Anleihen: Höhere Renditen für Bundesanleihen



07:30 16.06.12

An den Kapitalm�rkten steigt die Spannung angesichts des ungewissen Ausgangs der griechischen Wahlen am kommenden Wochenende. Anleger fragen zudem, ob Deutschland die steigenden Belastungen unbeschadet leisten kann und trennen sich vermehrt von langlaufenden Bundesanleihen.

Das Auf und Ab beim Sorgenbarometer Euro-Bund-Future in der vergangenen Woche spiegelt nach Ansicht von Spezialisten im Rentenhandel die Achterbahn der Anlegergef�hle mit Blick auf die Eurokrise wider. „Deutschland gilt zwar nach wie vor als sicherer Hafen, in Zukunft wird das Land aber noch mehr zur Eurorettung beisteuern m�ssen“, interpretiert etwa Arthur Brunner von ICF Kursmakler den Zickzackkurs. Das Wochentief bei 141,42 Prozent vom Mittwoch sei mit der Auktion zehnj�hriger Bundesanleihen in H�he von f�nf Milliarden Euro einhergegangen. Mit einem Zins von 1,52 Prozent werde geringf�gig mehr f�llig als die 1,47 Prozent der letzten Auktion. Ansonsten nutzten Anleger das immer noch sehr hohe Marktniveau im Bund-Future zu Verk�ufen. „Nur ganz selten kam es zu neuen Engagements.“

„Die Erleichterung �ber die bis zu 100 Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsschirm f�r die spanischen Banken zum Wochenbeginn war angesichts einer Herabstufungsflut der Kreditw�rdigkeit europ�ischer Banken und Staaten schnell verpufft“, beobachtet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Befanden sich die Renditen f�r 10-j�hrige spanische Staatsanleihen am Montag noch bei 6,02 Prozent, erreichten sie am Donnerstag knapp 7 Prozent.

Wer macht das Rennen?

Endlich sei es soweit, der Wahlsonntag in Griechenland steht bevor. „Vielleicht hat das Gezackere um den Verbleib der Hellenen in der Gemeinschaftsw�hrung dann endlich ein Ende“, bemerkt Daniel, der sich in der W�hrungsdebatte etwas weniger Idealismus und mehr Realismus w�nscht. „F�r Griechenlands Wirtschaft w�re eine R�ckkehr zur Drachme vielleicht ein Weg zur Genesung “, meint der H�ndler.
Sollten sich die Euro- Gegner bei den Wahlen durchsetzen, seien Turbulenzen an den M�rkten vorprogrammiert. F�r diesen Fall stellten die Notenbanken laut Helaba ausreichend Liquidit�t in Aussicht. „Notfalls k�nnte die Politik bei ihrem G20 Gipfel zus�tzliche globale Unterst�tzungsma�nahmen beschlie�en“, meint Brunner.

Es hagelt schlechtere Noten

Im Umfeld der allgemeinen Verunsicherung an den M�rkten verteilten Ratingagenturen an Banken und Staaten aus dem Euroraum in dieser Woche reihenweise schlechtere Bonit�tsnoten. Neben Spanien und Zypern habe die Moody’s f�nf niederl�ndische Banken herabgestuft, wie die Bremer Landesbank meldet. „Das Unternehmen warnte zugleich vor weiteren Abwertungen europ�ischer Geldh�user, sollte ein Euro-Austritt Griechenlands wahrscheinlich werden“, bemerkt Folker Hellmeyer. Die kleine amerikanische Ratingagentur Egan Jones habe sich gar erlaubt, Frankreichs Bonit�t von A- auf BBB+ zu senken mit negativem Ausblick, obwohl das Land lediglich eine Staatsverschuldung von rund 86 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufweise und eine Reformpolitik betreibe. „Positivszenarien f�r die Euro-Staaten werden derzeit v�llig ausgeblendet.“

Besitzer von Bankanleihen in der Pflicht

Bankenrettungen sollen laut politischem Willen der Europ�er der Vergangenheit angeh�ren. Erste Regeln der Europ�ischen Kommission f�r die Abwicklung von Banken im Krisenfall sind verabschiedet worden, wie Klaus Stopp von der Baader Bank berichtet. Diese Crisis Management Directive m�sse bis sp�testens 1. Januar 2015 in nationales Recht umgesetzt werden, um am 1. Januar 2018 greifen zu k�nnen. „Die Direktive enth�lt M�glichkeiten, Anleiheinvestoren bei einer Bankenrettung zur Kasse zu bitten.“ Inhaber l�nger laufender unbesicherter Bankanleihen m�ssten mit einer Beteiligung an den Verlusten rechnen, falls die Bank zum Rettungs- oder Abwicklungsfall werde. „Eine Nennwertherabsetzung oder eine Umwandlung in Aktien sind m�gliche Optionen.“ Die Renditen vieler unbesicherter Bankanleihen seien mittlerweile so hoch, dass sich High-Yield-Fonds daf�r interessierten.



Langlaufende Bundesanleihen werden abgesto�en

Neben den Kursen f�r 10-j�hrige Bunds erkennt Dieter Blum deutliche Einbu�en bei l�nger laufenden hiesigen Staatsanleihen. Der H�ndler der Hellwig Wertpapierhandelsbank spricht von Kursr�ckg�ngen in H�he von immerhin 7 Prozent in den vergangenen vier Tagen beispielsweise bei einer im Juli 2044 auslaufenden Bundesanleihe (WKN 113548). „Seit Anfang Juni sind damit die Renditen am ganz langen Ende von unter 1,7 Prozent auf �ber 2,2 Prozent wieder gestiegen.“ Anleger scheinen zunehmend an die Einf�hrung von Eurobonds zu glauben und positionieren sich dem H�ndler zufolge entsprechend.

Nokia unter Druck

Deutliche Verluste nach der Ver�ffentlichung der j�ngsten Quartalszahlen verbucht Brunner f�r Nokia-Anleihen (WKNs A0T6DF, A0T9KM, A0T6DE, A0T9L2). Insbesondere l�nger laufende Bonds wurden abgesto�en. Trotz der neuen Lumia-Smartphones und einer �berarbeiteten Schwellenl�nder-Strategie schaffe es der Konzern nicht aus den roten Zahlen.

Fremdw�hrungsanleihen beliebt

Im Handel spricht Daniel von andauerndem Zuspruch f�r Fremdw�hrungsanleihen. Gekauft w�rde beispielsweise eine in T�rkische Lira notierte Anleihe von VW (WKN A1GSP7) mit einer Laufzeit bis Ende 2013 und einem Kupon von 8,5 Prozent. Anleger interessierten sich zudem f�r eine in Australische Dollar ausgestellte Anleihe von dem deutsche Autobauer (WKN A0VRFC) mit einer F�lligkeit im November 2015 und einem Kupon von 6,25 Prozent.
Ebenfalls gefragt sei ein in Euro emittierter Corporate Bond von Fresenius (WKN A1GLY6) mit einer F�lligkeit im Februar 2021 und einem Kupon von 5,25 Prozent. Abgesto�en worden sei indes eine im Oktober 2013 f�llig werdende Anleihe des franz�sischen Autobauers PSA (WKN A1AR5Z).

Steilmann-Boecker mit neuer Anleihe

Bis zum 25. Juni kann eine neue Anleihe von Steilmann-Boecker Fashion Point (WKN A1PGWZ) noch gezeichnet werden, die im Entry Standard der B�rse Frankfurt gehandelt werden soll. Bei einer Laufzeit bis 2017 bietet der Textilkonzern einen Kupon von 6,75 Prozent. Marken wie Tommy Hilfiger oder Marc O’Polo und konzerneigene Labels geh�ren zum Kapital des mittelst�ndischen Modekonzerns.

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