Smart Investor Weekly 7/2012
Aktiensentiment - von Insidern und Outsidern
Wie wir seit einigen Wochen an dieser Stelle kundtun, sehen wir
den derzeitigen Aufwärtsimpuls an den Aktienmärkten als den
letzten innerhalb einer dreijährigen Hausse.
Natürlich haben wir Gründe für diese Annahme. Sie sind einerseits
in der Zyklik der Aktienmärkte zu sehen, aufgrund derer wir schon
seit längerem für 2012 (spätestens Anfang 2013) ein Hoch
prognostiziert hatten. Zweitens deuten die ökonomischen Daten
immer mehr auf eine deutliche Abschwächung der Konjunktur
spätestens im zweiten Halbjahr hin. Im Zuge dessen sollten auch
die Aktien deutlich nachgeben.
Wenn wir mit unserer These eines baldigen Hochs an den Börsen
Recht behalten sollten, so müssen wir neben charttechnischen und
fundamentalen Argumenten aber auch im Bereich Sentiment Hinweise
dafür erhalten. Und in der Tat: diese mehren sich zunehmend.
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Was macht "sichere" Anlagen aktuell so gefährlich?
Die meisten Anleger flüchten derzeit in vermeintlich sichere
Anlagen wie Gold oder Staatsanleihen und positionieren sich damit
falsch. StarCapital Fondsmanager Peter E. Huber geht in einem
aktuellen Videobeitrag auf die Gefahren ein und zeigt bessere
Investitionsgelegenheiten auf. Das Video ist abrufbar unter
http://www.starcapital.de/.
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Insider werden skeptisch
Die Topmanager deutscher Firmen verkauften zuletzt deutlich mehr
Aktien als sie im Durchschnitt erworben haben. Dies lässt sich aus
dem Insider-Barometer des Handelsblatts herauslesen. Dieses
erstellt das Forschungsinstitut für Asset Management an der
Universität Aachen in Kooperation mit der deutschen
Wirtschaftszeitung, wobei hier Meldedaten an die BaFin
(Bundesaufsichtsamt für das Finanzwesen) ausgewertet werden. Eine
solche Entwicklung war in der Vergangenheit meist ein guter
Indikator für eine baldige Wende nach unten. Denn Firmeninsider
können in der Regel deutlich besser die Zukunft ihrer Unternehmen
einschätzen als dies Outsider wie z.B. normale Aktionäre oder
Fondsmanager können.
Outsider schöpfen Zuversicht
Und was die Outsider anbelangt, so lässt sich hier - angefacht
durch die immer stärker steigenden Börsenkurse - immer mehr
Optimismus feststellen. Die "Euro am Sonntag", die von sehr viel
"Otto-Normalbörsianern" mal schnell an der Tankstelle mitgenommen
wird, titelte vorgestern mit "Die Bullen sind los", und im
Untertitel steht: "...Drei Depots für Späteinsteiger... ". Dieses
Cover ist übrigens das erste wirklich bullishe seit längerer Zeit.
Damit sollte klar sein, worauf wir hinaus wollen, wobei wir
nachfolgend die Begriffe des verstorbenen Altmeisters André
Kostolany benutzen: Während sich die "Hartgesottenen" (=Insider)
zunehmend von der Börse verabschieden, kommen die "Zittrigen"
(=Outsider) mehr und mehr an die Börse zurück. Und damit sollten
schön langsam die Alarmleuchten angehen.
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Musterdepot
Bezüglich der Griechenlandanleihen wird es nun spannend. Bis
kommenden Freitag sollen die institutionellen Investoren einem
"freiwilligen Haircut" zustimmen, wobei eine Zustimmungsquote von
über 95% angestrebt wird. Hierzu ist folgendes zu sagen: Nach
unseren Recherchen wird diese Zustimmungsquote bei weitem nicht
erreicht werden. Maximal 90% werden zu erzielen sein,
wahrscheinlich sogar noch deutlich weniger. Ist dann das Projekt
"freiwilliger Schuldenschnitt" gestorben? Unsere Antwort: Nein,
denn man wird auch bei einer deutlich niedrigeren Zustimmungsquote
das Vorhaben durchziehen, um überhaupt einen Fortschritt in der
Sache zu erzielen - die 95%-Regel ist schließlich nicht
vertraglich bindend.
Die nicht freiwillig zustimmenden Anleger (also z.B. wir mit
unserem Musterdepot) sollen angeblich mit irgendwelchen gesetzlich
noch zu verabschiedenden Klauseln (CAC oder ähnliches) dann zu
einem Forderungsverzicht gezwungen werden. Ist das möglich? Ja,
natürlich könnte der griechische Staat nachträglich solche Gesetze
erlassen und die Anleihenbesitzer dann quasi zwanghaft
"enteignen". Unter der Maßgabe aber, dass man einen Default bzw.
ein Kreditereignis unter ALLEN Umständen vermeiden möchte (wer das
noch nicht verstanden hat, möge diesen Sachverhalt bitte in
unserer Novemberausgabe 11/2011 nachlesen), halten wir aber die
Anwendung eines solchen gesetzlichen Mittels für nicht
zielführend. Oder einfacher ausgedrückt: Jede Art von Zwang führt
zu einem Default, welcher jedoch nicht gewünscht wird. Folglich
darf niemand zu etwas gezwungen werden.
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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
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