DAX stolpert, liegt aber noch nicht am Boden



11:27 22.06.12

Liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich bin ich ja davon ausgegangen, dass die Verlängerung der Operation „Twist“ durch die US-Notenbank FED keine besonderen Auswirkungen auf die Märkte haben werde, da es keine echten Überraschungen gab. Der gestrige sehr schwache Handelsverlauf hat aber gezeigt, dass offenbar doch viel mehr Handelsteilnehmer als von mir erwartet mit einem erneuten Gelddruckprogramm „QE“ gerechnet haben. Möglicherweise nutzten aber auch Hedgefonds ganz einfach die Kurserholung der vergangenen Tage um ihre Verkaufspositionen zu erhöhen, da sich die konjunkturelle Lage nach wie vor eintrübt. Eine Ausnahme sind hier die gestern veröffentlichten sehr wichtigen und positiven Frühindikatoren der US-Wirtschaft.

Vor allem die seit etwa zwei Wochen wieder festeren Rohstoffe und Edelmetalle als Hauptprofiteure einer laxen Geldpolitik kamen gestern im Einklang mit dem Euro mächtig unter die Räder. Der Abverkauf der mit Aktien hoch korrelierten Anlageklassen war so dynamisch, dass vielen Investoren bereits wieder der Angstschweiß auf die Stirn steht. Trotz aller Sorgen gehe ich aber davon aus, dass wir heftige Gewinnmitnahmen sehen, die die schwachen Hände aus dem Markt treiben, bevor sich dann die Aufwärtsbewegung noch eine Weile fortsetzt. Denn trotz aller konjunkturellen Probleme und der endlosen Eurokrise gibt es nach wie vor positive Impulse vom inneren Markt, was natürlich angesichts der Masse an ungelösten Problemen verwundert.

Die Probleme bleiben, aber die Leitindizes erholen sich

Wie oben angedeutet, hat sich die konjunkturelle Lage in den vergangenen Tagen verschlechtert, während sich die wichtigsten Indizes deutlich von ihren Tiefs lösen konnten. Z.B. regieren diejenigen Parteien bald wieder in Griechenland, die in Jahrzehnten den Karren an die Wand gefahren und sich erst vor wenigen Wochen dazu verpflichtet haben, die Forderungen von EU und IWF auch nach den Wahlen einzuhalten. Aber dennoch, und zur großen Überraschung der Kommentatoren, hat sich die Verfassung der Märkte deutlich verbessert.

 

 

Hier sehen Sie den Chart des gleichgewichteten S & P 500 Index. Sehr deutlich zeigt der P & F Chart die Bärenfalle Anfang Juni und die Dynamik des Marktes, mit der das Kurstief abgelehnt wurde. Nach einigem Zögern schoben die Bullen den Index sogar über den Widerstand bei 1.980 Punkten, wo die leicht steigende 200-Tage-Linie als Bremsklotz wirkte. Ebenfalls wurde der Widerstand der negativen fallenden Begrenzungslinie geknackt - vorrübergehend. Dieses Kaufsignal könnte sich nun aber zum Fehlsignal entwickeln, da der Preis wieder unter diese Marke gefallen ist. Nun kommt es darauf an, dass die Bullen  die wichtige Unterstützung bei 1.930 verteidigen können. Neben der horizontalen Unterstützung wirkt hier auch die positive Trendgerade und arbeitet für das Bullenlager. Trotz der positiven Ansätze im Chart würde ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und abwarten, in welche Trendrichtung sich das beschriebene Dreieck auflöst. Aktuell sollte man akzeptieren, dass sich das Chance-Risiko-Verhältnis gestern deutlich eingetrübt hat. Trotzdem halte ich eine deutliche Kurserholung bis in die Umgebung der Hochs von Ende April für realistisch. Falls Sie sich für die Signale des inneren Marktes und die Technik der P & F Charts interessieren, beachten Sie bitte auch meinen kostenlosen Newsletter.

Gold verdeutlicht den Stimmungsumschwung

 

Mindestens seit der überraschenden Ankündigung der FED im Sommer 2010  ein erneutes „QE“ durchzuführen, wird der Goldpreis von der Erwartung an Liquidität, Geldmenge und Inflation getrieben. Kein Wunder also, dass der Preis des Goldes sehr empfindlich auf die Zurückhaltung der FED reagierte. Die Unsicherheit der Goldanleger erkennen Sie gut im folgenden Chart, der den Preis aus einer anderen Perspektive zeigt: dem international volumenstärksten Gold-ETF.

 

Deutlich erkennen Sie den jahrelangen Aufwärtstrend, der im Herbst 2011 beschädigt wurde. Seit einigen Wochen versuchen die Bullen verzweifelt, eine neue unterstützende Trendgerade zu etablieren. Trotz der Kursschwäche im April und Mai gilt das übergeordnete Kaufsignal vom vergangenen November (Buchstabe B), da sich jüngst kein neues Tief mehr bildete und die beiden negativen 0-Spalten auf gleichem Niveau bei 150  endeten. Nun kommt es also darauf an, die genannte Unterstützung bei 150 zu verteidigen. Fällt der Kurs darunter, würde sich ein erneuter mittelfristiger Abwärtstrend ergeben und das nach wie vor sehr positive Kursziel von 224 wäre obsolet.

 

Die Marktinterna verschlechtern sich leicht

Nach der deutlichen Erholung der vergangenen Handelstage musste der wichtigste Risikoindikator des inneren Marktes, der 50-Tage-Indikator, gestern wieder eine deutliche Schlappe einstecken. Um fast 30 % verringerte sich die Anzahl der Aktien an der NYSE, die oberhalb ihrer wichtigen gleitenden 50-Tage-Linie handeln. Dieser Durchschnitt stellt eine bedeutende Unterstützung dar, da 50 Handelstage einen wichtigen Haupttrend darstellen, gegen den viele Investoren niemals handeln.  Mit einem Blick erkennen Sie also, wie sich die Anzahl der Titel verändert, die nach oben oder nach unten schwimmen. 

 

 



Der Indikator ist im Frühling tief in die überverkaufte Zone eingedrungen und hat wie gewöhnlich in der Umgebung von 15 % einen Boden gebildet. Von diesem Niveau aus erhöhte sich die Zahl der Titel, die ihre wichtige 50-Tage-Linie zurückerobern, auf 45 %. Der gestrige schwache Tag hat die positive Entwicklung abrupt gestoppt und den Indikator auf 33 gedrückt, also in die unmittelbare Umgebung der unteren Wendezone. Nach wie vor ist der Markt also leicht überverkauft, bleibt aber im Stabilisierungsmodus.

Aber Vorsicht: der wichtigste und übergeordnete Risiko-Indikator, der NYSE Bullish Percent, steht weiterhin auf „Rot“ in einer 0-Spalte bei 50 %. Dies bedeutet, dass der Kapitalzustrom in Aktien noch zögerlich ist und erst relativ wenige US-Aktien frische Kaufsignale der P & F Technik gebildet haben. 

 

Erst oberhalb von 52 % gäbe es diesbezüglich eine erste Entwarnung, da sich dann eine neue X-Spalte bilden würde (Drei Kästchen Umkehrchart). Erst dann kann von einem signifikanten Kapitalzustrom gesprochen werden. Noch wird also der Markt übergeordnet von der Angebots- und nicht von der Nachfrageseite bestimmt.

Fazit: die aktuelle 0-Spalte zeigt Ihnen, dass übergeordnet die Bären am Drücker bleiben und noch keine Entwarnung gegeben werden darf. Strategische Käufe sind nach wie vor mit erhöhten Risiken verbunden und Erholungen verlaufen vorerst gegen den herrschenden Trend.

DAX scheitert an wichtigen Marken

 

Deutlich scheiterte der DAX gestern in der Umgebung seiner 50-Tage-Linie bei etwa 6.400 Punkten. Nun kommt es für die Bullen darauf an, die noch wichtigere 200-Tage-Linie bei 6.250 zu verteidigen. Diese wichtige gleitende Durchschnittslinie steigt aktuell wieder leicht an, was auf einen freundlichen Markt deutet, und wurde sogar vom DAX von unten nach oben überkreuzt.

 

Sehr gut zeigt der P & F Chart das Dilemma des DAX und die Bedeutung der Widerstände, an denen er gestern gescheitert ist. Hier lauern mehrfache horizontale Tretminen und außerdem der Widerstand der fallenden Trendlinie.

Sollte der Markt heute unterhalb von 6.250 schließen, würde sich eine neue negative 0-Spalte bilden und der Durchbruch an der Trendgerade wäre eine Bullenfalle gewesen. Wegen der nach wie vor positiven Markttechnik in Form des MACD (hier nicht erkenntlich) halte ich eine positive Überraschung nach wie vor für möglich.

Falls Sie sich für die Signale des inneren Marktes und die Technik der P & F Charts interessieren, beachten Sie bitte auch meinen kostenlosen Newsletter.

Nun aber wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende und natürlich spannende Fußballspiele. Gerne auch mit den gewünschten Ergebnissen.

Mit herzlichen Grüßen aus dem Rheinland

Ihr Klaus Buhl

 

Libra Invest GmbH

www.libra-invest.de

klaus.buhl@libra-invest.de

 

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Über den Autor
 
Autor: Klaus Buhl Klaus Buhl,
Libra Invest GmbH

Klaus Buhl verfügt über mehr als 15 Jahre praktische Erfahrung in der Investmentbranche u.a. als Analyst, Fondsmanager, Händler und Kommentator. Diese Erfahrung setzt er für seine Kunden in speziellen und unkorrelierten Depots um. Darüber hinaus betreibt er das Portal www.libra-invest.de, das Ihnen praktische Tipps gegen Manipulationsversuche der Finanzindustrie gibt und Ihnen durch einen alternativen Investment-Ansatz eine völlig neue Perspektive auf die Märkte bietet. Die Investment-Philosophie von Klaus Buhl fokussiert sich auf die Identifizierung von Risikophasen, sowie auf marktneutrale und Absolut-Return-Konzepte. Vor allem aktive Trader und nicht nur "normale Anleger" sollten nämlich stets Ihr verdientes Kapital in trockene Tücher bringen. Erfahren Sie mehr unter www.libra-invest.de!

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