Die Bankenkrise erhebt wieder einmal ihr böses Haupt. In Spanien
wird die Regierung die wegen der Immobilienkrise und fauler
Immobilienkredite in Schieflage geratene BFA, zu der neben der
Großbank Bankia mehrere Sparkassen gehören, verstaatlichen. Der
Bankenrettungsfonds FOB wird voraussichtlich die bereits in dieses
marode Finanzinstitut als Kredit gegebenen 4,6 Mrd. Euro in Aktien
umwandeln. Nun darf man auf das geplante Bankenreförmchen gespannt
sein. Der Verlierer, wieder einmal die Steuerzahler, stehen
jedenfalls schon mal fest.
Auch der gestern veröffentlichte Quartalsabschluss der Commerzbank
ist alles andere als begeisternd. Der Zinsüberschuss ist um -17,3%
und das Handelsergebnis um -11,9% eingebrochen. Schön, dass Herr
Blessing noch eine Ausrede für seine schlechten Zahlen gefunden hat.
Das vorzeitig durch die European Banking Authority geforderte und
erreichte Kapitalziel muss den Kopf hinhalten. Das operative
Ergebnis liegt bei 845 Mio. Euro und das Konzernergebnis bei 369
Mio. Euro. Wobei man da an allen Schrauben drehen musste, damit da
überhaupt am Ende noch ein Plus steht. Das zeigt auf die wieder
einmal um 100 Mio. Euro reduzierte Risikovorsorge, mit deren
Abschmelzen ich mich jedenfalls nach wie vor nicht anfreuen kann.
Aber wie im richtigen Leben auch, kann man durchaus ohne Profil
fahren. Gefährlich wird das nur, wenn dann unverhofft ein Regenguss
kommt. Die erste Kurve spielt dann Schicksal.
Dass man den Offiziellen nicht trauen kann, zeigt die Bundesbank mit
ihrem Bundesbank-Chef Weidmann recht deutlich. Haben wir im letzten
Jahr von Super Mario bis Super Jens immer wieder bestätigt bekommen,
dass man die Inflation im Griff habe und sie angeblich eher sinken
als steigen werde (lesen Sie da ruhig einmal nach) sind die
Währungshüter nun – man höre und staune – angesichts einer guten
deutschen Konjunktur und kriselnder Volkswirtschaften in Südeuropa
bereit, eine höhere Inflationsrate als im Rest der Euro-Zone
hinzunehmen. Was im Klartext heißt, dass in Deutschland über
Inflation Vermögen zugunsten anderer Länder vernichtet wird.
Wir zahlen also nicht nur direkt über EFSF/ESM, über geringere
Bundesbankgewinne und Zahlungsausfälle bei der längst vergessenen
Hypo Real Estate, sondern jetzt auch noch indirekt über eine höhere
Inflation. Was übrigens die Realschulden der Bundesrepublik
Deutschland auf Kosten von uns Bürgern zu senken hilft. Wer da
glaubt, dass Bundesbank Weidmann das ohne Absprache mit dem
Bundeskanzleramt und der Bundeskanzlerin macht, glaubt auch an den
Osterhasen. So also soll „gespart“ werden. Damit wird auch die
Geldentwertung über Niedrigzinsen der Banken auf Spar- und
Termineinlagen noch dramatischer. Auch hier sanieren die Bankkunden
die Banken indirekt. Und das wider jede Vernunft. Wobei ich mich
immer wieder frage, wieso sie das weiter tun, wo doch Aktien
aufgrund der vorliegenden tendenziellen Unterbewertung recht
attraktiv sind.
Über die Art der Begründung der Inkaufnahme von Inflation bin ich
als Volkswirt übrigens einigermaßen erstaunt. Eine „gute deutsche
Konjunktur“ wäre nämlich ein Anlass und Argument die Geldpolitik
zurückzufahren und Inflation zu verhindern, statt umgekehrt. Aber
wer hält sich in Zeiten wie diesen noch überhaupt an irgendwas? Und
so ist auch die Bundesbank längst im Schlepptau der Regierung
angekommen.
Auch lese ich mit Erstaunen, dass deutsche Politiker wie der
FDP-Haushalts-Wendehalts-„Experte“ Fricke nun sogar eine
„ungeordnete Pleite“ Griechenlands für „verkraftbar“ halten. Sollte
das Land seinen Sparverpflichtungen nicht nachkommen (was es bisher
noch nie tat), müsse man einen anderen Weg als bisher gehen, lese
ich da mit großer Aufmerksamkeit. Und reibe mir verwundert die
Augen. Das hörte sich nämlich vor ein paar Wochen noch ganz anders
an. Da galt man als Anti-Europäer, Abweichler und war ein böser
Europa-Gegner, wenn man verantwortungsvoll seine fachlich fundierte
Meinung äußerte. Nun wird man uns böse Volkswirten wohl wieder in
die Gesellschaft re-integrieren müssen. Ob man sich da auch so viel
Mühe macht, wie bei anderen Randgruppen? Mal schaun, wie man das
anstellen wird.
So schnell hängen also unsere Politiker ihr Fähnchen nach dem Wind.
Leider hat uns die bisherige Ignoranz aber sehr, sehr viel Geld
gekostet und wird es noch kosten, was wir alle noch schmerzhaft
merkeln werden. Warum aber angesichts der ernst zu nehmenden Drohung
von null und nichtigen Verträgen noch 4,2 Mrd. Euro der insgesamt
5,2 Mrd. Euro an Griechenland ausgezahlt werden, bleibt das
Geheimnis von Berlin und Brüssel. Wir haben offenbar noch zu viel
Geld.
Insofern könnten langjährige Kritiker wie ich, die jetzt in ihrer
Kritik bestätigt werden, entspannt aufatmen. Wenn die Lage nicht so
ernst wäre. Wobei das weniger für die Unternehmen gilt als für
manche europäische Staaten. Sieht man sich nämlich die
Quartalszahlen deutscher, japansicher oder auch Singapurer
Unternehmen wie der SingTel, die im Gegensatz zur wieder einmal
schwachen Deutschen Telekom ordentlich Geld verdient an, so tut man
gut daran, Aktien als ernsthafte Alternative in Betracht zu ziehen.
Wobei ich mich immer frage, wie man angesichts von 250.000 verlustig
gehenden T-Mobile Kunden in den USA von Stabilisierung sprechen
kann. Wie kann man so einen betriebswirtschaftlichen Unsinn
schreiben?

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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop und Value Börsenbrief. Nicht zuletzt wegen seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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