Griechenland - wer nicht pünktlich liefert, muss mit späteren Zahlungen rechnen



12:43 15.02.12

(Prime Quants) - Es heißt die Griechen liefern nicht. Da in den vorgelegten Sparplänen noch 325 Millionen fehlen, sagte Eurogruppen-Chef Juncker das für heute anberaumte Treffen der Finanzminister ab und wandelt es in eine Telefonkonferenz um. 325 Milliarden, die Griechenland zu den ohnehin schon feststehenden Einsparungen allein in diesem Jahr eingespart werden müssen. Das entspricht in etwa 0,3 Prozent des griechischen Staatshaushaltes. Unter den gegebenen Umständen lohnen die vorliegenden Fakten scheinbar die Reise nicht. Damit kann die Entscheidung über weitere 130 Mrd. Euro heute wohl nicht getroffen werden. Verglichen mit der Höhe mag die Lücke nahezu winzig anmuten, doch scheinbar wird in Europa mit zweierlei Maß gemessen. Die einen nehmen es stets sehr genau und andere scheinen nach der Regel Pi mal Daumen zu operieren. Damit will sich die Eurogruppe aber scheinbar nicht mehr abspeisen lassen. Wenn die Griechen bis Montag alle offenen Punkte klären, könnte an dem Tag noch eine Entscheidung gefällt werden.

Reißt jetzt der Geduldsfaden ab?



Der Focus berichtet von der Äußerung unseres Innenministers Wolfgang Schäuble, dass die Euro-Zone mittlerweile besser für den Fall der griechischen Staatspleite aufgestellt sei. Pikantes Detail: Die Eurogruppe verlangt, dass die Parteispitzen der Regierungskoalition per Unterschrift für die Einhaltung der Sparpläne garantieren, damit nicht nach den zum April geplanten Wahlen in Griechenland die Folgeregierung frei nach dem Motto: „Neue Regierung, neue Verhandlungen“ anfängt an den Vereinbarungen rum zu kritteln.

Es ist demnach am Mittwoch mit keiner Entscheidung zu rechnen. Die Telefonkonferenz wird höchstwahrscheinlich von der Frage dominiert werden, was mit den offenen 325 Millionen Euro ist. Sollten die Griechen sie zufriedenstellend beantworten können, wird der nächste Montag schon möglicherweise die Zusage der Eurogruppe über die 130 Mrd. erfolgen. 130 Mrd. Euro sind übrigens mehr, als die Ausgaben des griechischen Staates in 2010. Das heißt mit dem Betrag werden sozusagen die Ausgaben des Staates für ein Jahr über den Tisch gehen. Da darf man dann auch pingelig wegen 325 Millionen Euro sein.

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Über den Autor
 
Autor: Sebastian Jonkisch Sebastian Jonkisch,
Prime Quants Financial Analysis

Der Diplom-Volkswirt aus Berlin ist direkt nach dem Studium in die Welt der Finanzmärkte getaucht. Dabei legte er die Schwerpunkte schnell auf Finanzierung, Investition und Ökonometrie. Die Erkenntnis, dass Theorie und Wirklichkeit zuweilen auseinander laufen, war eine der ersten und wichtigsten Erfahrungen. Nach einem Intermezzo beim Finanzportal boerse.de entschied er sich, eigenverantwortlich als freier Autor zu Themen rund um Kapital und Wirtschaft Stellung zu nehmen. Dabei beschränkt er sich nicht auf einzelne Märkte, sondern betrachtet den Finanzmarkt im Allgemeinen. Aus dessen Funktionsweisen und Beobachtungen versucht er, optimale Handlungsalternativen abzuleiten. Darüberhinaus möchte er dem interessierten Leser mehr als nur eine Meinung anbieten. Vielmehr ist es sein Ziel, mit Fachwissen unterlegt insbesondere hinsichtlich der Funktionsweisen von Märkten Denkanstöße sowie fundierte Entscheidungshilfen und Expertisen zu geben. Bei der Betrachtung der Märkte nutzt er dabei besonders quantitative Methoden der schließenden Statistik. Sebastian Jonkisch veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen für Stock-World.de zu ausgewählten Themen.

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