Großbritannien-Anleihen: Trotz Top-Rating uninteressant



11:51 23.06.12

Nach Meinung des Analysten von Anleihencheck Research, Sven Krupp, ist die Anleihe (ISIN GB0030880693/ WKN 748136) des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland auch für sehr sicherheitsorientierte Anleger eher uninteressant.

Die Staatsanleihe, emittiert vom Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland, sei mit einem Kupon von 5,00% ausgestattet, laufe noch bis zum 07.03.2025 und weise eine anlegerfreundliche Stückelung von 0,01 auf. Bei einem aktuellen Kurs von 133,15% biete das Papier eine jährliche Rendite von 2,01%. Sowohl die Anleihe als auch der Emittent seien von der Ratingagentur Moody's mit der Bestnote von "Aaa" bewertet. Damit bestehe nach Einschätzung von Moody's bezüglich der Verbindlichkeiten des Emittenten nur ein minimales Kreditrisiko.

Die Märkte seien zuletzt wieder von mehr Unsicherheit geprägt gewesen. Auch wenn das Wahlergebnis in Griechenland pro-europäisch gewesen sei, kehre schnell wieder Ernüchterung an den Märkten ein. Die Probleme in Spanien und Italien und wohl weitere Zugeständnisse der EU gegenüber Griechenland würden weiterhin das Marktgeschehen dominieren. Die Euro-Schuldenkrise dürfte den Finanzmärkten damit einen "heißen" Sommer bescheren.

Vor diesem Hintergrund sei es ratsam, bei Staatsanleihen auf Schuldner mit Top-Bonitäten zu setzen. Großbritannien zähle grundsätzlich zu den bonitätsstarken Ländern in Europa, obwohl die Wirtschaftsentwicklung zuletzt sehr schwach gewesen sei. Während der Finanzkrise sei es in UK zu einem BIP-Rückgang um 4,9% gekommen. Nach einem Wachstum von 2,1% in 2010, sei die britische Wirtschaft in 2011 nur noch um 0,9% gewachsen und die Prognosen für 2012 lägen bei +0,7%. Jedoch sei die britische Wirtschaft im ersten Quartal 2012 um 0,2% geschrumpft und sei somit das erste Mal seit 1970 wieder in eine Double-Dip-Rezession gefallen.

Die britische Regierung habe zwar das Haushaltsdefizit gesenkt, es dürfte aber in diesem Jahr mit etwa 8% des BIP immer noch über den Maastrichtkriterien von 3% liegen. Auch die Staatsverschuldung dürfte in den kommenden Jahren weiter ansteigen auf vermutlich über 90% des BIP. Daher überrasche es nicht, dass die Bank of England den Leitzins bereits seit Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau halte. Erst Anfang Juni sei das Leitzinsniveau von 0,5% bestätigt worden. Zudem seien auf der letzten Sitzung der Notenbank die Stimmen für eine weitere Lockerung der Fiskalpolitik lauter geworden. Eine weitere Ausweitung des Ankaufprogramms von Staatsanleihen scheine somit sehr wahrscheinlich.

Die Ratingagentur Moody's habe vor einigen Monaten damit gedroht, Großbritannien zurückstufen und den Ausblick auf negativ gesenkt. Bisher habe das Land aber sein Top-Rating behalten. Doch vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Euro-Schuldenkrise und den ungewissen Auswirkungen auf die weitere globale Wirtschaftsentwicklung, halten die Analysten von Anleihencheck Research das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland derzeit für einen eher unattraktiven Schuldner, trotz eines Top-Ratings.

Die Anleger würden bei britischen Staatsanleihen aufgrund der nach wie vor hohen Inflation und der niedrigen - oder zum Teil sogar negativen - Realzinsen nach Ablauf der Laufzeit weniger Geld erhalten als sie dem Königreich anfänglich geliehen hätten. Das zeige zwar, dass Großbritannien von den Investoren noch immer als vermeintlich sicherer Hafen angesehen werde, dadurch würden UK-Anleihen aber nicht interessanter.



Die Rendite der o.a. Währungsanleihe vom Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland liege nur etwa 0,3 Prozentpunkte über der von vergleichbaren Bundesanleihen. Jedoch müssten Anleger bei der UK-Anleihe noch ein Währungsrisiko sowie eine wesentlich wirtschaftlich instabilere Lage in Kauf nehmen. Lediglich der Kupon mit 5,00% sei reizvoll. (Analyse vom 22.06.2012)


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Über den Autor
 
Autor: Sven Krupp Sven Krupp
Sven Krupp ist als Analyst und Wirtschaftsredakteur für das Anleger- und Finanzportal www.aktiencheck.de tätig. Regelmäßig verfasst er Analysen zu den Themen "Aktien", "Anleihen" und "Fonds". Der Börsenexperte verfügt inzwischen über eine Markterfahrung von zwei Jahrzehnten und stellt nun sein Wissen auch stock-world zur Verfügung.

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