Kein Geringerer als der von 1966 bis 1972 amtierende Bundesminister
für Wirtschaft Karl Schiller hat den Satz geprägt: „Man kann die
Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie selber.“ Dabei lehnte er
sich an den John Maynard Keynes zugeschriebenen Satz an: „We cannot,
by international action, make the horses drink. That is their
domestic affair. But we can provide them with water.”
Wie wahr diese Worte sind, zeigt die gegenwärtige Situation in den
westlichen Ländern. Obwohl wir historische Niedrigstzinsen haben,
geht die wirtschaftliche Aktivität derzeit zurück. Noch dazu besteht
die Gefahr, dass wir in eine Stagflation, also wirtschaftlicher
Stagnation kombiniert mit Inflation kommen. Was eine heikle
Situation wäre, da die üblichen wirtschaftspolitischen Maßnahmen die
Situation nur noch verschlimmern würden. Noch tut die im Übermaß
vorhandene Geldmenge allerdings nicht ihr wertvernichtendes Werk.
Allerdings ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie damit
beginnt.
Ob und wie die Fiskal- bzw. Geldpolitik auf die Wirtschaft wirkt,
beschreiben die sog. Transaktionsmechanismen, über die ich einst
promovieren wollte, es dann seinerzeit als junger Familienvater
wegen des Angebots nur einer halben wissenschaftlichen Stelle doch
gelassen habe. Und da ich meine Arbeiten stets selbst geschrieben
habe und im Gegensatz zu nicht wenigen führenden Politikern nicht
schreiben ließ, war dieses Kapitel damit für mich schnell erledigt.
Wie das aber mit den Themen für die man ein großes Interesse spürt
so ist, lassen die einen nie ganz los.
So wundert mich unsere derzeitige wirtschaftliche Verfasstheit kein
bisschen. Sachlich betrachtet haben wir folgende Situation. Auf der
einen Seite ist da eine expansive Geldpolitik der Bad Notenbank EZB,
die allerdings bei den Unternehmen und der Wirtschaft und damit
übrigens auch in Form einer höheren Inflation nicht zum Tragen
kommt, weil die Banken aus Angst und Vertrauensverlust sowie maroder
Verfasstheit das reichlich vorhandene Geld (1 Billion Euro zu 1%
Zins auf 3 Jahre) gleich wieder bei der Bad Notenbank EZB parken.
Weil das Risiko für sie, angesichts ihres eigenen Versagens in der
Vergangenheit, wohl zu groß ist. D. h. dass diese Banken ihren
eigenen Systemen und Strukturen nicht trauen und nicht zuletzt
deshalb derzeit ihrer Kapitalallokationsfunktion (=Verteilung des
Geldes dahin, wo es wirklich benötigt wird) in der Volkswirtschaft
nicht gerecht werden.
Auf der anderen Seite stehen die Staaten, die aufgrund der hohen
Verschuldung und des Fiskalpakts ihre staatlichen Investitionen
zurückfahren müssen, sodass der Staat als Nachfrager weitestgehend
ausfällt. Wobei er aus Versäumnissen in der Vergangenheit nicht in
der Lage ist, die Lücke, die er hinterlässt, den Unternehmen zum
Ausfüllen anbieten kann. Die bräuchten nämlich Anreize, die übrigens
im Gegensatz zu der weitverbreiteten politischen Fehlmeinung eben
nicht immer finanzielle sein müssen. Vielmehr als das, würden uns
Unternehmen strukturelle Reformen, der Abbau von Bürokratie und neue
Vertriebswege für das Notenbankgeld, damit es endlich auch dort
ankommt, wo es ankommen soll, helfen. Da hört interessanterweise die
Fantasie unserer Politiker plötzlich auf. So muss derjenige, der das
volkswirtschaftliche Einmaleins beherrscht nur noch Eins und Eins
zusammenzählen. Dann kommt zu dem Ergebnis, das wir derzeit leider
konstatieren müssen. Wobei die Lage wegen der wiederholt falschen
Entscheidungen jetzt recht verfahren ist.
Reflexhaft rufen alle wieder nach noch mehr Geld und noch mehr
staatliche Hilfen. Wie jetzt im Falle Spaniens. Das aber ist die
völlig falsche Handlungsweise. Die Bevölkerungen in Europa sind
verunsichert und trauen inzwischen dem ganzen System nicht mehr. Wie
anders sonst wäre es zu erklären, dass diese ihr Geld wieder und
wieder über die Inflation nicht deckende (Null-) Zinsen real
vernichten lassen. Das ist absolut irrationales Handeln, was von
einer tiefen Verunsicherung und auch Angst geprägt ist.
Beide, Verunsicherung und Angst, gilt es zu beseitigen. Das wird man
nicht damit schaffen, dass man sich - wie bisher – wieder und wieder
teuer Zeit erkauft. Man wird am Ende nicht umhinkommen, die
vorhandenen strukturellen Probleme bei den Wurzeln zu packen. Das
Heraufbeschwören von Euro-Flächenbränden ist da wenig hilfreich. Es
brennt doch so schon an allen Ecken und Kanten. Trotz der ins Unmaß
gehebelten Rettungspakete, Firewalls und Rettungsschirme, die man
uns alle als die allein selig machenden Instrumente verkauft hat.
Frau Merkel und vor allem Herr Schäuble allen voran. Die ja
angesichts der unverantwortlich hohen Summen, die inzwischen im
Spiel sind, ihre Wirkung hätten längst zeigen müssen, wenn sie
wirklich die Lösung des Problems wären, oder? Sind Sie aber nicht.
Man wird wohl doch den ein oder anderen Baum fällen müssen, damit
sich die Feuerbrunst nicht immer weiterfressen kann. Schließlich
wird auch das Wasser langsam knapp.
Und so bin ich einmal gespannt, wann in Berlin und Brüssel die
Ersten merken, dass sie so die ganze Sache nur noch weiter
verschlimmern oder angebrachter „verschlimmbessern.“ Weil wie immer
der Satz gilt, dass das Gegenteil von gut gewollt, gut gemacht ist.
Das zeigt auch die völlig in den Sand gesetzte Atomwende, die uns
nun zur Unzeit auf die Füße fällt. Was übrigens Fachleute, die nicht
der Atomlobby angehören, damals bereits vorhergesagt haben.
Offensichtlich hat die damalige Ethikkommission die vergessen, um
die sich eigentlich alles dreht: die Menschen. Sonst hätte sie sich
wohl auch mit den Folgen der Finanzkrise und welche Wende da
notwendig wäre, beschäftigen müssen. Was sie nicht getan hat und ein
großer Fehler war. Und wehe wenn der Rechtsanspruch auf einen
Kitaplatz dann nächstes Jahr auch noch auf die eh klammen Gemeinden
hereinbricht. Dann wird es noch mal richtig teuer.

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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop und Value Börsenbrief. Nicht zuletzt wegen seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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