal drehte der Kurs in der Umgebung der positiven Unterstützungsgeraden ohne diese nachhaltig zu verletzen. Bekanntlich weisen P & F Charts den Vorteil auf, dass sie die störenden Nebengeräusche aus einem Trend filtern und uns eindeutig zeigen, ob aktuell die Nachfrage oder das Angebot im Vorteil ist. Aktuell ist die Nachfrage deutlich überlegen, was man auch an der derzeitigen Formation des Durchbruchs durch einen dreifachen Widerstand erkennt. Trotz des schönen Anblicks sollte man im Hinterkopf behalten, dass auch der schönste Aufwärtstrend von Gewinnmitnahmen unterbrochen wird, die sich ereignen wenn man aufhört damit zu rechnen. Daher muss bei P & F Charts einkalkuliert werden, dass sehr lange und dynamische Spalten etwa zur Hälfte korrigiert werden und dass die Kurse in Aufwärtstrends dazu tendieren, ihre Unterstützungsgeraden zu testen. In diesem Sinne wären Rückschläge bis etwa 1.900 Punkte weder ungewöhnlich noch ungesund und würden das positive Bild nicht trüben. Auf der anderen Seite aber ist der Chart nach oben völlig frei und bis in die Gegend von 2.100 Punkten gibt es keine Widerstände. Das mittelfristige Projektionsziel der P & F Technik liegt übrigens bei 2.200 Punkten, muss aber natürlich nicht schnörkellos erreicht werden.

Falls Sie sich für die alte und bewährte Technologie der Point & Figure Charts interessieren, vor allem aber für die Analyse des inneren Marktes, dann beachten Sie auch meinen kostenlosen Infobrief.

 

Innerer Markt bleibt  im überkauften Bereich

Da herkömmliche Indikatoren meist keinen objektiven und zyklischen Hinweis darauf geben, wie überverkauft oder in welcher Verfassung ein Markt ist, zeige ich Ihnen den Bullish Percent Indikator des traditionellen S & P 500 Index. Dieser zeigt, wieviele  Prozent der enthaltenen Titel auf einem Kaufsignal  im Sinne der P & F Technik handeln. Oder anders ausgedrückt: wird eine Bewegung von möglichst allen Sektoren und Aktien mitgetragen oder nicht? Und vor allem: verringert oder verbessert sich die Marktbreite? Daraus ergeben sich zyklische und objektive Muster. Oberhalb von 70 % läuft der Index langsam in seinen überkauften Bereich, was aber noch längst kein Verkaufssignal ist. Immerhin kann ein Markt länger überkauft bleiben als man sich dies vorstellen kann.

 

BPSPX.png

Momentan befindet sich der Index bei 83 Prozent in einer positiven X-Spalte. (Ziffer 2 für Februar  ganz rechts). Demnach sind die Bullen ganz eindeutig am Ball, der Index befindet sich aber bereits in seiner überkauften Zone. Sehr gut erkennt man, dass wir uns in den vergangenen Jahren mehrfach jenseits von 80 % Kaufsignalen bewegt haben. Über längere Zeiträume wurden diese Zustände aber nicht aufrechterhalten. Im vergangenen Winter 2011 handelte der Index etwa 50 Tage oberhalb von 80 %, bevor  erst langsam, und dann infolge des japanischen Erdbebens sehr schnell  Kapital abgezogen wurde. Dies ist verständlich, da sich auch im positivsten Umfeld der Zeitpunkt nähert, an dem die frühen und mutigen Investoren ihre Gewinne einstreichen wollen. Oder für die Value-Investoren faire Preise erreicht werden, die ebenfalls zu Verkäufen provozieren.

Noch gibt es keinen Grund, überhastet Positionen zu verkaufen. Ein Verkaufssignal entsteht erst, wenn der Index in einer negativen 0-Spalte unter die Marke von 70 % fällt. Aber man darf schon einmal einen Fuß über die Bremse halten und sollte sich fragen, ob man auf dem heutigem Niveau unbedingt dem Markt hinterherjagen will, oder eher geduldig auf die nächste Korrektur wartet. Dies ist natürlich eine Frage der persönlichen Risiko-Wahrnehmung – und diese einzuschätzen hilft uns der Bullish Percent Indikator. Per Saldo gilt es zu bedenken, dass der mögliche Schaden für Ihr Portfolio im Falle einer Korrektur bei einem Index-Niveau  von 80 viel höher ist, als wenn der Index bei 40 oder 30 % notiert.

 

Volatilität vor Bodenbildung

Mehrfach habe ich hier schon beschrieben, wie wichtig es für die Bullen ist, sowohl einen etwaigen Anstieg des US-Dollar Index als auch der Vola immer im Blick zu behalten.



In beiden Punkten sieht es nach wie vor vielversprechend für die Bullen aus, obwohl sich der Rückgang der Volatilität langsam abflacht und sich hier eine Bodenbildung andeutet.

 

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Gut erkennt man die Bildung eines Doppeltop bei knapp 50 Punkten zwischen August und Oktober des vergangenen Jahres. Auf diesem Niveau etablierte sich dann eine fallende Widerstandslinie, die nur einmal im November (Buchstabe B) getestet wurde. Vor allem im Dezember und nach der Etablierung eines Verkaufssignals bei etwa 24, verringerte sich die Vola nochmals deutlich. Bei 17 % war dann aber Schluss mit dieser Abnahme. Interessanterweise wurde der Rückgang fast genau auf dem Niveau gestoppt, auf dem bereits im vergangenen Sommer Endstation war – also kurz bevor die Kurse vieler internationaler Indizes ordentlich  ins Trudeln gerieten. Auch dies ist natürlich kein vorauseilendes Verkaufssignal, auch da ich nicht davon ausgehe, dass sich die Geschichte in diesem Jahr wiederholt. Trotzdem sollten Sie die bisher harmlose X-Säule ganz rechts gut beobachten, da diese auf eine zumindest temporäre Erhöhung der Volatilität deutet. Wie gesagt, noch ist die Entwicklung harmlos, da aber auch der kommende Anstieg der Vola mit Gewinnmitnahmen und Korrekturen der Märkte einhergehen wird, lohnt sich ein täglicher kritischer Blick auf die Vola.

 

Der DAX bleibt unbeirrt und widerstandsfähig

Die nachlasssende Dynamik im DAX der vergangenen Handelstage hat im P & F Chart noch keine Spuren hinterlassen.  Die positive X-Achse, die für den deutlichen Nachfrageüberhang steht, bleibt unangetastet. Eine frische O-Spalte würde sich erst unterhalb von 6.700 Punkten bilden, denn hier würden sich drei tiefere Kästchen im Chart füllen (Ich arbeite mit dem traditionellen 3 Kästchen-Umkehrchart)

 

DAX.png

 

Einerseits  provoziert  eine derartig dynamische X-Spalte Gewinnmitnahmen. Auf der anderen Seite wissen wir aber alle, dass Märkte länger übertreiben können als man  denkt. Oder anders: Overbought does not mean it is Over.

Gewinnmitnahmen bis in den Bereich von etwa 6.400 Punkten wären kein Beinbruch und sogar gesund. Denn tiefere Kurse würden natürlich neue Käufer anlocken, die bisher unterinvestiert sind und auf ihre Chance warten.

Ich wünsche Ihnen ein schönes und frisches Wochenende und natürlich ein gutes Händchen mit Ihren Positionen.

 

Falls Sie sich für die alte und bewährte Technologie der Point & Figure Charts interessieren, vor allem aber für die Analyse des inneren Marktes, dann beachten Sie auch meinen kostenlosen Infobrief

 

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Klaus Buhl

Libra Invest GmbH

www.libra-invest.de

klaus.buhl@libra-invest.de

 

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Über den Autor
 
Autor: Klaus Buhl Klaus Buhl,
Libra Invest GmbH

Klaus Buhl verfügt über mehr als 15 Jahre praktische Erfahrung in der Investmentbranche u.a. als Analyst, Fondsmanager, Händler und Kommentator. Diese Erfahrung setzt er für seine Kunden in speziellen und unkorrelierten Depots um. Darüber hinaus betreibt er das Portal www.libra-invest.de, das Ihnen praktische Tipps gegen Manipulationsversuche der Finanzindustrie gibt und Ihnen durch einen alternativen Investment-Ansatz eine völlig neue Perspektive auf die Märkte bietet. Die Investment-Philosophie von Klaus Buhl fokussiert sich auf die Identifizierung von Risikophasen, sowie auf marktneutrale und Absolut-Return-Konzepte. Vor allem aktive Trader und nicht nur "normale Anleger" sollten nämlich stets Ihr verdientes Kapital in trockene Tücher bringen. Erfahren Sie mehr unter www.libra-invest.de!

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