Wochenausblick: Anhaltender Sturzflug befürchtet



13:03 04.06.12

Der Ausverkauf an den Aktienmärkten könnte nach Ansicht der Börsianer noch weitergehen. Mit einer wirklichen Entspannung der Lage sei vor der griechischen Schicksalswahl in knapp zwei Wochen nicht zu rechnen.

Es war eine schwarze Woche für Europa: Die Aktienmärkte stürzten ab, der Euro fiel gegenüber dem US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Gleichzeitig sackten die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen und US-Treasuries auf Allzeittiefs. Am Freitag wurde es geradezu dramatisch, als zu den Sorgen um die Eurozone noch ein unerwartet schwacher Einkaufsmanagerindex aus China sowie enttäuschende US-Arbeitslosenzahlen kamen.

Der DAX gab auf Wochensicht um 4,6 Prozent nach, die kräftigen Gewinne vom Jahresanfang sind damit nahezu aufgezehrt. Heute Morgen notiert das deutsche Aktienbarometer bei 5.975 Punkten und damit gut 1 Prozent im Minus.

Nun blickt die Welt – wieder einmal – hoffnungsvoll in Richtung Zentralbanken: Am Mittwoch steht ein Zinsentscheid der EZB an, am Donnerstag spricht US-Notenbankchef Bernanke vor dem Wirtschaftsausschuss des Kongresses.

An der deutschen Börse werden am Dienstag turnusgemäß die Zusammensetzungen der Auswahlindizes überprüft und das Ergebnis nachbörslich veröffentlicht.

Extrem miese Stimmung

Laut Andreas Hürkamp von der Commerzbank haben die jüngsten Trends wie die hohen spanischen Bondrenditen, die mäßigen Konjunkturdaten aus den Schwellenländern und die Ängste um Griechenland die Aktienmärkte spürbar belastet. „Das Anlegersentiment ist mittlerweile sehr pessimistisch.“ Die Bank geht aber davon aus, dass das Kurs-Buchwert-Verhältnis des DAX im zweiten Halbjahr 2012 zwischen 1,15 und 1,35 schwanken wird, was Kursniveaus von 6.200 bis 7.600 Punkten entsprechen würde. „Für dieses Szenario werden nun jedoch starke politische Antworten immer wichtiger, um die derzeit negativen Trends in den Emerging Markets und um Euroraum zu stoppen.“

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) dient dazu, die Börsenbewertung eines Unternehmens zu beurteilen. Dazu wird der Preis einer Aktie in Verhältnis zum Buchwert je emittierte Aktie gesetzt. Dem traditionellen wertorientierten Investmentansatz zufolge entspricht der Buchwert je Aktie in etwa dem fairen Preis einer Aktie, demnach ist eine Aktie umso preiswerter, je niedriger ihr KBV.

Weitere Verluste befürchtet

Die Rettung der angeschlagenen Bankengruppe Bankia bringt die ohnehin angespannte Haushaltslage Spaniens in noch stärkere Bedrängnis“, bemerkt die Landesbank Berlin. Es wüchsen Sorgen, dass Spanien die Krise allein nicht mehr bewältigen könne. „Die Refinanzierungskosten liegen im Zehnjahresbereich nur knapp unter 7 Prozent – ein Niveau, das langfristig als nicht tragbar gilt und im Falle Irlands und Portugals die Flucht unter den Euro-Rettungsschirm eingeläutet hat.“ Daneben rechnen die Analysten auch aus saisonalen Gründen in nächster Zeit mit einer eher schwächeren Kurstendenz.

Technik: nach unten offen

Von charttechnischer Seite kommen ebenfalls keine guten Nachrichten. „Nun hat auch der DAX eine sehr markante und damit richtungsweisende Marke, die vielbeachtete 200-Tage-Linie, unterschritten“, erklären die technisch orientierten Analysten der Helaba. „Der Bruch wurde mit hoher Bewegungsdynamik vollzogen, so dass von einem sehr nachhaltigen Signal ausgegangen werden kann, obwohl eine Bestätigung über einen weiteren, darunter liegenden Schlusskurs noch aussteht.“ Auch wenn sich die Verluste der letzten Zeit bereits ordentlich summiert hätten, müsse der Blick weiter nach unten gerichtet werden.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine

Montag, 4. Juni

Großbritannien: Feiertag (Spring Holiday): Märkten bleiben geschlossen



16.00 Uhr. USA: Auftragseingänge der Industrie April. Umfragen zufolge wird hier im Schnitt ein Plus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat prognostiziert.

Dienstag, 5. Juni

Großbritannien: Thronjubiläum der Queen, Börsen bleiben geschlossen

12.00 Uhr. Deutschland: Auftragseingänge Industrie April. Die Commerzbank rechnet aufgrund guter Zahlen aus den Bundesländern zwar mit einem Plus bei den Aufträgen im April, eine nachhaltige Wende sei aber nicht in Sicht.

16.00 Uhr. USA: ISM Dienstleistungsindex Mai. Die DekaBank erwartet 53 nach 53,5 Punkten im April und verweist auf die schwächeren regionalen Umfragen. Der vom Institute for Supply Management erhobene Indikator zeigt die Geschäftserwartungen des Dienstleistungssektors auf einer Skala von eins bis 100. Werte über 50 deuten auf eine Ausweitung, Werte darunter auf eine Abschwächung der Konjunktur.

22.00 Uhr. Deutschland: Indextermin. Der Arbeitskreis Aktienindizes tagt turnusgemäßen und überprüft die Zusammensetzung der Auswahlindizes. Die Ergebnisse werden nach US-Börsenschluss veröffentlicht.

    Auswahlindizes: Wer kommt rein, wer muss raus? Der Ablauf bei Indexanpassungen

Mittwoch, 6. Juni

12.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion April. Die Helaba erwartet einen Rückgang um 1 Prozent gegenüber dem Vormonat. Nach dem wetterbedingten Einbruch der Bauproduktion im Februar und der kräftigen Erholung im März sei für den April wieder mit einer Gegenbewegung zu rechnen.

13.45 Uhr. EU: EZB-Sitzung mit anschließender Pressekonferenz. Laut HSH Nordbank sollte die EZB angesichts der rückläufigen Konjunkturindikatoren, der zuletzt gesunkenen Geldmenge und der abnehmenden Teuerung inzwischen zu einer Leitzinssenkung neigen. Vor dem Beschluss neuer unkonventionellen Maßnahmen könne die Notenbank jedoch zunächst die Wahl in Griechenland abwarten und lediglich die Verlängerung der Vollzuteilung bei ihren Tendergeschäften ankündigen.

20.00 Uhr. USA: Beige Book.

Donnerstag, 7. Juni

Deutschland: Feiertag (Fronleichnam): An der Börse Frankfurt wird aber regulär gehandelt.

13.00 Uhr. Großbritannien: Zinsentscheid der Bank of England. Im April habe die Bank of England noch Inflationssorgen gehabt, angesichts der erneut aufgeflammten Euro-Krise, sinkender Rohölpreise und eines starken Pfundes spiele diese nun aber keine Rolle mehr, bemerkt die DekaBank. Weitere geldpolitische Stimuli oder Bankenhilfen seien daher wieder Thema, auch wenn diesmal die Geldpolitik wohl noch unverändert gelassen werde.


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