Die Zitterpartie um Griechenland ist immer noch nicht zu Ende,
nichts desto trotz ist die Risikoscheu zurückgegangen.
Unternehmensanleihen, auch spekulativere, werden gesucht.
Zwar einigten sich die griechischen Parteichefs gestern nach langen
und zähen Verhandlungen auf neue Sparmaßnahmen, ein Befreiungsschlag
war das aber nicht. Das neue Hilfspaket soll nun nämlich erst
freigegeben werden, wenn alle Details stehen, Athen muss bis zum
kommenden Mittwoch mehrere Bedingungen erfüllen. „Naiv war gestern.
Heute lassen sich die Euroländer nicht mehr von Versprechungen aus
Hellas beeindrucken“, kommentiert die HSH Nordbank.
Zehnjährige Bundesanleihen: zwischenzeitlich über 2 Prozent
Dennoch: Eine gewisse Entspannung an den Märkten ist nicht zu
übersehen, auch wenn heute Aktien schwächer und Anleihen fester
tendieren. „Die Stabilität der Märkte zeigt sich auch dadurch, dass
die EZB in der letzten Woche so gut wie fast gar keine
Staatsanleihen gekauft hat“, argumentiert Arthur Brunner von ICF
Kursmakler. Sollte Griechenland wieder in den Fokus rücken, könne
sich die Ruhe jedoch sehr schnell als trügerisch herausstellen. „Im
Moment überwiegen aber die positiven Momente.“
Der richtungsweisende Euro-Bund-Future notiert aktuell bei 137,69
Prozent, vor einer Woche waren es noch 138,25 Prozent. Zehnjährige
Bundesanleihen werfen 1,98 Prozent ab, zwischenzeitlich wurde in den
vergangenen Tagen die Marke von 2 Prozent erreicht.
Portugals Risikoaufschläge sinken
Selbst Anleihen Portugals, die zuletzt stark gelitten hatten,
konnten im Wochenverlauf zulegen, wie Brunner erklärt. „Die Rendite
der fünfjährigen Anleihe fiel um 106 Basispunkte von 16,06 Prozent
auf 15 Prozent.“ Allerdings befürchteten Anlegern immer noch, dass
im Falle einer Insolvenz Griechenlands Portugal in den Focus rücken
könnte.
Griechenland-Anleihen legen wieder zu
Unterdessen gehen die Wetten auf Griechenland weiter. „Die im März
fällige Anleihe ist in dieser Woche definitiv unser
Umsatzspitzenreiter“, berichtet Gregor Daniel von der Walter Ludwig
Wertpapierhandelsgesellschaft. „Es ist schon erstaunlich, wie viel
spekulatives Geld da unterwegs ist.“ Das am 20. März fällige Papier
(WKN A0T6US), das seit Jahresanfang deutlich an Wert verloren hatte,
konnte sich wieder etwas erholen und geht heute zu 41 Prozent über
den Tisch. „Das Wochentief lag bei 37,40, das Wochenhoch bei 41,75
Prozent.“
Selbst die Hellas-Anleihe mit Laufzeit bis 2037 (WKN A0DZVX) sei
nachgefragt worden. Das im Mai dieses Jahres fällige Papier (WKN
830275) wird aktuell zu 32,20 Euro, das im August fällige (WKN
A0LN5U) zu 29 Prozent gehandelt, hier kam es ebenfalls zuletzt zu
kleinen Gewinnen.
Bankanleihen ziehen
Viel los ist darüber hinaus im Handel mit Unternehmensanleihen.
„Auch nachrangige Anleihen wie die der IKB waren von Anlegern
gefragt“, weiß Brunner (WKN 273032). Größere Umsätze habe es zudem
in einer Anleihe der WestLB (WKN WLB26G) gegeben, die am 3.
September dieses Jahres fällig wird. „Bei einem Kurs von 100,9
beträgt die Rendite 1,816 Prozent.“
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