Anleihen: Entspannung am seidenen Faden



07:01 11.02.12

Die Zitterpartie um Griechenland ist immer noch nicht zu Ende, nichts desto trotz ist die Risikoscheu zurückgegangen. Unternehmensanleihen, auch spekulativere, werden gesucht.

Zwar einigten sich die griechischen Parteichefs gestern nach langen und zähen Verhandlungen auf neue Sparmaßnahmen, ein Befreiungsschlag war das aber nicht. Das neue Hilfspaket soll nun nämlich erst freigegeben werden, wenn alle Details stehen, Athen muss bis zum kommenden Mittwoch mehrere Bedingungen erfüllen. „Naiv war gestern. Heute lassen sich die Euroländer nicht mehr von Versprechungen aus Hellas beeindrucken“, kommentiert die HSH Nordbank.

Zehnjährige Bundesanleihen: zwischenzeitlich über 2 Prozent

Dennoch: Eine gewisse Entspannung an den Märkten ist nicht zu übersehen, auch wenn heute Aktien schwächer und Anleihen fester tendieren. „Die Stabilität der Märkte zeigt sich auch dadurch, dass die EZB in der letzten Woche so gut wie fast gar keine Staatsanleihen gekauft hat“, argumentiert Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Sollte Griechenland wieder in den Fokus rücken, könne sich die Ruhe jedoch sehr schnell als trügerisch herausstellen. „Im Moment überwiegen aber die positiven Momente.“
Der richtungsweisende Euro-Bund-Future notiert aktuell bei 137,69 Prozent, vor einer Woche waren es noch 138,25 Prozent. Zehnjährige Bundesanleihen werfen 1,98 Prozent ab, zwischenzeitlich wurde in den vergangenen Tagen die Marke von 2 Prozent erreicht.

Portugals Risikoaufschläge sinken

Selbst Anleihen Portugals, die zuletzt stark gelitten hatten, konnten im Wochenverlauf zulegen, wie Brunner erklärt. „Die Rendite der fünfjährigen Anleihe fiel um 106 Basispunkte von 16,06 Prozent auf 15 Prozent.“ Allerdings befürchteten Anlegern immer noch, dass im Falle einer Insolvenz Griechenlands Portugal in den Focus rücken könnte.

Griechenland-Anleihen legen wieder zu

Unterdessen gehen die Wetten auf Griechenland weiter. „Die im März fällige Anleihe ist in dieser Woche definitiv unser Umsatzspitzenreiter“, berichtet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. „Es ist schon erstaunlich, wie viel spekulatives Geld da unterwegs ist.“ Das am 20. März fällige Papier (WKN A0T6US), das seit Jahresanfang deutlich an Wert verloren hatte, konnte sich wieder etwas erholen und geht heute zu 41 Prozent über den Tisch. „Das Wochentief lag bei 37,40, das Wochenhoch bei 41,75 Prozent.“
Selbst die Hellas-Anleihe mit Laufzeit bis 2037 (WKN A0DZVX) sei nachgefragt worden. Das im Mai dieses Jahres fällige Papier (WKN 830275) wird aktuell zu 32,20 Euro, das im August fällige (WKN A0LN5U) zu 29 Prozent gehandelt, hier kam es ebenfalls zuletzt zu kleinen Gewinnen.

Bankanleihen ziehen

Viel los ist darüber hinaus im Handel mit Unternehmensanleihen. „Auch nachrangige Anleihen wie die der IKB waren von Anlegern gefragt“, weiß Brunner (WKN 273032). Größere Umsätze habe es zudem in einer Anleihe der WestLB (WKN WLB26G) gegeben, die am 3. September dieses Jahres fällig wird. „Bei einem Kurs von 100,9 beträgt die Rendite 1,816 Prozent.“ 


Laut Klaus Stopp von der Baader Bank sorgte die erhoffte Lösung bei der Griechenland-Umschuldung bei europäischen Bankanleihen für Rückenwind. „Vor diesem Hintergrund haben insbesondere Bonds von stark in Hellas engagierten Banken wieder Boden gut machen können.“ Etwa habe eine 2017 fällige Anleihe der Commerzbank (WKN CZ226Y) im November noch bei rund 93 Prozent notiert, im Februar sei  der Kurs über 102 Prozent gestiegen. Auch andere Commerzbank-Anleihen (WKN CB83CE, CB83CF) hätten die Tiefststände vom November weit hinter sich gelassen.

Daniel meldet eine gute Nachfrage nach Air Berlin- (WKN AB100C) sowie Celesio-Anleihen (WKN A1AWC7). Auf den Verkaufslisten habe hingegen ein Papier des Leasingunternehmens Grenke gestanden (WKN A0Z2Q5). Dieses läuft noch bis zum August dieses Jahres und hat einen Kupon von 6,125 Prozent.

Emissionsgeschäft brummt

Der Primärmarkt zeigt sich unbeeindruckt von der erneuten Unsicherheit in Sachen Griechenland, wie Klaus Stopp meint. „Neue Anleihen finden reißenden Absatz, und die Risikobereitschaft der Investoren hat deutlich zugenommen.“ Das zeige auch die erfolgreiche Platzierung zahlreicher High Yield-Emissionen.
So konnte die Unternehmensgruppe Haniel bereits in der vergangenen Woche problemlos 400 Millionen Euro am Kapitalmarkt aufnehmen, wie der Händler meldet. Die Anleihe (WKN A1MLPA) weist eine Nominalverzinsung von 6,25 Prozent und eine Laufzeit von sechs Jahren auf und ist mit einer Stückelung von 1.000 Euro privatanlegerfreundlich. „Die Nachfrage war so groß, dass bei Zeichnungsschluss Gebote über 5 Milliarden vorlagen.“ Auch laut Rainer Petz von Close Brothers Seydler ist die Anleihe „sehr gut gelaufen“.

Schaeffler und Commerzbank punkten

Ebenso gut aufgenommen worden seien Neuemissionen des deutschen Maschinenbaukonzerns und Automobilzulieferers Schaeffler. Eine Tranche läuft bis 2017 und hat einen Kupon von 7,75 Prozent, die andere ist 2019 fällig mit einer Nominalverzinsung von 8,75 Prozent. Mindestanlagesumme sind allerding hier 100.000 Euro.

Doch auch neue Bank-Anleihen legen sich Investoren gerne ins Portfolio: Die Hellwig Wertpapierhandelsbank hat etwa gute Umsätze in einer frischen Commerzbank-Anleihe (WKN CZ40HY) mit Laufzeit von fünf Jahren, einem Nominalzins von 3,625 Prozent und einer Stückelung von 1.000 Euro registriert. „Anleger lockt offenbar der im Vergleich mit anderen Anleihen attraktive Zins.“ Bei einem Kurs von rund 99 liegt die Rendite aktuell bei 4,27 Prozent.

Scholz AG: Neue Mittelstandsanleihe

Am kommenden Mittwoch startet im Übrigen die Zeichnungsfrist für eine Anleihe des Recyclingunternehmens Scholz (WKN A1MLSS), die im Entry Standard der Börse Frankfurt notiert sein wird. Das Unternehmen mit Sitz im baden-württembergischen Esslingen ist nach eigenen Aussagen international führend beim Recycling von Schrott aus Stahl und Metall. Bis zum 2. März können Anleger das Papier mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Kupon von 8,50 Prozent über die Börse Frankfurt  zeichnen. Die Stückelung beträgt 1.000 Euro. Begleitet wird die Emission unter anderem von Close Brothers Seydler.Details wie Kennzahlen, Rating und Prospekt finden Interessierte auf boerse-frankfurt.de.

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