Wie man lesen kann, soll sich die Angehörigen von Leo Kirch nun mit
der Deutsche Bank AG auf eine Vergleichszahlung von 800 Mio. Euro
geeinigt haben. Im Gegenzug damit sind alle Ansprüche erloschen. Ein
Lebenswerk wurde vernichtet. Ein endgültiges Urteil in der Sache
gibt es nicht. Damit gibt es auch keinen Verurteilten. Und da es
keinen Verurteilten gibt, gibt es auch kein Unrecht. Denn gäbe es
ein Unrecht, müsste es bestraft werden. Offensichtlich gab es –
trotz des nicht nur ethisch höchst bedenklichen Verhaltens der
Banken in der Finanzkrise – auch kein öffentliches Interesse diesen
Fall weiter zu verfolgen. Und so müssen (sollen?) wir glauben, dass
das Breuer Interview nicht abgesprochen war oder wie es die
Frankfurter Rundschau ausdrückt:
„Keine Absprachen. Kein Plan.“ Wobei der damalige stellvertretende
Büroleiter von Bloomberg TV Herr Andreas Scholz aussagte, dass ein
Verzicht auf die Ausstrahlung des Interviews „denkbar gewesen wäre,
wenn der Sprecher der Deutsche Bank AG während des Gesprächs oder
kurz danach eingeschritten wäre.“ Das sei aber nicht passiert.
Das Recht am Ende nicht weiterhilft ist die bittere Erkenntnis und
Erfahrung, die mancher in diesem unserem Lande machen muss. Man kann
im Recht sein und verliert dennoch. Weil der wirtschaftlich
Mächtigere einen mit seinen Rechtsanwalts-Bataillonen auf Distanz
hält und einen am langen Arm verhungern lässt. Oder einfach nur den
richtigen Draht in die Politik hinein hat. Was bösen Zungen zufolge,
auch schon mal bei Justitia helfen kann. Zwar hat die eine Binde um
die Augen, dafür sind aber die anderen Sinne schließlich nicht
ausgeschaltet. Manchmal ist die Zeit, die vergeht, bis es überhaupt
zu einem Prozess oder über die Instanzen zu einem Ergebnis kommt,
auch schon ein hinreichendes Druckmittel. Und so ist die
Handlungsweise der Hinterbliebenen, dass sie sich am Ende eines
harten und langen Weges mit den 800 Mio. Euro zufriedengeben,
verständlich. Wer könnte es ihnen verdenken? Wobei ich mich die
ganze Zeit frage, ob sich wohl Leo Kirch auf einen solchen Deal
eingelassen hätte? Wir werden es am Ende nie erfahren.
Tatsache ist und bleibt, dass ein Vorstandssprecher der Deutsche
Bank AG vor laufenden Kameras und ohne Not Folgendes in die Kameras
gesagt hat. Vorab:
Die Deutsche Bank AG hatte der PrintBeteiligungs GmbH ein Darlehen
über 1,4 Milliarden DM gewährt, das durch ein Aktienpaket der
Kreditnehmerin abgesichert war. Im Zusammenhang damit und mit der in
den Medien erörterten Finanzkrise des Kirch-Konzerns antwortete Dr.
Breuer im Februar 2002 in einem vom Fernsehsender Bloomberg TV
ausgestrahlten Interview auf die Frage:
Frage: „Kirch hat sehr, sehr viele Schulden, sehr hohe Schulden. Wie
exponiert ist die Deutsche Bank?“
Dr. Breuer: „Relativ komfortabel, würde ich mal sagen, denn – das
ist bekannt und da begehe ich keine Indiskretion, wenn ich das
erzähle – der Kredit, den wir haben, ist zahlenmäßig nicht einer der
größten, sondern relativ im mittleren Bereich und voll gesichert
durch ein Pfandrecht auf Kirchs Aktien am Springer-Verlag. Uns kann
also eigentlich nichts passieren, wir fühlen und gut abgesichert. Es
ist nie schön, wenn ein Schuldner in Schwierigkeiten kommt, und ich
hoffe, das ist nicht der Fall. Aber wenn das so käme, wir bräuchten
keine Sorgen zu haben.“
Frage: „Die Frage ist ja, ob man mehr ihm hilft, weiter zu machen.“
Dr. Breuer: „Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man
darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht
bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar
Eigenmittel zur Verfügung zu stellen. Es können also nur Dritte
sein, die sich gegebenenfalls für eine wie Sie gesagt haben Stützung
interessieren."
Im Juni 2002 wurde dann über das Vermögen mehrerer zum Kirch-Konzern
gehörender Gesellschaften, darunter der PrintBeteiligungs GmbH, das
Insolvenzverfahren eröffnet. Die Deutsche Bank kündigte den
gewährten Kredit, verwertete das ihr verpfändete Aktienpaket und
verzichtete auf den verbleibenden Darlehensrestbetrag von rd. 50
Millionen ¤.
Dr. Kirch hat mit seiner Klage geltend gemacht, die
Interviewäußerungen von Dr. Breuer hätten den Zusammenbruch des
Kirch-Konzerns und bei der PrintBeteiligungs GmbH, bei der Taurus
Holding GmbH & Co. KG sowie bei ihm selbst noch nicht
abschließend bezifferbare Vermögensschäden verursacht.
Der Bundesgerichtshof hat laut Mitteilung der Pressestelle Nr.
13/2006 schon damals Folgendes festgestellt:
„Die Interviewäußerungen waren unter Berücksichtigung des Ansehens
der Deutschen Bank AG und von Dr. Breuer in der Kreditwirtschaft
geeignet, die Aufnahme dringend benötigter neuer Kredite durch Dr.
Kirch und die Gesellschaften seines Konzerns erheblich zu
erschweren. Auf ihr Recht zur freien Meinungsäußerung kann sich die
Deutsche Bank AG nicht mit Erfolg berufen, da dieses die Verletzung
vertraglicher Pflichten nicht erlaubt. Insoweit liegt auch ein
Eingriff in das Recht am eingerichteten und ausgeübten
Gewerbebetrieb der Printbeteiligungs GmbH durch die Deutsche Bank AG
vor.

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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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