An diesem Wochenende steht die neue Neuwahl des griechischen Parlaments an.
Und angeblich zittern die Märkte davor, dass sich eine Mehrheit für die
sogenannten radikalen Linken (Syriza) findet und Griechenland dann aus dem
Euro ausscheidet.
Ihr Führer, Alexis Tsipras, hat etliche Male betont, dass sein Land im
Euro-Raum bleiben soll. Aber er will das Brüsseler Spardiktat neu
verhandeln. Das wollen die anderen griechischen Parteiführer auch. Und
Brüssel hat bereits Bereitschaft hierzu erkennen lassen. Dadurch erhoffen
sich die Eurokraten natürlich vor allem eine Unterstützung der bisherigen
Regierungsparteien. Zuletzt gab es sogar Signale, dass sie im Falle einer
Mehrheit von Syriza offen für Gespräche sind.
Tsipras hat kürzlich gesagt, wenn Spanien 100 Mrd. Euro ohne Bedingungen
bekommen kann, warum soll Griechenland dann nicht gleichbehandelt werden.
Das fragen sich die Iren mittlerweile auch, die Portugiesen denken es sich
bis jetzt nur. Mit ihrer schnellen Bereitschaft, Spanien unter die Arme zu
greifen, ohne harte Bedingungen zu stellen, haben die Euro-Finanzminister
Tür und Tor für Begehrlichkeiten geöffnet.
Griechenland hat seine neuen Sparverpflichtungen in den zurückliegenden
Monaten vernachlässigt. In EU-Kreisen wird jetzt befürchtet, dass der IWF
aussteigen könnte, wenn der griechische Finanzbedarf wächst. Möglicherweise,
so wird überlegt, kann man diesem Risiko dadurch begegnen, dass sich die
öffentlichen Gläubiger auf einen Schuldenschnitt verständigen. Dabei hatte
doch immer geheißen, es würden zum Länder-Bailout immer nur Garantien
gegeben, den Steuerzahler werde das alles nichts kosten.
Nachdem die Aktienbörsen in dieser Woche volatil dahingewackelt sind, haben
sie sich am Donnerstag für die Oberseite entschieden. Anlass war die
Meldung, dass größere Zentralbanken eine koordinierte Liquiditäts-Aktion
vorbereiten, falls das Ergebnis der Griechenland-Wahlen zu Tumulten in den
Finanzmärkten führen sollte.
Die Wahrscheinlichkeit für weitere Liquiditätsfluten wird sowieso steigend
gesehen, seit US-Makrodaten in Serie schwächer ausfallen als erwartet.
Insbesondere die in dieser Woche gemeldeten Preisindices PPI und CPI zeigen
Schwäche: Der PPI notiert im Jahresvergleich nur noch 0,8% höher, der CPI
1,7%. Das verschaffe der Fed Spielraum für geldpolitische Anreize, heißt es.
Und damit ist sicher kein solch halbgares Programm wie die Operation Twist
gemeint, das zum Monatsende ausläuft. Da passt es auch terminlich gut ins
Bild, dass das FOMC der Fed in der nächsten Woche tagt.
Auch wenn immer wieder gerne mit dem Finger auf die Eurozone gezeigt wird,
wenn es darum geht, Krisenherde auszumachen dadurch wird es nicht
richtiger. Denn die Verschuldung hat diesseits und jenseits des Atlantik
längst langfristig untragbare Ausmaße angenommen. Durch permanente
Liquiditätsfluten sind viele, im Kreditrating als hochwertig eingestufte
Anleihen, auch US-Treasurys, an einem Punkt angekommen, wo das Risiko zu
hoch, die Rendite aber viel zu niedrig ist. Das gilt erst recht für die
reale Betrachtung. Private Kreditgeber sind so immer weniger bereit, hier
noch zu investieren. Und so schaffen die Notenbanken mit jedem Drehen am
Liquiditätshahn nur die Voraussetzung für das nächste Mal.
Zurück zum Thema: Angeblich zittern die Märkte vor dem griechischen
Wahlsonntag. Sie zittern so sehr, dass z.B. ein ETF auf den MSCI_Greece in
den zurückliegenden acht Handelstagen um 30% gestiegen ist. Auch Euro/Dollar
zeigte sich zuletzt fest, der Dollar-Index sinkt unterhalb des wichtigen
Pegels ~82,40 (siehe Chart!). Beides weist auf zunehmende Risikobereitschaft
hin.
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Klaus Singer, TimePatternAnalysis |
Klaus Singer betreibt mit "TimePatternAnalysis" ein Diagnose- und Prognosesystem, das u.a. auf dem von der mathematischen Chaostheorie formulierten Konzept der Selbstähnlichkeit beruht. Es steuert den Handel von Derivaten und ETFs. Für das übergeordnete Bild wertet er die Verläufe von Makrodaten und Intermarket-Beziehungen aus. Die Ergebnisse werden laufend auf www.timepatternanalysis.de aktualisiert
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