Euro vor Ende? - So wirkt sich eine Währungsreform auf Ihr Aktiendepot aus!



08:23 16.05.12

Die Wahl in Griechenland und Frankreich vom Wochenende deuten viele Beobachter als Zeichen dafür, dass die Eurokrise politisch nicht mehr zu lösen ist. Es kommen wieder vermehrt Spekulationen auf, dass der Kollaps der Währungsunion - und somit zwangsläufig eine Währungsreform - bevorsteht. Ich halte dieses Szenario zwar immer noch für unwahrscheinlich (s.S.3-6), kann aber die Ängste der europäischen Bürger vor diesem ganz großen Einschnitt verstehen. Doch berechtigt die Sorge vor diesem Extremszenario auch dazu, Aktien zu meiden?

Eine Krise hält sich bekanntlich niemals an Regeln - und die Vergangenheit bietet keinen Einblick in die Zukunft. Trotzdem kann ein Blick zurück auf die letzte Währungsreform in Deutschland Aufschlüsse darüber geben, in welche Richtung sich Vermögenswerte im Zuge einer Währungsreform verändern.

Folgen der Währungsreform von 1948

Die Währungsreform von 1948 kam zwar für viele Beobachter nicht aus heiterem Himmel, die Umsetzung hatte allerdings durchaus ein Überraschungsmoment. So wurde die deutsche Bevölkerung am Freitag, den 18. Juni, darüber informiert, dass am Sonntag, den 20. Juni eine Umstellung von Reichsmark auf Deutsche Mark bevorstehe. Übers Wochenende wurde die deutsche Bevölkerung auf einen Schlag nominell deutlich ärmer. Bankguthaben und Spareinlagen wurden im Verhältnis von 100 RM zu 6,5 DM umgestellt; Mieten und offizielle Löhne hingegen im Verhältnis von eins zu eins. Die große Diskrepanz zwischen "realen Leistungen" und "fiktiven Geld" hatte natürlich einen großen Schuldenschnitt zum Zweck, der für einen Neuanfang nach dem zweiten Weltkrieg nötig war.

Entsprechend gehörten auch Anleihen-Anleger und Kreditgeber im Allgemeinen zu den größten Verlierern der Währungsumstellung. So kamen Richard Stehle, Christian Wulff (nicht unser Ex-Präsident) und Yvett Richter im Zuge einer wissenschaftlichen Untersuchung der Wertentwicklung von Aktienanlagen zum Ergebnis, dass Industrieobligationen, Pfandbriefe und Kommunalobligationen quasi über Nacht nominell um 92,6 % abgewertet wurden.

Aktienanleger und die Währungsreform

Für Aktienanleger war die Währungsreform auf den ersten Blick ebenfalls eine Vermögenszäsur. So wurde auch der Nominalwert von Aktien auf einen Schlag mit weniger als 1/10 angegeben. Als am  14. Juli 1948 in Frankfurt wieder der Börsenhandel aufgenommen wurde, sah die Börsenwelt aber schon etwas anders aus: Zwar führte die große Unsicherheit auch bei Aktien zu sehr starken Verlusten; im Schnitt fielen die Kurse der 30 größten deutschen AGs aber "nur" um 82,73%. Wer sein Vermögen in Aktien angelegt hatte, stand nach der Währungsreform also immerhin doppelt so gut da wie der klassische Sparer.

Alsbald erkannten die Anleger jedoch, dass Aktien durch reale Werte hinterlegt waren. Schon im Jahr 1949 legten die 30 größten deutschen AGs im Schnitt eine inflationsbereinigte Rallye von 169,1 % hin - und im Jahr 1954 erreichte dieser "DAX30" inflationsbereinigt sogar wieder den Wert, den er vor der Währungsreform hatte. Wer seine Aktien vor der Währungsreform im Jahre 1948 kaufte und für 15 Jahre hielt, erreichte sogar eine überdurchschnittlich hohe nominelle Jahresrendite von 10,7 %!

Auslandsaktien boten besonderen Schutz

Man konnte also mit Aktien aus Deutschland im Umfeld der Währungsreform den Realwert seines Einsatzes bewahren. Wer jedoch die Möglichkeit hatte, im Vorfeld der Währungsreform Aktien der wirtschaftlichen Großmacht USA zu kaufen, der konnte in dieser Zeit - in Deutscher Mark gerechnet - sogar regelrechte Vermögen anhäufen.



Das fing schon am ersten Tag der Währungsumstellung an: Zwar wurde der offizielle USD-Umrechnungskurs nach der Währungsreform auf 1 Dollar = 3,30 DM festgesetzt. Doch das Vertrauen in die neue Währung war anfangs so gering, dass der Schwarzmarktkurs umgehend auf über 10 DM je Dollar kletterte. Neben diesen Währungsgewinnen verbuchte der Auslandsanleger auch direkte Börsengewinne, denn der Dow Jones Industrials Index konnte sich von 1948 bis 1954 auf etwas über 400 Punkte mehr als verdoppeln.

Wer amerikanische Aktien hatte, stand übrigens schon wenige Monate nach der Währungsreform auch deutlich besser da als die Besitzer von Gold. Bei Letzteren hatte sich - in Dollar gerechnet - das Vermögen kaum verändert.

Positionierung für das amerikanische Zeitalter

Zwar waren die Jahre 1948-1954 auch in den USA von starken wirtschaftlichen Schwankungen geprägt (s. Grafik). Die USA mussten außerdem in Folge der hohen Kriegsausgaben einen enormen Schuldenberg abtragen. Trotzdem erwies sich die Zeit für jene Anleger, die amerikanische Aktien kauften, als goldener Einstiegsmoment.

Diese Investoren hatten rechtzeitig erkannt, dass die Vereinigten Staaten in den folgenden Jahrzehnten die Weltwirtschaft beherrschen werden (USA = 33% des Welt-BIP in 1985!) - und sie hatten sich die Aktien von den Industriegiganten des neuen Zeitalters wie z.B. ExxonMobil oder General Electric rechtzeitig ins Depot gelegt.

Botschaft für Emerging Markets Anleger

Natürlich sind die Umstände heute völlig anders als unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg. Die Weltwirtschaft ist stärker verflochten als damals, und an den Finanzmärkten ist global eine wesentlich stärkere Korrelation zu beobachten. Gleichzeitig kann man aber auch behaupten, dass insbesondere die asiatischen Schwellenländer heute eine viel bessere Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Aufstieg haben als die USA nach dem Zweiten Weltkrieg.

Hatten die USA im Jahr 1948 eine Staatsverschuldung in Höhe von über 100 % des BIP zu stemmen, so liegt heute die Staatsverschuldung der Emerging Markets durchschnittlich bei unter 20 % des BIP (s. Grafik). Zudem wuchs das US-BIP pro Kopf seinerzeit durchschnittlich nur um rund 2,5%, wohingegen der IWF der Region Emerging Asia in den Jahren 2010-2013e BIP-Wachstumsraten von jährlich 7,3-9,5% p.a. attestiert.  Der wirtschaftliche Aufstieg Asiens verläuft heute also dreimal so schnell!

Mein Fazit: Die Angst vor einem Zusammenbruch des Euroraums rechtfertigt nicht, Aktien aus den Schwellenländern zu meiden. Im Gegenteil: Die Geschichte hat gezeigt, dass der Kauf von in Fremdwährung dotierten Auslandsaktien (Aktien = Sachwerte) eine werterhaltende Wirkung für das Vermögen haben kann. Wer sich im Vorfeld der Währungsreform von 1948 mit seinen Geldanlagen auf die richtige Seite der Geschichte schlug - und sich in den Aktienmarkt der kommenden Großmacht USA einkaufte - der konnte sich in diesen für die Weltwirtschaft sehr kritischen Jahren sogar die Grundlage für ein Großvermögen schaffen.

 

Erfolgreiche Investments in den Boom-Märkten der Zukunft wünscht Ihnen

Ihr
Florian Schulz
Chefredakteur Emerging-Markets-Trader
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