TecDAX-Sentiment: Schwarzmaler erneut auf dem Vormarsch



07:57 23.02.12

Das Votum der befragten Akteure ist eindeutig: Daumen runter für den TecDAX. Der Bull/Bear-Index fällt tief in pessimistisches Terrain zurück.

„Und so sehen wir betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Mit dieser Abwandlung eines Brecht-Zitats pflegte der bekannteste Literaturkritiker Deutschlands Reich-Ranicki einst seine legendären TV-Sendungen zu beenden. Eine Feststellung, wie sie dieser Tage wohl auch auf Börsianer zutrifft. Denn die langersehnte Einigung auf das zweite Hilfspaket für Griechenland fühlte sich für die meisten eben nicht nach dem großen Befreiungsschlag an, auf den man gehofft hatte, sondern warf neue Fragen auf. Wie genau soll denn nun der Schuldenschnitt der Privatwirtschaft aussehen? In welcher Höhe wird sich der IWF beteiligen? Und wie realistisch sind die im Rettungspaket angestrebten Kennzahlen, beispielsweise die zugrundeliegenden Wachstumsprognosen? Den Anlegern im Technologiesegment der Deutschen Börse sollte es indes auch deshalb schwer gefallen sein, ihren Blick von dieser Thematik abzuwenden, weil es im Berichtszeitraum kaum Erwähnenswertes aus der Tech-Ecke gab. Ein verfehltes Margenziel bei Pfeiffer Vacuum, ein enttäuschender Reingewinn bei Dialog Semiconductor – viel mehr als das wurde nicht vermeldet. TecDAX-spezifische Schlagzeilen waren Mangelware.

Ungeachtet dieser dünnen nachrichtlichen Gemengelage, kommen die Teilnehmer unseres wöchentlichen Sentimentpanels zu einem eindeutigen Votum: Die Party ist beendet – und dieser Ansicht sind beileibe nicht nur die Karnevalisten unter den Akteuren. Das Bärenlager erhält derart hohen Zulauf – und zwar in erster Linie von ehemals neutral Positionierten – dass der Bull/Bear-Index auf den tiefsten Stand seit November 2011 zurückfällt. Anders als noch in den vorangegangenen Wochen geben sich diesmal sowohl private wie auch institutionelle Investoren pessimistischer. Insbesondere Letzgenannte malen schwarz: So finster wie derzeit haben sie zuletzt im April 2010 dreingeblickt.



Ausschlaggebend für die Stimmungseintrübung solte (wieder einmal) der Kursverlauf selbst gewesen sein. Stichtagsbezogen notiert der TecDAX zwar auf Vorwochenniveau, zwischenzeitlich konnte er sich aber bis auf wenige Pünktchen der 800er Marke annähern, ehe er zuletzt ein paar Federn lassen musste. Für die Bären der Vorwoche bedeutet das, dass sie nun zumindest ihre Einstandskurse wiedergesehen haben dürften – mehr aber auch nicht. Gemeinsam mit den Neupessimisten hoffen sie nun inständig auf tiefere Kurse. Eine Strategie, die zuletzt nicht gerade von Erfolg gekrönt war. Weil man jedoch den Aufschwung seit Jahresbeginn verpasste und nun tunlichst Performance gutmachen möchte, sieht man offensichtlich keine andere Möglichkeit, als sich weiterhin gegen den Markt zu stellen.

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