EUR/AUD: Super-Mario senkt und lenkt



13:22 06.07.12

Rückgerechnet steht der Australische Dollar (AUD) zur
Gemeinschaftswährung zwar noch nicht auf dem Rekordstand von 1985,
jedoch verliert der Euro gegenüber dem Australischen Dollar weiterhin
kräftig an Wert. Mittlerweile steht man schon auf dem Niveau von 1986
mit Tiefkursen am Donnerstag von EUR/AUD 1,2017. Mit gewaltigen
Schritten hat sich der Australische Dollar (AUD) somit in den letzten
Jahren zum Euro in seinem Wert beinahe verdoppelt. Die Eurokrise spielte
da eine besonders hohe Rolle. Der hohe Goldpreis und auch anderweitige
durchwachsene bis teils teure Rohstoffpreise gaben dem Australischen
Dollar (AUD) zusätzlichen Schub.

Zinsspread weiter hoch
Die Zinsschere zwischen den beiden Währungen Euro (EUR) und
Australischem Dollar (AUD) war schon immer recht hoch. Derzeit ist sie
nach dem heutigen Zinsschritt von "Super-Mario" (EZB-Präsident Mario
Draghi) wieder einmal weiter auseinander gegangen. Mit 275 Basispunkten
Differenz ist es eben "nett" im Australischen Dollar (AUD) investiert zu
sein und nicht im Euro (EUR), der ja weiter medial Schlagzeilen macht
und in der Krise dahin vegetiert.

RBA senkt den Leitzins nicht
Die RBA (Reserve Bank of Australia) hat in ihrer Sitzung vom 03.07.2012
den Leitzins auf einem Wert von 3,50 Prozent unverändert beibehalten.
Die Notenbank Australiens begründete ihren Schritt mit dem weltweiten
Wachstum im ersten Quartal in 2012, der leichten Abkühlung im zweiten
Halbjahr in 2011 und den Entwicklungen im kriselnden Europa und der sich
abschwächenden chinesischen Volkswirtschaft. Eigentlich nicht unbedingt
eine ganz klare Begründung für die Beibehaltung des Leitzinses auf
diesem Niveau. Wahrscheinlich hätte es genügt, wenn die Herren gemeldet
hätten, die RBA wolle die Entwicklungen vorerst noch einmal beobachten,
bevor sie schnell den Leitzins weiter absenken. Die gängigen
volkswirtschaftlichen Indikatoren weisen derzeit auf eine weitere
Abkühlung der europäischen Wirtschaft hin. Auch in China fährt man
bereits leicht im Rückwärtsgang - die Wachstumsraten sind zwar gegenüber
denen in Europa immer noch relativ hoch, waren jedoch schon deutlich
besser. Die restlichen Regionen Asiens erholen sich von den
Naturkapriolen (besonders Japans Wirtschaft war durch den Tsunami und
die Kernreaktorkatastrophe schwer beeinträchtigt) - schwächt sich das
globale Wirtschaftswachstum nun aber wieder sichtlich ab, so sind diese
Volkswirtschaften in ihrer Erholungsbewegung zusätzlich betroffen und
fallen erneut zurück. Dies alles hat natürlich Auswirkungen auf den
asiatisch-pazifischen Raum und somit auch auf Australien und seine
Volkswirtschaft. Demnach letztendlich hat es die Auswirkung auf den
Australischen Dolar als Anlagewährung und besonders als
"Carry-Trade-Währung". Das Zinsgefälle vor allem vom Japanischen Yen
(JPY) mit einem Leitzins von 0,10 Prozent hin zum Australischen Dollar
(AUD) mit seinen 3,50 Prozent bleibt wohl weiterhin gewaltig.

Europa bleibt das Risiko
Zwar ist die Inflation durch gefallene Rohstoffpreise der letzten zwei
Quartale wieder im Griff zu halten, doch der allgemeine Zustand der
globalen Finanzmärkte wird durch die Entwicklungen in Sachen Eurokrise
und den damit auftretenden Turbulenzen in Europa aus australischer Sicht
doch eher kritisch beäugt. Diese europäische Krise hat schließlich
schnell mit mehreren Schocks starke Auswirkungen auf die Wirtschaft
Australiens und den gesamten asiatisch-pazifischen Raum. Die
Aktienmärkte waren in den letzten Monaten besonders hoher Volatilität
ausgesetzt und auch die Anleihemärkte beobachtet man auch seitens der
RBA mit Sorge. Gemäß den Analysen der Notenbank Australiens wuchs die
Wirtschaft im ersten Halbjahr 2012 besser als zunächst erwartet und auch
der australische Arbeitsmarkt bleibt weitestgehend stabil. Die
Arbeitslosenrate (Australian Bureau of Statistics) verbleibt auch auf
erfreulich niedrigem Niveau bei 5,1 Prozent (Mai 2012). Die RBA sieht
sich im Kampf mit der Inflation sicher aufgestellt - sie rechnet in den
kommenden zwölf mit 24 Monaten nicht mit einer ausufernden
Inflationsrate. Doch dazu braucht es konsequent Wachstum - knickt man
nun ein, ist es das mit der Prognose gewesen. Im Kreditwesen haben die
sinkenden Zinsen bei der Kreditaufnahme zu erhöhten Kreditvolumina
beigetragen - es ist günstiger geworden sich zu verschulden. Billiges
Geld in aller Welt - nun bald auch in Australien? Wahrscheinlich eher
nicht.

Aussie-Wechselkurse bleiben hoch
Im Vergleich zum US-Dollar (USD) pendelt der Wechselkurs immer noch auf
recht hohem Niveau. Auf Tagesbasis (Donnerstag, 05.07.2012) notiert man
bei AUD/USD 1,0327 im Hoch. Das ist zwar bereits sehr weit weg von den
Hochs des Jahres 2011, aber immer noch recht ansehnlich. Der Wechselkurs
im wichtigsten Währungspaar AUD/USD lag kurzfristig wieder unterhalb der
Parität (Mai/Juni 2012). Doch der Wechsel zu "risk on" schob den
"Aussie" (AUD/USD) schnell wieder über die Parität und über die
1,0245er-Widerstände gen Norden. Beim Währungspaar EUR/AUD sieht die
Sache besonders durch die Euro-Krise hart aus. Fällt hier bei EUR/AUD
die 1,20 noch oder schiebt sich wieder einmal eine oder mehrere
Institutionen in die Kursentwicklung dazwischen? Das Währungspaar
EUR/AUD erscheint zumindest sehr deutlich abverkauft. Hier ist ein
"snap-back/Reversal" nur noch eine Frage der Zeit und leider auch für
jeden Devisenspekulanten eine Frage des Timings. Auf Tagesbasis
(Donnerstag, den 05.07.2012) notiert man zumindest beim RSI deutlich im
roten Bereich (überverkauft) mit rund 18 Zählern. Wer hier nicht zu
gierig an die Sache herangeht, kann mit gediegenem Hebelverhältnis von 5
schon nette Effekte erzielen. Im Falle eines weiteren Abverkaufs ist der
Schmerz dann noch nicht zu hoch. Wem es nützen mag, der berufe sich
zumindest mal auf die Einschätzung der Analysten der "Deutsche Bank
Research", die den Australischen Dollar (AUD) für überbewertet
einstufen. Auf Jahressicht hat der Euro gegenüber dem Australischen
Dollar nun fast schon 10 Prozent verloren.
Charttechnischer Blick auf EUR/AUD
Im derzeitigen Marktumfeld sind Marktübertreibungen an der Tagesordnung.
Dieser Markt macht die Chartanalyse schnell zur Makulatur. Trotzdem hier
ein paar Ausführungen zur aktuellen, charttechnischen Lage bei EUR/AUD.
Zum Zeitpunkt der Analyse handelt EUR/AUD im Bereich der Marke von
1,2050. Bereits seit Mai nahm das Währungspaar einen Bärenritt vor. Seit


dem Zwischenhoch vom 18.05.2012 bei rund 1,3025 fiel man fast bist auf
die Marke von 1,2000 - immerhin gut 1.000 Pips in dieser relativ kurzen
Zeit. Man sieht hieran deutlich die steigende Risikoaversion der
Anleger, die den Euro scheuen. Nachdem die EZB nun nochmals an der
Zinsschraube drehte und den Leitzins auf 0,75 Prozent auf ein neues
Rekordtief senkte, brachen dei Dämme weiter. Die EZB-Zinssenkung
begünstigte allgemein betrachtet die Rohstoffwährungen. Neben dem
Australischen Dollar (AUD) legten auch der Kiwi (NZD) und der Loonie
(CAD) wieder zu. Diese Währungen stehen für inneren Wert, da die
Volkswirtschaften weniger verschuldet sind und hohe Rohstoffressourcen
haben. Mit einem Test der 1,2000 ist durchaus zu rechnen. Gerade heute
sollte man sich jedoch noch nicht positionieren. Nicht ganz so erfahrene
Trader sollten den heutigen Handelstag besser meiden. Die Amerikaner
weisen ihre aktuellen Arbeitsmarktdaten (NFP - non-farm-payrols) aus.
Diese Handelstage gelten meist als ruppig - schnell sind
Achterbahnfahrten möglich und so mancher Trader wird aus seiner Position
geschleudert. Beobachten Sie die Veranstaltung - wenn sich die Marktlage
wieder etwas beruhigt hat, kann man die Positionen nach einer
eventuellen Trendumkehr dann immer noch zum Montag eingehen.

EUR/AUD fiel seit Mai 1.000 Pips
Bei einem "snap-back/Reversal" kann der Kurs von EUR/AUD schnell in die
Richtung von 1,2250 drehen. Allgemein technisch betrachtet sieht EUR/AUD
drastisch überverkauft aus. Ein Ende des Bärentrends könnte hier
zumindest anzunehmen sein. Man handelt direkt an der längerfristigen
Abwärtstrendlinie und arbeitet nun technisch gesehen an einem Durchbruch
dieser Trendlinie. Zunächst sollten sich die Kurse nun oberhalb der
1,2130 festigen und danach die 1,2250er-Bereiche zurückerobern. Fällt
EUR/AUD wieder in Richtung der 1,2020 zurück, wird die psychologische
Marke von 1,2000 sicher angetestet. Beherzigt man die "swings" der
letzten Kursbewegungen und interpretiert dauraus das etwaige folgende
kursmuster, so könnte EUR/AUD sogar noch deutlich weiter fallen. Ein
größerer Swing verlief von den Marken bei 1,4250 im August 2011 bis auf
die 1,2130. Dann zog EUR/AUD wieder auf die 1,3025 im Mai 2012 an. Für
einen nächsten anzunehmenden "swing" der gleichen Größenordnung kann die
Marke von 1,09 angepeilt werden - zumindest rein technisch möglich.
Bleibt die aktuelle Marktlage so oder verschlimmert sich gar
makro-ökonomisch betrachtet, so sind diese Szenarien durchaus schnell
Realität. Von der Indikatorenseite zeigt z.B. ein Blick auf den RSI im
kurzfristigen Bereich des 1-Stunden-Chartbilds oder des
4-Stunden-Chartbilds die extreme, überverkaufte Marktsituation. Im
längerfristigen Chartbild hat EUR/AUD zumindest noch weitere
Möglichkeiten sich in einen überverkauften Bereich unterhalb der
Kennziffer 30 hineinzubewegen. Hier steht der RSI im Wochenchart derzeit
bei 32,8682 und im Monatschart bei 30,9722. Im Tageschart sieht man die
überverkaufte Situation bereits schon sehr deutlich mit einem Wert von
21,1368. Die Daten stammen vom heutigen Handelstag (Freitag, 06.07.2012,
12:00 Uhr). Die US-Daten werden den Markt heute durcheinanderwirbeln, da
wird sich noch viel bewegen - an der langfristigen Betrachtung wird es
hier höchstens zu einer etwaigen Trendumkehr kommen können.

Was sagen die Indikatoren?
EUR/AUD handelte für den aktuellen Handelstag (Freitag, 06.07.2012,
12:00 Uhr) in einer recht spärlichen tagesspanne von nur 48 Pips vom
Tageshoch bei 1,2086 zum Tagestief von 1,2038. Der Markt lauert auf die
US-Daten und hält sich mit Neupositionierungen derzeit noch bedeckt. Das
Chartbild sieht noch neutral aus. Viele Indikatoren, u.a. der RSI zeigen
jedoch schon auf "kaufen". Auf Tagesbasis generiert EUR/AUD folgene
Unterstützungen und Widerstände: (S3) 1,2052, (S2) 1,2057, (S1) 1,2064
und (R1) 1,2076, (R2) 1,2081, (R3) 1,2088. Der exponentielle Moving
Average (MA) im Bereich der 50er, 100er und 200er-EMA generiert
weiterhin noch ein Verkaufssignal. Alle weiteren, gängigen Indikatoren
weisen bereits Kaufsignale aus. Short-Positionen sollten bei 1,2020
eingegangen werden, Long-Positionen im Bereich der angesprochenen
1,2120er-Zone oder mit geringeren Hebelverhältnissen auf basis der
aktuellen kurslage um 1,2050/60. Handeln sie die Positionen nicht zu eng
und mit keinem hohen Fremdfinanzierungsgrad.

Beachte: Derivate wirken in beide Marktrichtungen!!!
Denken Sie immer an eine vernünftige und besonnene Weise des Handels mit
Derivaten. Derivate können Ihnen im wahrsten Sinne des Wortes die Schuhe
ausziehen. Beherzigen Sie immer eine genaue Risikoprüfung und haben Sie
Ihr Risiko- und Moneymanagement im Griff und vor allem sich selbst und
Ihre Gefühle bei jedem eingegangenen Trade. Sie handeln nicht gegen den
Markt, sondern nur gegen sich selbst! Jeden einzelnen Handelstag!

Ich wünsche allen Lesern, Tradern und Investoren ein sonniges Wochenende
und eine erfolgreiche neue Handelswoche!

Dirk Friczewsky
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Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten derzeit
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Über den Autor
 
Autor: Dirk Friczewsky Dirk Friczewsky,
Tradingstrategien

Dirk Friczewsky ist Trader und Analyst bei Friczewsky Financial Markets. Aktien, Anleihen, Devisen, Indizes und Rohstoffe werden einem Marktscreening mittels der Technischen Analyse unterzogen und daraus nachhaltige Tradingstrategien entwickelt. Je nach Marktlage sind die Trading-Setups für Daytrading oder für mittelfristige bis langfristige Investitionen geeignet. Mehr Informationen unter www.friczewsky.com.

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