Nach Meinung des Analysten von Anleihencheck Research, Sven Krupp,
ist die Anleihe (ISIN GB0030880693/ WKN 748136) des Vereinigten
Königreichs von Großbritannien und Nordirland auch für sehr
sicherheitsorientierte Anleger eher uninteressant.
Die Staatsanleihe, emittiert vom Vereinigten Königreichs von
Großbritannien und Nordirland, sei mit einem Kupon von 5,00%
ausgestattet, laufe noch bis zum 07.03.2025 und weise eine
anlegerfreundliche Stückelung von 0,01 auf. Bei einem aktuellen Kurs
von 133,15% biete das Papier eine jährliche Rendite von 2,01%.
Sowohl die Anleihe als auch der Emittent seien von der Ratingagentur
Moody's mit der Bestnote von "Aaa" bewertet. Damit bestehe nach
Einschätzung von Moody's bezüglich der Verbindlichkeiten des
Emittenten nur ein minimales Kreditrisiko.
Die Märkte seien zuletzt wieder von mehr Unsicherheit geprägt
gewesen. Auch wenn das Wahlergebnis in Griechenland pro-europäisch
gewesen sei, kehre schnell wieder Ernüchterung an den Märkten ein.
Die Probleme in Spanien und Italien und wohl weitere Zugeständnisse
der EU gegenüber Griechenland würden weiterhin das Marktgeschehen
dominieren. Die Euro-Schuldenkrise dürfte den Finanzmärkten damit
einen "heißen" Sommer bescheren.
Vor diesem Hintergrund sei es ratsam, bei Staatsanleihen auf
Schuldner mit Top-Bonitäten zu setzen. Großbritannien zähle
grundsätzlich zu den bonitätsstarken Ländern in Europa, obwohl die
Wirtschaftsentwicklung zuletzt sehr schwach gewesen sei. Während der
Finanzkrise sei es in UK zu einem BIP-Rückgang um 4,9% gekommen.
Nach einem Wachstum von 2,1% in 2010, sei die britische Wirtschaft
in 2011 nur noch um 0,9% gewachsen und die Prognosen für 2012 lägen
bei +0,7%. Jedoch sei die britische Wirtschaft im ersten Quartal
2012 um 0,2% geschrumpft und sei somit das erste Mal seit 1970
wieder in eine Double-Dip-Rezession gefallen.
Die britische Regierung habe zwar das Haushaltsdefizit gesenkt, es
dürfte aber in diesem Jahr mit etwa 8% des BIP immer noch über den
Maastrichtkriterien von 3% liegen. Auch die Staatsverschuldung
dürfte in den kommenden Jahren weiter ansteigen auf vermutlich über
90% des BIP. Daher überrasche es nicht, dass die Bank of England den
Leitzins bereits seit Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau halte.
Erst Anfang Juni sei das Leitzinsniveau von 0,5% bestätigt worden.
Zudem seien auf der letzten Sitzung der Notenbank die Stimmen für
eine weitere Lockerung der Fiskalpolitik lauter geworden. Eine
weitere Ausweitung des Ankaufprogramms von Staatsanleihen scheine
somit sehr wahrscheinlich.
Die Ratingagentur Moody's habe vor einigen Monaten damit gedroht,
Großbritannien zurückstufen und den Ausblick auf negativ gesenkt.
Bisher habe das Land aber sein Top-Rating behalten. Doch vor dem
Hintergrund der sich zuspitzenden Euro-Schuldenkrise und den
ungewissen Auswirkungen auf die weitere globale
Wirtschaftsentwicklung, halten die Analysten von Anleihencheck
Research das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland
derzeit für einen eher unattraktiven Schuldner, trotz eines
Top-Ratings.
Die Anleger würden bei britischen Staatsanleihen aufgrund der nach
wie vor hohen Inflation und der niedrigen - oder zum Teil sogar
negativen - Realzinsen nach Ablauf der Laufzeit weniger Geld
erhalten als sie dem Königreich anfänglich geliehen hätten. Das
zeige zwar, dass Großbritannien von den Investoren noch immer als
vermeintlich sicherer Hafen angesehen werde, dadurch würden
UK-Anleihen aber nicht interessanter.
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Sven Krupp |
Sven Krupp ist als Analyst und Wirtschaftsredakteur für das Anleger- und Finanzportal www.aktiencheck.de tätig. Regelmäßig verfasst er Analysen zu den Themen "Aktien", "Anleihen" und "Fonds". Der Börsenexperte verfügt inzwischen über eine Markterfahrung von zwei Jahrzehnten und stellt nun sein Wissen auch stock-world zur Verfügung.
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