Die Woche der Notenbanken - Werden die Schleusen weiter geöffnet?



15:04 02.07.12

Die Euro 2012 ist mit dem Finale gestern zu Ende gegangen, jetzt geht es um den Euro 2012 und damit um die Zukunft der Gemeinschaftsw�hrung und die Kursentwicklung im zweiten Halbjahr. Der Anfang wurde schon Ende vergangener Woche gemacht. Das Einknicken Angela Merkels auf dem EU-Gipfel honorierten die Finanzm�rkte mit einer so schon lange nicht mehr gesehenen Kursrallye. Der Euro gewann in der Spitze fast drei Cent gegen�ber dem US-Dollar und verfehlte die Marke von 1,27 EUR/USD nur knapp. Der DAX probiert es heute morgen mit der Marke von 6.500 Punkten und viele fragen sich nun, ob dies nur ein Strohfeuer oder gar die Trendwende an den M�rkten darstellt und es jetzt weiter nach oben geht. Eine Antwort darauf k�nnte es schon diese Woche geben, denn mit den Sitzungen von gleich drei Notenbanken d�rfte f�r ziemlich viel Bewegung an den Devisen- und Aktienm�rkten gesorgt sein.

Die Erwartungen an die Treffen der Bank of England (BoE) und der Europ�ischen Zentralbank (EZB) und der damit verbundene Druck auf die Notenbanker sind diesmal so hoch wie der auf die Fu�ball-Mannschaften gestern Abend im Finale. (Das Treffen der Reserve Bank of Australia (RBA) sei an dieser Stelle etwas vernachl�ssigt.) Und da hat zumindest das spanische Team �berzeugt und alle Erwartungen nicht nur erf�llt, sondern mit einem klaren 4:0 Sieg gegen Italien gar noch �bertroffen. Die Erwartungen �bertreffen k�nnten auch die W�hrungsh�ter der BoE. 39 der 41 von Bloomberg News befragten Volkswirte erwarten eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms von derzeit 325 Milliarden Pfund (rund 400 Milliarden Euro). Auf ihrer letzten Sitzung im Juni stimmten schon vier der neun Ratsmitglieder f�r diese Ma�nahme. Im Mai ist die Inflation im Vereinten K�nigreich erstmals seit drei Jahren wieder unter drei Prozent gefallen, damit ist der Spielraum f�r weitere Schritte durchaus gegeben. Die Frage wird nur sein: Folgen weitere 25 oder gar 50 Milliarden Pfund? 25 Mrd. als Minimum sind die Pflicht, alles andere w�re mehr als eine Entt�uschung. 50 Mrd. k�nnten die Erwartungen einiger Marktteilnehmer �bertreffen und sich dann verst�rkt negativ auf das Britische Pfund auswirken. Am Donnerstag um 13 Uhr sind wir schlauer.

Nur 45 Minuten sp�ter wird die EZB das Ergebnis ihrer Sitzung bekannt geben. Die EZB ist f�r mich der Kandidat mit dem gr��ten �berraschungspotenzial. Auch hier sind die Erwartungen sehr hoch, aber bisher waren die Frankfurter nicht unbedingt daf�r bekannt, das zu tun, was der Markt von ihnen erwartet. Vor diesem Treffen allerdings bereiteten mit dem EZB-Chefvolkswirten Praet und Direktoriumsmitglied Coeur� schon zwei Prominente den Weg f�r eine Senkung des Leitzinses unter die Marke von einem Prozent. Dies w�re ein Novum f�r den Euroraum, seit Einf�hrung des Euro 1999 hat der Zins nie darunter gelegen. Schon bei der Sitzung im Juni hatte EZB-Pr�sident Draghi eine Zinssenkung f�r den Fall sich weiter verschlechternden Rahmenbedingungen in Aussicht gestellt. Und dieser ist eingetreten. Die Indikatoren f�r die Stimmung sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor sind unter die Marke von 50 Punkten gefallen. Das Risiko, das die Eurozone im zweiten Halbjahr in die Rezession rutscht, ist gr��er geworden.



Von der Inflationsseite kommt nur leichter Gegenwind, im Juni lag diese nach ersten Sch�tzungen von Eurostat bei 2,4 Prozent. Allerdings befindet sich die EZB in einem Dilemma. W�hrend im Norden Europas das billige Geld noch in der Wirtschaft ankommt, funktioniert der Weg in den s�dlichen L�ndern wie Spanien, Portugal und Griechenland schon lange nicht mehr. Deshalb bin ich skeptisch, ob eine Zinssenkung das richtige Mittel gegen die Krise ist. Es w�re zumindest ein Signal und w�rde nerv�se Finanzm�rkte wieder beruhigen. Allerdings hat sich die Situation seit dem EU-Gipfel ja schon etwas beruhigt und die Kreditzinsen f�r Spanien und Italien sind wieder leicht gefallen. Vielleicht spricht gerade das daf�r, dass die EZB ihr Pulver noch einmal trocken h�lt. Eine Senkung auf sogar 0,5 Prozent, wie von einigen erwartet, w�re f�r mich eine ganz klare �berraschung und sollte Druck auf den Euro aus�ben.

Das m�gliche Potenzial f�r Entt�uschungen und eine damit wieder abnehmende Risikoneigung auf der einen Seite, andererseits die Folgen einer zu starken Lockerung der Geldpolitik f�r die entsprechende W�hrung best�tigen mich in meiner grunds�tzlichen Einstellung dem Euro und Britischen Pfund gegen�ber. Der Euro sollte sich gegen�ber dem Dollar wieder in Richtung 1,24 EUR/USD aufmachen. Gegen�ber dem Pfund allerdings rechne ich mit einer weiteren Entfernung von der 0,80 EUR/GBP-Marke, mittel- bis langfristig dann bis 0,85 EUR/GBP.

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Über den Autor
 
Autor: Jens Klatt Jens Klatt,
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