Planet der Übenden



10:19 15.02.12

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünscht für diese Welt.“

Dieses Zitat stammt von keinem Geringeren als von dem großen Mahatma Gandhi. Erst kürzlich konnten wir erneut im Fernsehen den Lebensweg dieses großen und viel bewegenden Mannes in der von Richard Attenborough verfilmten und mit Ben Kingsley erstklassig besetzten Hommage nachvollziehen. Dieser Mann zeigte uns allen recht eindrucksvoll wie er über die Veränderung des eigenen Verhaltens eine große Kolonialmacht wie England in die Knie zwingen und die Unabhängigkeit für das heute auch wirtschaftlich aufstrebende Indien erkämpfte.

Und so ist eine Erfahrung, die wir alle machen, dass Veränderung immer zunächst bei uns selbst anfängt. Wir müssen den ersten Schritt tun. Wenn wir uns, die wir Unrecht sehen oder dass etwas in die falsche Richtung läuft, aus purer Bequemlichkeit nicht in unserem Verhalten ändern, dann kann sich auch im Großen nichts ändern. Vorbild ist am Ende immer noch das, was am meisten beeindruckt und zur Nachahmung beiträgt.

Wobei das natürlich die schwerste Übung ist. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der große deutsche Philosoph Peter Sloterdijk in seinem Werk „Du musst Dein Leben ändern“ nicht nur Gandhis Grundthema aufgreift, sondern nach all den Ideologien, die uns Menschen und die Menschheit in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten überzogen und gequält haben, uns Menschen als Übende sieht, die sich über die Übung immer wieder selbst erzeugen und schließlich als Wesen über sich hinausgehen. Und so fordert er quasi den „Planet der Übenden“.

Dabei stellt er eine „nicht-ökonomische Definition von Reichtum, eine nicht-aristokratische Definition des Vornehmen, ein nicht-athletische Definition von Spitzenleistung, ein nicht-herrschaftliche Definition von Oben, eine nicht-asketische Definition von Vollkommenheit, eine nicht-militärische Definition von Tapferkeit und eine nicht-bigotte Definition von Weisheit und Treue“ eindrucksvoll in den Raum.

Das sind sehr interessante Gedanken, die jenseits der alltäglichen Kurzmeldungs-Scharmützel tragen helfen. Aber kommen wir zur Veränderung zurück. Ich bekam auf meine letzten Kolumnen relativ viel Zuschriften und will da noch kurz darauf eingehen.

So wies mich ein Leser darauf hin, dass das europäische Konstrukt ACTA schon schlimm sei. Und weiter fuhr er fort: „Aber wenn Sie über ACTA schon entsetzt sind, so recherchieren Sie einmal nach "INDECT". Dagegen ist ACTA und Orwell Kindergeburtstag.“ Und tatsächlich. Geben Sie unter Google einmal Indect ein und Sie werden unter der Erklärung seitens wikipedia staunen. Die Video-Überwachung, die übrigens europaweit eingesetzt werden soll und auf „Suchroutinen zur Aufspürung von abnormalem Verhalten“ setzt, sieht mobile, unbemannte fliegende Fahrzeuge vor, die um verdächtige beweglich Objekte zu identifizieren, auch den städtischen Raum nutzen sollen. Wohlgemerkt prophylaktisch. Eine Vorstellung, die mich tatsächlich noch mehr schockiert und an Orwell erinnert.

Ein anderer Leser hat mich angesichts meiner gestrigen Kirch/Deutsche Bank Kolumne auf die Vorkommnisse rund um die Reederei Deilmann hingewiesen, und verwies mich auf die in der FTD neulich abgedruckten Buchauszüge der Geschwister Deilmann. Da kommt z.B. auch die börsennotierte Aurelius AG und deren Vorstandschef Markus vor, die das Traumschiff erworben hat. Sollte es so gewesen sein und einiges spricht dafür, dann muss man sich angesichts der Methoden und des Vorgehens der Beteiligten schon wundern. Wobei das in unserem Land natürlich alles legal ist.

Und schließlich kam über unseren Facebook Auftritt ein Hinweis auf das Bündnis Bürgerwille (www.buendnis-buergerwille.de), das eine überparteiliche Sammelbewegung von Bürgern und Organisationen ist, die der sog. Euro-Rettungspolitik kritisch gegenüberstehen. Da sind von Prof. Bode von Foodwatch, über den Volkswirtschaftsprofessor Prof. Blankhart, bis hin zum ehemaligen Ministerpräsident des Freistaats Sachsen Milbradt und dem ehemaligen Thyssen Vorstandschef Spethmann vieles versammelt, was Rang und Namen hat. Schauen Sie mal da hin, es lohnt sich.

Wieder ein anderer wies mich auf die weltweite Bewegung www.avaaz.org hin, deren Mitglieder „aus allen Winkeln der Welt der Erde und Gesellschaftsschichten“ stammen und die seit 2007 versuchen „mit einer einfachen demokratischen Mission aufs Netz: Bürgerinnen und Bürger auf der ganzen Welt zu mobilisieren, um gemeinsam die Lücke zwischen der Welt, die wir haben und der Welt, die wir uns wünschen zu schließen.“

Da ist also jenseits des Eingefahrenen und des Alltagstrotts und des „So haben wir es schon immer gemacht“ einiges in Bewegung geraten, wobei zunehmend auffällt, dass es eben nicht extreme Randgruppen sind, sondern Menschen wie Du und ich, die sich einfach viele Unverschämtheiten nicht mehr gefallen lassen möchten und dagegen friedlich, demokratisch aber dennoch mit Nachdruck, eigentlich im Sinne eines selbstbewussten Bürgertums, gegen das Unrecht weltübergreifend aufbegehren. Ein gute Schritt hin zu einem immer notwendigeren Weltbürgertum.



Ganz wichtig auf diesem Weg zu einer besseren Welt ist, dass wir Bürger uns darum kümmern, wohin unser niedrig verzinsliches Geld geht, das auf unseren Konten lagert. Wobei die Summe für den Einzelnen wenig sein mag. Für eine weltweit agierende Bank sind es Milliarden und bedeutet Macht. Wobei diese zuletzt der ethischen Grundlage ermangelte. Und wo sich interessanterweise niemand die Frage stellt, was dieses unkontrollierte Geld woanders möglicherweise anrichtet und ob es in dem Sinne verwandt wird, wie wir es uns nach unseren eigenen moralischen Maßstäben wünschen?

Wenn das nicht der Fall sein sollte, oder die in Hightech-Zeiten vermeidbare und deshalb wohl gewünschte Intransparenz das nicht zulässt, dann müssen wir dieses Geld anderen neuen Unternehmen anvertrauen, die verantwortungsvoller damit umgehen. Das gilt ganz besonders auch für die Finanzanlage. Viele von Ihnen wären erschüttert, wenn Sie wüssten und man ihnen Bilder davon zeigen würde, was Ihr Geld/Kapital da draußen anrichtet. Insofern ist es auch diesbezüglich wichtig, dass Sie Kräfte unterstützen, die neue und nachhaltigere Wege gehen möchten. Auch, wenn Sie heute notgedrungen das System nutzen müssen, wie es heute vorgegeben wird.

Ich glaube, dass Sie es uns abnehmen, dass wir ernsthaft eine andere Finanzwelt wollen und da noch Großes vorhaben. Insofern möchte ich auch in Ihrem eigenen Interesse daran appellieren uns mit dem Kauf von Produkten oder Investition in unseren Aktienfonds Globalyze QuantValue zu unterstützen. Wer will das sich was ändert, muss sein eigenes Verhalten ändern. Die Finanzanlage ist dabei ein wichtiger Schritt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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