Der Ausverkauf an den Aktienmärkten könnte nach Ansicht der
Börsianer noch weitergehen. Mit einer wirklichen Entspannung der
Lage sei vor der griechischen Schicksalswahl in knapp zwei Wochen
nicht zu rechnen.
Es war eine schwarze Woche für Europa: Die Aktienmärkte stürzten ab,
der Euro fiel gegenüber dem US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit
zwei Jahren. Gleichzeitig sackten die Renditen zehnjähriger
Bundesanleihen und US-Treasuries auf Allzeittiefs. Am Freitag wurde
es geradezu dramatisch, als zu den Sorgen um die Eurozone noch ein
unerwartet schwacher Einkaufsmanagerindex aus China sowie
enttäuschende US-Arbeitslosenzahlen kamen.
Der DAX gab auf Wochensicht um 4,6 Prozent nach, die kräftigen
Gewinne vom Jahresanfang sind damit nahezu aufgezehrt. Heute Morgen
notiert das deutsche Aktienbarometer bei 5.975 Punkten und damit gut
1 Prozent im Minus.
Nun blickt die Welt – wieder einmal – hoffnungsvoll in Richtung
Zentralbanken: Am Mittwoch steht ein Zinsentscheid der EZB an, am
Donnerstag spricht US-Notenbankchef Bernanke vor dem
Wirtschaftsausschuss des Kongresses.
An der deutschen Börse werden am Dienstag turnusgemäß die
Zusammensetzungen der Auswahlindizes überprüft und das Ergebnis
nachbörslich veröffentlicht.
Extrem miese Stimmung
Laut Andreas Hürkamp von der Commerzbank haben die jüngsten Trends
wie die hohen spanischen Bondrenditen, die mäßigen Konjunkturdaten
aus den Schwellenländern und die Ängste um Griechenland die
Aktienmärkte spürbar belastet. „Das Anlegersentiment ist
mittlerweile sehr pessimistisch.“ Die Bank geht aber davon aus, dass
das Kurs-Buchwert-Verhältnis des DAX im zweiten Halbjahr 2012
zwischen 1,15 und 1,35 schwanken wird, was Kursniveaus von 6.200 bis
7.600 Punkten entsprechen würde. „Für dieses Szenario werden nun
jedoch starke politische Antworten immer wichtiger, um die derzeit
negativen Trends in den Emerging Markets und um Euroraum zu
stoppen.“
Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) dient dazu, die Börsenbewertung
eines Unternehmens zu beurteilen. Dazu wird der Preis einer Aktie in
Verhältnis zum Buchwert je emittierte Aktie gesetzt. Dem
traditionellen wertorientierten Investmentansatz zufolge entspricht
der Buchwert je Aktie in etwa dem fairen Preis einer Aktie, demnach
ist eine Aktie umso preiswerter, je niedriger ihr KBV.
Weitere Verluste befürchtet
Die Rettung der angeschlagenen Bankengruppe Bankia bringt die
ohnehin angespannte Haushaltslage Spaniens in noch stärkere
Bedrängnis“, bemerkt die Landesbank Berlin. Es wüchsen Sorgen, dass
Spanien die Krise allein nicht mehr bewältigen könne. „Die
Refinanzierungskosten liegen im Zehnjahresbereich nur knapp unter 7
Prozent – ein Niveau, das langfristig als nicht tragbar gilt und im
Falle Irlands und Portugals die Flucht unter den Euro-Rettungsschirm
eingeläutet hat.“ Daneben rechnen die Analysten auch aus saisonalen
Gründen in nächster Zeit mit einer eher schwächeren Kurstendenz.
Technik: nach unten offen
Von charttechnischer Seite kommen ebenfalls keine guten Nachrichten.
„Nun hat auch der DAX eine sehr markante und damit richtungsweisende
Marke, die vielbeachtete 200-Tage-Linie, unterschritten“, erklären
die technisch orientierten Analysten der Helaba. „Der Bruch wurde
mit hoher Bewegungsdynamik vollzogen, so dass von einem sehr
nachhaltigen Signal ausgegangen werden kann, obwohl eine Bestätigung
über einen weiteren, darunter liegenden Schlusskurs noch aussteht.“
Auch wenn sich die Verluste der letzten Zeit bereits ordentlich
summiert hätten, müsse der Blick weiter nach unten gerichtet werden.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine
Montag, 4. Juni
Großbritannien: Feiertag (Spring Holiday): Märkten bleiben
geschlossen
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