Wer hat Angst vor Europa?



15:07 13.06.12

Inzwischen hat die ganze Welt Angst vor Europa, wenn man den Verlautbarungen der relevanten internationalen Finanzinstitutionen glauben darf. Sowohl der IWF als auch die Weltbank warnen vehement davor, dass die europ�ische Schuldenkrise das Weltwirtschaftswachstum negativ beeinflussen wird. Interessanterweise zeigen die US-amerikanischen Verantwortlichen, getrieben von eigenen Schuldenbergen und nachlassenden Wirtschaftsindikatoren, ebenfalls immer deutlicher mit dem warnenden Zeigefinger auf Europa und �berbieten sich in wohlmeinenden Ratschl�gen, wie die Probleme zu l�sen seien. Leider widersprechen sich die ein oder anderen Nobelpreistr�ger beziehungsweise Politiker und zeigen nicht immer Einigkeit in der Einsch�tzung der Lage und der zu verwendenden Mittel. Einig ist man sich dahingehend, dass Deutschland mehr „Verantwortung“ �bernehmen soll. Insbesondere die Idee einer Fiskalunion auf europ�ischer Ebene wird bef�rwortet. Gemeint ist dabei aber vor allem, dass Deutschland als wirtschaftsst�rkster Staat im Euroland kurzfristig mehr Haftung und mittelfristig am besten gleich ganz die europ�ische Schuldenlast schultern soll. Es wird dabei nur verkannt, dass die Verschuldung Deutschlands ebenfalls zu hoch ist. Die im Vergleich wettbewerbsf�hige Wirtschaft Deutschlands kann nicht dauerhaft f�r alle Schulden Europas geradestehen. Die Kernprobleme der s�deurop�ischen L�nder liegen nicht nur im mangelnden Sparwillen beziehungsweise der haushaltspolitischen Disziplin oder der Unf�higkeit, alle Steuern einzutreiben. Das Hauptproblem liegt vor allem darin begr�ndet, dass die s�deurop�ischen Wirtschaftsbereiche schlicht nicht wettbewerbsf�hig sind. Da helfen auch gemeinschaftlich haftende Rettungsschirme, Eurobonds oder EZB-Aufkaufprogramme langfristig nicht weiter. Die schmerzhafte Anpassung von Preisen und L�hnen wird den s�deurop�ischen Krisenstaaten nicht erspart bleiben. Auch wenn Italien und Spanien erste positive Ans�tze zeigen, so werden von den Kapitalm�rkten weitere Anstrengungen eingefordert werden, wie die wieder stetig steigenden langfristigen Zinsen Italiens und Spaniens zeigen. Die Unsicherheit bleibt den Marktteilnehmern definitiv erhalten.

Insbesondere die Wahl in Griechenland d�rfte f�r st�rkere Schwankungen an den internationalen Kapitalm�rkten sorgen. Solange nicht klar ist, ob eine stabile Regierung f�r die notwendige Zusammenarbeit Griechenlands mit der EU sorgt, werden sich Euphorie und Depression weiterhin t�glich abwechseln. Der DAX zeigt diese Stimmungsbilder deutlich in seinem Verlauf. Nachdem er Ende letzter Woche fast auf seinen Jahresanfangsstand gesunken ist, konnte er wieder ein kleines Plus zur�ckerobern. Die Stimmung wird aber weiterhin skeptisch bleiben. Die europ�ischen Indizes sind nach wie vor in der Minuszone beheimatet und werden es kurzfristig auch bleiben. Die weltweit nachgebenden Wirtschaftsindikatoren werden sowohl in Europa als auch in Asien m�gliche Aufw�rtsbewegungen kurzfristig hemmen. Eine defensive Vorgehensweise ist Aktieninvestoren zu empfehlen, zumindest so lange, wie Klarheit hinsichtlich des Verbleibs von Griechenland in der Eurozone herrscht und die Spekulationswellen gegen Italien und Spanien verebben.




Bei den vorliegenden Informationen handelt es sich um allgemeine Informationen, nicht um eine Anlageberatung oder Empfehlung oder eine Finanzanalyse. F�r eine individuelle Anlageempfehlung oder Beratung stehen Ihnen unsere Berater gerne zur Verf�gung.


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Über den Autor
 
Autor: Michael Beck, Leiter Portfolio Management Michael Beck, Leiter Portfolio Management,
Bankhaus ELLWANGER & GEIGER KG

Michael Beck ist Leiter des Portfolio Managements bei ELLWANGER & GEIGER Privatbankiers. Das Stuttgarter Bankhaus ist spezialisiert auf die Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden sowie auf Immobilien im privaten und gewerblichen Bereich. Als Kapitalmarkt-Experte schätzt Michael Beck in der wöchentlichen Marktmeinung aus Stuttgart aktuelle Entwicklung und Chancen an den Aktienmärkten ein.

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