Die Euro 2012 ist mit dem Finale gestern zu Ende gegangen, jetzt
geht es um den Euro 2012 und damit um die Zukunft der
Gemeinschaftswährung und die Kursentwicklung im zweiten Halbjahr.
Der Anfang wurde schon Ende vergangener Woche gemacht. Das
Einknicken Angela Merkels auf dem EU-Gipfel honorierten die
Finanzmärkte mit einer so schon lange nicht mehr gesehenen
Kursrallye. Der Euro gewann in der Spitze fast drei Cent gegenüber
dem US-Dollar und verfehlte die Marke von 1,27 EUR/USD nur knapp.
Der DAX probiert es heute morgen mit der Marke von 6.500 Punkten und
viele fragen sich nun, ob dies nur ein Strohfeuer oder gar die
Trendwende an den Märkten darstellt und es jetzt weiter nach oben
geht. Eine Antwort darauf könnte es schon diese Woche geben, denn
mit den Sitzungen von gleich drei Notenbanken dürfte für ziemlich
viel Bewegung an den Devisen- und Aktienmärkten gesorgt sein.
Die Erwartungen an die Treffen der Bank of England (BoE) und der
Europäischen Zentralbank (EZB) und der damit verbundene Druck auf
die Notenbanker sind diesmal so hoch wie der auf die
Fußball-Mannschaften gestern Abend im Finale. (Das Treffen der
Reserve Bank of Australia (RBA) sei an dieser Stelle etwas
vernachlässigt.) Und da hat zumindest das spanische Team überzeugt
und alle Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern mit einem klaren 4:0
Sieg gegen Italien gar noch übertroffen. Die Erwartungen übertreffen
könnten auch die Währungshüter der BoE. 39 der 41 von Bloomberg News
befragten Volkswirte erwarten eine Ausweitung des
Anleihekaufprogramms von derzeit 325 Milliarden Pfund (rund 400
Milliarden Euro). Auf ihrer letzten Sitzung im Juni stimmten schon
vier der neun Ratsmitglieder für diese Maßnahme. Im Mai ist die
Inflation im Vereinten Königreich erstmals seit drei Jahren wieder
unter drei Prozent gefallen, damit ist der Spielraum für weitere
Schritte durchaus gegeben. Die Frage wird nur sein: Folgen weitere
25 oder gar 50 Milliarden Pfund? 25 Mrd. als Minimum sind die
Pflicht, alles andere wäre mehr als eine Enttäuschung. 50 Mrd.
könnten die Erwartungen einiger Marktteilnehmer übertreffen und sich
dann verstärkt negativ auf das Britische Pfund auswirken. Am
Donnerstag um 13 Uhr sind wir schlauer.
Nur 45 Minuten später wird die EZB das Ergebnis ihrer Sitzung
bekannt geben. Die EZB ist für mich der Kandidat mit dem größten
Überraschungspotenzial. Auch hier sind die Erwartungen sehr hoch,
aber bisher waren die Frankfurter nicht unbedingt dafür bekannt, das
zu tun, was der Markt von ihnen erwartet. Vor diesem Treffen
allerdings bereiteten mit dem EZB-Chefvolkswirten Praet und
Direktoriumsmitglied Coeuré schon zwei Prominente den Weg für eine
Senkung des Leitzinses unter die Marke von einem Prozent. Dies wäre
ein Novum für den Euroraum, seit Einführung des Euro 1999 hat der
Zins nie darunter gelegen. Schon bei der Sitzung im Juni hatte
EZB-Präsident Draghi eine Zinssenkung für den Fall sich weiter
verschlechternden Rahmenbedingungen in Aussicht gestellt. Und dieser
ist eingetreten. Die Indikatoren für die Stimmung sowohl im
verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor sind unter
die Marke von 50 Punkten gefallen. Das Risiko, das die Eurozone im
zweiten Halbjahr in die Rezession rutscht, ist größer geworden.
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Torsten Gellert, Managing Director von FXCM Deutschland |
FXCM Deutschland ist ein Tochterunternehmen des 1999 gegründeten Forex-Brokers Forex Capital Markets (FXCM). Der weltweit aktive Broker ist auf private sowie institutionelle Märkte ausgerichtet. Auf der FXCM-Plattform können Trader mit Forex- und mit CFD-Produkten (Rohöl, Gold, Silber und Aktienindizes) handeln. Monatlich werden derzeit mehr als 365 Mrd. USD auf FXCM-Plattformen umgesetzt. FXCM ist damit einer der größten Broker im Retail-Devisenhandel. www.fxcm.de
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