Eine Bankenunion soll kommen. Wenn sie richtig konstruiert wird,
kann sie bei der nachhaltigen Stabilisierung der Kreditwirtschaft
und der Beseitigung von Wettbewerbsverzerrungen helfen. Sie löst
aber nicht die akuten Probleme der Banken und schon gar nicht ist
sie Rettung des Euro.
Ein neues "Buzzword" macht die Runde: Die Europäische
Bankenunion. Es wurde vor ein paar Wochen in die Debatte geworfen.
Die Bankenunion soll ein Baustein für die künftige Architektur in
Europa sein, gleichgewichtig neben dem Fiskalpakt, der Fiskalunion
und dem Wachstumspakt. Damit könne man, so die Hoffnung, die
Probleme der Eurokrise endlich in den Griff bekommen. Auf dem
Gipfel der Staats- und Regierungschefs nächste Woche in Brüssel
soll darüber diskutiert werden. Ist das der Stein der Weisen, der
alles richten wird?
Um die Antwort gleich vorweg zu geben: Ich glaube es nicht. Auch
wenn ich die Kritik an der Bankenunion, die in Deutschland derzeit
Wellen schlägt, nicht teile.
Grundsätzlich ist eine Bankenunion eine vernünftige Sache. Sie
bringt eine gemeinsame, von nationalen Interessen unabhängige
Aufsicht, die für gesündere Strukturen im Bankensektor sorgt. Vor
allem soll sie Missstände, wie wir sie erst in Irland und jetzt in
Spanien erlebt haben, rechtzeitig erkennen und so – hoffentlich –
verhindern. Sie enthält eine gemeinsame Einlagensicherung, die für
das Vertrauen der Menschen in ihre Bankguthaben sorgen soll.
Verhältnisse wie jetzt in Griechenland, wo die Konten abgeräumt
werden, sollen nicht mehr vorkommen. Schließlich beinhaltet sie
einen gemeinsamen Fonds und einen Mechanismus für eine geordnete
Abwicklung von Banken, die doch in Schwierigkeiten kommen. Damit
soll ein Desaster wie bei der Lehman-Pleite verhindert werden.
Insgesamt ist das die Übertragung des Binnenmarktes auf den
Finanzsektor. Dagegen kann niemand etwas haben.
Freilich muss man es richtig machen. Es darf nicht zu einer neuen
teuren Umverteilungsaktion in Europa werden. Eine gemeinsame
Einlagensicherung und ein Abwicklungsfonds für in Schwierigkeiten
geratene Institute, kosten viel Geld. Allein für den
Abwicklungsfonds muss man ein Volumen von wenigstens 500 Milliarden
Euro veranschlagen. Das kann man nicht noch dem Steuerzahler oder
Sparer aufbürden. Selbst wenn man sich auf eine neue
Finanztransaktionssteuer einigen könnte und diese zur Finanzierung
heranzöge, würden die Einnahmen daraus bei weitem nicht ausreichen.
Zu denken ist allenfalls daran, die bisherigen nationalen Töpfe im
Notfall miteinander zu verbinden, so dass sie sich gegenseitig
aushelfen. Aber auch dann kann es sein, dass die Staaten mit
Zuschüssen eintreten müssen. Die Bundesbank ist daher der Meinung,
dass eine Bankenunion nur zusammen mit einer Fiskalunion kommen
kann. All das kann man den Sparern freilich nur vermitteln, wenn es
eine gemeinsame europäische, von allen akzeptierte Bankenaufsicht
gibt.
Ich halte daher nichts davon, diese Aufgaben der bisherigen
European Banking Authority (EBA) in London zu übertragen. Sie hat
sich bei den Stresstests für die Banken im vorigen Jahr nicht mit
Ruhm bekleckert. Ihre Kritik an den spanischen Banken (ein Jahr vor
der Krise) lief ins Leere. Zudem ist sie für die gesamte EU
zuständig und nicht nur für den Euroraum. Wir brauchen aber eine
Institution nur für die Euroländer. Besser wäre es, die Aufsicht bei
der EZB anzusiedeln. Sie ist als seriöse, der Stabilität
verpflichtete Institution anerkannt und genießt Vertrauen. Auch in
Deutschland liegt die Bankenaufsicht zum Teil bei der Bundesbank.
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