Nun hat es Griechenland doch geschafft, denn das zweite
Rettungspaket ist genehmigt. Die Griechen rechnen aber trotz allem
in diesem Jahr mit einem höheren Haushaltsdefizit, das statt 5,4 %
voraussichtlich 6,7 % des Bruttoinlandsproduktes betragen wird.
Insofern stellt sich die Frage, ob Griechenland nun wirklich keine
weitere Kapitalspritze mehr benötigt. Mit gemischten Gefühlen
schauen die Anleger auch auf den französischen Automobilmarkt, denn
Peugeot-Citroën ist wieder einmal auf der Suche nach
Kooperationspartnern, da sie es alleine nicht mehr schaffen werden.
Von der deutschen Unternehmensseite kommen unverändert positive
Nachrichten. An deren Spitze steht momentan Fresenius, denn der
Konzern konnte mit Bestwerten von Umsatz und Gewinn aufwarten. Da
überrascht es nicht, dass einige US-Analystenhäuser die
DAX-Unternehmen nach wie vor als unterbewertet betrachten, und dies,
obwohl der DAX bereits seit Mitte Dezember nur noch die
Aufwärtsrichtung kennt. Ein Rückschlag wird trotz dieser positiven
Analystenkommentare dadurch immer wahrscheinlicher. Der DAX
versuchte bereits in den letzten Tagen die 7.000-Punkte-Marke zu
überschreiten, und sollte es ihm gelingen, dann wäre die
7.250-Punkte-Marke die nächste wichtige Widerstandslinie. Die
Wahrscheinlichkeit, dass diese Marke nicht überschritten wird, ist
jedoch sehr hoch, da keine weiteren positiven Nachrichten vorhanden
sind, die noch als Stimulanz wirken könnten. Der Euro Stoxx 50 hat
zwar die 2.500-Punkte-Marke überschritten, muss aber noch einen
weiten Weg bis zur nächsten Widerstandslinie von 2.700 Punkten
zurücklegen und dies dürfte sehr schwer werden. Unübertroffen im
Anstieg ist der Dow-Jones-Index, der knapp vor seiner
13.000-Punkte-Marke liegt. Die nächsten Linien, die bei 14.000
Punkten liegen, waren bereits Höchstmarken im Oktober 2007. Auch
hier ist ein Rückschlag mehr als wahrscheinlich.
Die Veränderungen am Kapitalmarkt durch die Zusage des zweiten
130-Milliarden-Hilfspakets für Griechenland und damit die Zusage für
den „freiwilligen Schuldenschnitt“ haben viele Anleger noch gar
nicht richtig registriert. Es könnte Sitte werden, dass Regierungen
sich einfach das Recht herausnehmen, die Bedingungen für ihre
Staatsanleihen verändern zu können, wann immer es ihnen passt, und
zahlen müssen dann eben die Gläubiger. Ob diese schöne Möglichkeit
nicht auch auf Portugal und Italien übergreift, ist zum heutigen
Zeitpunkt noch mit einem großen Fragezeichen zu versehen. Noch
scheinen die Investoren an den Aktienmärkten dieses Szenario
auszuschließen, anderenfalls wäre der bisherige positive Kursverlauf
nicht zu erklären. Hinzu kommt natürlich die Alternativlosigkeit,
denn Käufer von Aktien sehen kaum eine andere Anlagemöglichkeit an
den Kapitalmärkten, die Liquidität ist weiterhin vorhanden und die
Dividendenrenditen zeigen teilweise neue Rekordhöhen. Der Rückschlag
wird dann kommen, wenn sich an den eigentlichen Rahmeneckdaten
überhaupt nichts verändert hat und sich der Blick von den
vorhandenen guten Daten auf die auch schon vorhandenen negativen
Faktoren richtet. Insofern bleiben wir weiterhin sehr vorsichtig und
agieren schwerpunktmäßig in den defensiven Branchen.
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Arnim E. Kogge, Bankhaus ELLWANGER & GEIGER KG |
Arnim E. Kogge ist seit dem Jahr 2000 Leiter des Private sowie des Institutional Bankings bei ELLWANGER & GEIGER Privatbankiers. Darüber hinaus ist er dort auch Mitglied des Direktoriums. Das Stuttgarter Bankhaus ist spezialisiert auf die Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden sowie auf Immobilien im privaten und gewerblichen Bereich. Als Experte für Kapitalanlagen schätzt Kogge in der wöchentlichen Marktmeinung aktuelle Entwicklung und Chancen an den Aktienmärkten ein.
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