Holland, Frankreich, Griechenland: Die Politik bestimmt das Geschehen am Rentenmarkt



06:40 28.04.12

Euwax bonds

ZEW-Index auf höchstem Stand seit Juni 2010



Regierungskrise in Holland, ein möglicher Regierungswechsel in Frankreich und erstes Wahlkampfgeplänkel im Vorfeld der anstehenden Wahlen in Griechenland: Die Politik dominierte in der abgelaufenen Handelswoche das Geschehen am Finanzmarkt.

Der Freundeskreis Angela Merkels auf EU-Ebene droht kleiner zu werden. Mit Nicolas Sarkozy könnte nun ihr engster Vertraute ausfallen. Zwar ist für den amtierenden französischen Präsidenten noch nichts verloren, doch sein sozialistischer Herausforderer Hollande konnte bei den Wahlen am vergangenen Sonntag schon mal einen ersten Punktsieg landen. Dass Angela Merkel es lieber sehen würde, Nicolas Sarkozy Präsident bleibt, hat sie durch ihre Wahlkampfunterstützung für ihn bereits ungewöhnlich klar zum Ausdruck gebracht. Ein deutsch-französisches Tête-à-tête, dass beim neuen Favoriten Hollande naturgemäß auf wenig Gegenliebe trifft: „Sie (Angela Merkel) hat Europa mit Nicolas Sarkozy geführt – man sieht nun das Ergebnis”, so Hollande gegenüber TF 1. Hollande stellt klar: “Wenn ich gewählt werde, wird es eine Änderung bei Europas Ausrichtung geben.” Sicher ist, dass es für Angela Merkel deutlich schwieriger werden würde ihre Sparpolitik auf europäischer Ebene umzusetzen. Umso mehr, als das der deutschen Regierungschefin gleich noch ein weiterer Verbündeter droht abhanden zu kommen.

„Unsere Wirtschaft tritt auf der Stelle, der Arbeitsmarkt ist unter Druck, und die Staatsschulden steigen schneller, als wir es uns leisten können“. Beim Blick auf die nackten Zahlen wird deutlich, dass der nur mehr geschäftsführende amtierende holländische Premier keineswegs übertreibt bei der Darstellung des Status Quo in Holland: Die Wirtschaft befindet sich in einer Rezession, die Pro-Kopf-Verschuldung bewegt sich in Richtung neuer Rekordstände und die Staatsverschuldung liegt mit weit über 70 Prozent gemessen am BIP auf einem ungesunden Niveau. Zudem sieht sich die Niederlande mit einer ganzen Reihe struktureller Probleme konfrontiert: Viele Unternehmen sind aufgrund extrem hoher Lohnkosten nur noch bedingt wettbewerbsfähig. Zudem wird die holländische Exportwirtschaft überproportional von der Schuldenkrise belastet, da fast 70 Prozent des Außenhandels innerhalb des europäischen Binnenmarktes stattfindet. Und jetzt die Regierungskrise… Zu Wochenbeginn kam es zum Bruch der Minderheitsregierung, da die Rechtspopulisten um Geert Wilders ihre Zustimmung zu einem 14 Milliarden schweren Sparpaket verweigerten. Trotz Turbulenzen halten Anleger der Niederlande die Treue: Zwar konnte Holland bei einer Anleiheauktion zu Wochenbeginn nur 2,0 Milliarden anstelle der ursprünglich geplanten 2,5 Milliarden Euro platzieren, doch die Rendite lagen diesmal deutlich niedriger als zuletzt.

In Griechenland wird zwar erst am 6. Mai gewählt, doch der Wahlkampf ist bereits in vollem Gange, was dem Chef der Notenbank in Athen die Sorgenfalten auf die Stirn treibt: „Wir haben keinerlei Anlass und zurückzulehnen“, so Notenbankchef Provopoulos. Wenn es nach der Wahl Zweifel am Reformwillen der Regierung und der Gesellschaft geben sollten, könnten sich die derzeit günstigen Voraussetzungen ins Gegenteil verkehren. Mahnende Worte zur rechten Zeit? Laut ersten Hochrechnungen in Griechenland entfallen derzeit mehr als 50 Prozent der Stimmen auf Parteien, die den eingeschlagenen Sparkurs ablehnen oder sogar einen Austritt aus der Eurozone einfordern.

Aufgrund der anhaltenden Turbulenzen in der Euro-Zone war es für den Bund-Future ein Leichtes sein Niveau über 140,00 Prozent zu halten. Allerdings wurde in dieser Woche deutlich, dass die extrem niedrigen Zinsen für Deutschland mittelfristig zum Problem werden könnten. Die Auktion einer Bundesanleihe mit 32 Jahren Laufzeit stieß auf geringe Resonanz. Anstelle der angestrebten drei Milliarden, konnte das Finanzministerium nur 2,75 Milliarden Euro einsammeln.


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