Griechenwahl: Untergang des Abendlandes?



10:05 17.06.12

An diesem Wochenende steht die neue Neuwahl des griechischen Parlaments an. Und angeblich zittern die „M�rkte“ davor, dass sich eine Mehrheit f�r die sogenannten radikalen Linken (Syriza) findet und Griechenland dann aus dem Euro ausscheidet.

Ihr F�hrer, Alexis Tsipras, hat etliche Male betont, dass sein Land im Euro-Raum bleiben soll. Aber er will das Br�sseler Spardiktat neu verhandeln. Das wollen die anderen griechischen Parteif�hrer auch. Und Br�ssel hat bereits Bereitschaft hierzu erkennen lassen. Dadurch erhoffen sich die Eurokraten nat�rlich vor allem eine Unterst�tzung der bisherigen Regierungsparteien. Zuletzt gab es sogar Signale, dass sie im Falle einer Mehrheit von Syriza offen f�r Gespr�che sind.

Tsipras hat k�rzlich gesagt, wenn Spanien 100 Mrd. Euro ohne Bedingungen bekommen kann, warum soll Griechenland dann nicht gleichbehandelt werden. Das fragen sich die Iren mittlerweile auch, die Portugiesen denken es sich bis jetzt nur. Mit ihrer schnellen Bereitschaft, Spanien unter die Arme zu greifen, ohne harte Bedingungen zu stellen, haben die Euro-Finanzminister T�r und Tor f�r Begehrlichkeiten ge�ffnet.

Griechenland hat seine neuen Sparverpflichtungen in den zur�ckliegenden Monaten vernachl�ssigt. In EU-Kreisen wird jetzt bef�rchtet, dass der IWF aussteigen k�nnte, wenn der griechische Finanzbedarf w�chst. M�glicherweise, so wird �berlegt, kann man diesem Risiko dadurch begegnen, dass sich die �ffentlichen Gl�ubiger auf einen Schuldenschnitt verst�ndigen. Dabei hatte doch immer gehei�en, es w�rden zum L�nder-Bailout immer nur Garantien gegeben, den Steuerzahler werde das alles nichts kosten.

Nachdem die Aktienb�rsen in dieser Woche volatil dahingewackelt sind, haben sie sich am Donnerstag f�r die Oberseite entschieden. Anlass war die Meldung, dass gr��ere Zentralbanken eine koordinierte Liquidit�ts-Aktion vorbereiten, falls das Ergebnis der Griechenland-Wahlen zu Tumulten in den Finanzm�rkten f�hren sollte.

Die Wahrscheinlichkeit f�r weitere Liquidit�tsfluten wird sowieso steigend gesehen, seit US-Makrodaten in Serie schw�cher ausfallen als erwartet. Insbesondere die in dieser Woche gemeldeten Preisindices PPI und CPI zeigen Schw�che: Der PPI notiert im Jahresvergleich nur noch 0,8% h�her, der CPI 1,7%. Das verschaffe der Fed Spielraum f�r geldpolitische Anreize, hei�t es. Und damit ist sicher kein solch halbgares Programm wie die „Operation Twist“ gemeint, das zum Monatsende ausl�uft. Da passt es auch terminlich gut ins Bild, dass das FOMC der Fed in der n�chsten Woche tagt.

Auch wenn immer wieder gerne mit dem Finger auf die Eurozone gezeigt wird, wenn es darum geht, Krisenherde auszumachen – dadurch wird es nicht richtiger. Denn die Verschuldung hat diesseits und jenseits des Atlantik l�ngst langfristig untragbare Ausma�e angenommen. Durch permanente Liquidit�tsfluten sind viele, im Kreditrating als hochwertig eingestufte Anleihen, auch US-Treasurys, an einem Punkt angekommen, wo das Risiko zu hoch, die Rendite aber viel zu niedrig ist. Das gilt erst recht f�r die reale Betrachtung. Private Kreditgeber sind so immer weniger bereit, hier noch zu investieren. Und so schaffen die Notenbanken mit jedem Drehen am Liquidit�tshahn nur die Voraussetzung f�r das n�chste Mal.

Zur�ck zum Thema: Angeblich zittern die „M�rkte“ vor dem griechischen Wahlsonntag. Sie zittern so sehr, dass z.B. ein ETF auf den MSCI_Greece in den zur�ckliegenden acht Handelstagen um 30% gestiegen ist. Auch Euro/Dollar zeigte sich zuletzt fest, der Dollar-Index sinkt unterhalb des wichtigen Pegels ~82,40 (siehe Chart!). Beides weist auf zunehmende Risikobereitschaft hin.



Als weiteres Indiz daf�r, dass die M�rkte in Wirklichkeit so zittrig nicht sind, mag gelten, dass die Auswertung der Volumenverteilung an der NYSE seit 8. Juni von tiefem Niveau aus „Akkumulation“ anzeigt: Der Anteil steigender Aktien nimmt im Zeitablauf wieder zu (siehe Chart!).

Es gibt weitere Indizien. Das sieht alles nicht nach Weltuntergang aus.

In der Tat kann man sich folgendes �berlegen: Geht die griechische Wahl so aus, wie sich Br�ssel das erhofft, bleiben geldpolitische Anreize zun�chst einmal aus. Das entt�uscht alle Liquidit�ts-/Drogen-Abh�ngige und k�nnte dazu f�hren, dass Kasse gemacht wird (gut m�glich auch bei Edelmetallen). Kommen hingegen die „Linken“ als st�rkste Kraft heraus, bricht m�glicherweise erst einmal panische Hysterie aus. Dann drehen die gro�en Notenbanken dieser Welt konzertiert die Geldschleusen auf, und wenn der Schrecken verdaut ist, steigen die Asset-Preise wieder.

Meiner Meinung nach geht das Fiat-Geldsystem mit der Griechenland-Wahl noch nicht unter – Betonung liegt auf „noch“. Dass Spanien in absehbarer Zeit volle Zuflucht unter den Br�sseler Rettungsschirmen suchen wird, ist wahrscheinlich. Dass Italien folgen wird, ist ebenfalls anzunehmen, insbesondere dann, wenn der Pegel von 6% Rendite f�r 10-j�hrige Bonds dauerhaft �berwunden wird (siehe Chart!).

F�r Italien reicht der ESM nicht mehr – dann folgt die n�chste Etappe der Eurokrise. Und in den USA?

Erw�hnte Charts, sowie Links zu weiteren Artikeln k�nnen hier eingesehen werden: http://www.timepatternanalysis.de/Blog/2012/06/16/griechenwahl-untergang-des -abendlandes/




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Über den Autor
 
Autor: Klaus Singer Klaus Singer,
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Klaus Singer betreibt mit "TimePatternAnalysis" ein Diagnose- und Prognosesystem, das u.a. auf dem von der mathematischen Chaostheorie formulierten Konzept der Selbstähnlichkeit beruht. Es steuert den Handel von Derivaten und ETFs. Für das übergeordnete Bild wertet er die Verläufe von Makrodaten und Intermarket-Beziehungen aus. Die Ergebnisse werden laufend auf www.timepatternanalysis.de aktualisiert

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