War's das?



10:53 13.06.12

Ich bin doch immer wieder erstaunt, wie leicht sich manche, die es eigentlich besser wissen müssten, wieder und wieder einwickeln lassen. Da wird tage- und wochenlang über die Deutschkenntnisse von Anshu Jain, neben Herrn Fitschen Co-Vorstandsprecher der Deutsche Bank AG, gerätselt. Dankbar nehmen der CDU Wirtschaftsrat und die deutsche Öffentlichkeit dann auf, dass (immerhin) der führende Mann der größten deutschen Bank am Anfang ein paar vorformulierte Sätze, die er noch dazu vom Papier abliest, in Deutschland auf „deutsch“ zum Besten gibt.

Wie traurig das ist, sieht man daran, wenn man sich dem ganzen Sachverhalt deutschuntypisch, also tabu- bzw. angstfrei, nähert und man sich einmal fragt, was wohl los wäre, wenn ein Deutscher CEO bei der Bank of America werden würde und dort nur ein paar Sätze Englisch bzw. Amerikanisch sprechen würde und ansonsten nur deutsch. Völlig undenkbar wäre das in Frankreich z. B. bei der Société Générale. Ein Deutscher, der des Französischen nicht mächtig wäre, hätte da wohl schlicht keine Chance. Pas du tout!

Nun bitte ich darum, nicht gleich in die rechte Ecke gestellt zu werden. Aber gesagt werden muss das schon hin und wieder einmal. Die überregionalen Zeitschriften trauen sich das schließlich nicht. Ich persönlich bin immer wieder erstaunt, dass wegen eines Nichtdeutschen in mit Fachworten gespickten Vortragsveranstaltungen hierzulande, deutsche Vortragende ins Englische wechseln, damit die Mehrheit schlicht ignorieren und somit auf ein geringeres Informations- und Erkenntnisniveau zwingen. Man könnte doch auch erwarten dürfen, dass jemand, der bei uns einen solch führenden Posten übernimmt, sich die Mühe macht, halbwegs deutsch zu sprechen. Schließlich haben die Gleichen, die Herrn Jain beklatschen, bei den Einbürgerungstests das zur zwingenden Voraussetzung gemacht.

Dennoch. Dankbar nahmen der Wirtschaftsrat und die Öffentlichkeit diese „perfekte Inszenierung“ von Jain (O-Ton Handelsblatt) entgegen. Wobei man zumindest das von der führenden deutschen Bank als Selbstverständlichkeit erwarten kann. Dann das übliche Spiel. Ein bisschen Lob und Schmeichelei an den deutschen Mittelstand hier, ein bisschen Selbstkritik dort und zum Schluss das Angebot eines Paktes mit Deutschland. Und schon ist die Welt wieder in Ordnung. So einfach kann Krisenbewältigung in Zeiten der Finanz- und Schuldenkrise sein. War da was?

Dass man damit beim Wirtschaftsrat der CDU durchkommen kann, lässt auf dessen derzeitige Verfasstheit bzw. Niveau schließen. Wobei ich mich im Gegensatz zu den Granden der Wirtschaft frage, ob das wirklich alles ist, was die Deutsche Bank zu bieten hat? Schließlich ermittelte (oder ermittelt noch) die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC gegen die Deutsche Bank AG und weitere 16 Investmentbanken im Zusammenhang mit der Finanzkrise wegen Betrugs („Misleading of Clients“=Irreführung von Kunden). Dann wird auch im Fall Kirch die Rolle der deutschen Bank immer klarer. Was nicht gerade ein Ruhmesblatt ist. Der Bruch eines Bankgeheimnisses vor laufenden Kameras ist so ziemlich das schlimmste Vergehen, was ich mir für einen Bank vorstellen kann. Ich will nicht wissen, was die Privatbanker der alten Schule hinter vorgehaltener Hand dazu sagen bzw. darüber denken. Auch die Geschäfte mit der halbstaatlichen IKB seinerzeit waren auch nicht gerade geeignet, diese Bank hochleben zu lassen. Aber das ist ja Schnee von gestern. Und das Systemrisiko im Bankenbereich ist so groß wie nie zuvor. Ich jedenfalls kann mich da beherrschen, wenn es um das Schwenken der Fähnchen geht.

Statt berechtigten Vorwürfen und lästigen Fragen gab es aber überraschenderweise Szenenapplaus. Wie schon bei Ackermanns Abschiedsrede auf der Hauptversammlung. Da waren wir schon immer gut! Traurig, traurig, kann ich da nur feststellen. Da stellt sich die Frage nach dem hanseatischen Kaufmannsbegriff, der im Wirtschaftsrat wohl auch seine besten Zeiten hinter sich hat. Was man da beklatscht, wird auf unterster Firmenebene wohl wahrscheinlich heftigst bekämpft. Aber, so ist das nun einmal hierzulande. Wer verscherzt es sich schon gerne mit der Deutsche Bank AG?

Dann faselt Jain irgendetwas von einem Vertrag mit der Gesellschaft, der erneuert werden müsse (wobei die Rechnung mit einem aalglatten Lächeln an uns Bürger weitergereicht wird), verweist kurz auf den Kernbereich (welchen?), den man als Bank verlassen habe, stellt das an den Märkten mit Händen zu greifende Misstrauen gegen die Banken fest (wobei die Banker es sind, die sich gegenseitig am wenigsten trauen bzw. am meisten misstrauen --> siehe darniederliegender Interbankenmarkt) und lobt am Ende die gerade im Bankenmarkt derzeit nicht vorhandene, ja außer Kraft gesetzte Soziale Marktwirtschaft. Ich war nicht dabei, aber ich bin mir ganz sicher, dass es die Wirtschaftsräte spätestens hier von den Sitzen riss und sie sich vor Klatschen gar nicht mehr einbekamen. Während Ludwig Erhard wohl im Grab rotierte. So hätte man die Veranstaltung unter Verkennung der brutalen Realität wohl unter das Motto „Friede, Freude Eierkuchen“ stellen können. Bravo!!!

Tatsache ist aber leider, dass Griechenland pleite ist und kurz davor aus dem Euro rauszufliegen. Spanien muss unter den Rettungsschirm und zahlt so hohe Zinsen wie nie zuvor. Wobei Italien noch dementiert. Der Interbankenmarkt ist faktisch zum Erliegen gekommen. Trotz 1 Billion Euro Bad Notenbankgeld. Das Systemrisiko ist so hoch wie nie zuvor. In Europa sind Zombiebanken Normalität geworden (was auch der Grund für das Misstrauen untereinander ist). Die Soziale Marktwirtschaft ist mächtig lädiert, was sich daran zeigt, dass jede Bank in Europa derzeit eine Bestandsgarantie auf Kosten der Steuerzahler erhält. Wobei „koste es was es wolle“ die Handschrift der Zusage trägt. Ganz Europa über die Einführung einer Bankenunion bzw. von Euro-Anleihen an Deutschlands Speck möchte. Und Frau Merkel dem Ganzen das Sahnehäubchen aufsetzt, indem sie angesichts 15 Mrd. Euro schwerer Klagen der Versorger, dann von Europa als einer „dynamischen Wachstumsregion“ spricht.

Verwundert reibt man sich die Augen. Und fragt sich, warum die Jecken noch immer unterwegs sind, obwohl der Karneval doch schon längst vorbei ist?



Am Ende kommt hat Anshu aber noch ein Schmankerl bereit: das „Bankmodell der Zukunft.“

Wer nun erwartet hat, dass das Internet in der Form eine Rolle spielen wird, dass wir über unsere Einlagen zweckgerichtet bestimmen oder es neue flexible und kundennahe Produkte gibt, gar eine Organisationsänderung, die das Investmentbankengeschäft vom Kreditgeschäft abtrennt und man so als Beispiel voran geht, sieht sich getäuscht.

„Die Deutsche Bank soll fest in einem starken heimischen Markt mit soliden Staatsfinanzen verankert sein“ muss als Zukunftshäppchen wohl ausreichen. Wobei man sich fragt, wie es einer Bank wohl gehen muss, die diese lächerliche Selbstverständlichkeit als Zukunft verkauft bzw. verkaufen muss. Und nichts anderes im Köcher hat. Spätestens dieser Satz ist für uns von Globalyze und mich persönlich eine Verkaufsempfehlung vom Herrn des Hauses höchstpersönlich.

Und so endet die „perfekte Inszenierung“ so klang- und substanzlos, wie sie begonnen hat. Schade, dass die Substanz am Ende irgendwo auf der Strecke geblieben ist. Das scheint aber niemanden gestört zu haben. Verwundern muss das nicht. Wir sprechen schließlich vom Wirtschaftsrat der CDU und der Deutsche Bank AG.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop und Value Börsenbrief. Nicht zuletzt wegen seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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