Rückgerechnet steht der Australische Dollar (AUD) zur
Gemeinschaftswährung zwar noch nicht auf dem Rekordstand von 1985,
jedoch verliert der Euro gegenüber dem Australischen Dollar weiterhin
kräftig an Wert. Mittlerweile steht man schon auf dem Niveau von 1986
mit Tiefkursen am Donnerstag von EUR/AUD 1,2017. Mit gewaltigen
Schritten hat sich der Australische Dollar (AUD) somit in den letzten
Jahren zum Euro in seinem Wert beinahe verdoppelt. Die Eurokrise spielte
da eine besonders hohe Rolle. Der hohe Goldpreis und auch anderweitige
durchwachsene bis teils teure Rohstoffpreise gaben dem Australischen
Dollar (AUD) zusätzlichen Schub.
Zinsspread weiter hoch
Die Zinsschere zwischen den beiden Währungen Euro (EUR) und
Australischem Dollar (AUD) war schon immer recht hoch. Derzeit ist sie
nach dem heutigen Zinsschritt von "Super-Mario" (EZB-Präsident Mario
Draghi) wieder einmal weiter auseinander gegangen. Mit 275 Basispunkten
Differenz ist es eben "nett" im Australischen Dollar (AUD) investiert zu
sein und nicht im Euro (EUR), der ja weiter medial Schlagzeilen macht
und in der Krise dahin vegetiert.
RBA senkt den Leitzins nicht
Die RBA (Reserve Bank of Australia) hat in ihrer Sitzung vom 03.07.2012
den Leitzins auf einem Wert von 3,50 Prozent unverändert beibehalten.
Die Notenbank Australiens begründete ihren Schritt mit dem weltweiten
Wachstum im ersten Quartal in 2012, der leichten Abkühlung im zweiten
Halbjahr in 2011 und den Entwicklungen im kriselnden Europa und der sich
abschwächenden chinesischen Volkswirtschaft. Eigentlich nicht unbedingt
eine ganz klare Begründung für die Beibehaltung des Leitzinses auf
diesem Niveau. Wahrscheinlich hätte es genügt, wenn die Herren gemeldet
hätten, die RBA wolle die Entwicklungen vorerst noch einmal beobachten,
bevor sie schnell den Leitzins weiter absenken. Die gängigen
volkswirtschaftlichen Indikatoren weisen derzeit auf eine weitere
Abkühlung der europäischen Wirtschaft hin. Auch in China fährt man
bereits leicht im Rückwärtsgang - die Wachstumsraten sind zwar gegenüber
denen in Europa immer noch relativ hoch, waren jedoch schon deutlich
besser. Die restlichen Regionen Asiens erholen sich von den
Naturkapriolen (besonders Japans Wirtschaft war durch den Tsunami und
die Kernreaktorkatastrophe schwer beeinträchtigt) - schwächt sich das
globale Wirtschaftswachstum nun aber wieder sichtlich ab, so sind diese
Volkswirtschaften in ihrer Erholungsbewegung zusätzlich betroffen und
fallen erneut zurück. Dies alles hat natürlich Auswirkungen auf den
asiatisch-pazifischen Raum und somit auch auf Australien und seine
Volkswirtschaft. Demnach letztendlich hat es die Auswirkung auf den
Australischen Dolar als Anlagewährung und besonders als
"Carry-Trade-Währung". Das Zinsgefälle vor allem vom Japanischen Yen
(JPY) mit einem Leitzins von 0,10 Prozent hin zum Australischen Dollar
(AUD) mit seinen 3,50 Prozent bleibt wohl weiterhin gewaltig.
Europa bleibt das Risiko
Zwar ist die Inflation durch gefallene Rohstoffpreise der letzten zwei
Quartale wieder im Griff zu halten, doch der allgemeine Zustand der
globalen Finanzmärkte wird durch die Entwicklungen in Sachen Eurokrise
und den damit auftretenden Turbulenzen in Europa aus australischer Sicht
doch eher kritisch beäugt. Diese europäische Krise hat schließlich
schnell mit mehreren Schocks starke Auswirkungen auf die Wirtschaft
Australiens und den gesamten asiatisch-pazifischen Raum. Die
Aktienmärkte waren in den letzten Monaten besonders hoher Volatilität
ausgesetzt und auch die Anleihemärkte beobachtet man auch seitens der
RBA mit Sorge. Gemäß den Analysen der Notenbank Australiens wuchs die
Wirtschaft im ersten Halbjahr 2012 besser als zunächst erwartet und auch
der australische Arbeitsmarkt bleibt weitestgehend stabil. Die
Arbeitslosenrate (Australian Bureau of Statistics) verbleibt auch auf
erfreulich niedrigem Niveau bei 5,1 Prozent (Mai 2012). Die RBA sieht
sich im Kampf mit der Inflation sicher aufgestellt - sie rechnet in den
kommenden zwölf mit 24 Monaten nicht mit einer ausufernden
Inflationsrate. Doch dazu braucht es konsequent Wachstum - knickt man
nun ein, ist es das mit der Prognose gewesen. Im Kreditwesen haben die
sinkenden Zinsen bei der Kreditaufnahme zu erhöhten Kreditvolumina
beigetragen - es ist günstiger geworden sich zu verschulden. Billiges
Geld in aller Welt - nun bald auch in Australien? Wahrscheinlich eher
nicht.
Aussie-Wechselkurse bleiben hoch
Im Vergleich zum US-Dollar (USD) pendelt der Wechselkurs immer noch auf
recht hohem Niveau. Auf Tagesbasis (Donnerstag, 05.07.2012) notiert man
bei AUD/USD 1,0327 im Hoch. Das ist zwar bereits sehr weit weg von den
Hochs des Jahres 2011, aber immer noch recht ansehnlich. Der Wechselkurs
im wichtigsten Währungspaar AUD/USD lag kurzfristig wieder unterhalb der
Parität (Mai/Juni 2012). Doch der Wechsel zu "risk on" schob den
"Aussie" (AUD/USD) schnell wieder über die Parität und über die
1,0245er-Widerstände gen Norden. Beim Währungspaar EUR/AUD sieht die
Sache besonders durch die Euro-Krise hart aus. Fällt hier bei EUR/AUD
die 1,20 noch oder schiebt sich wieder einmal eine oder mehrere
Institutionen in die Kursentwicklung dazwischen? Das Währungspaar
EUR/AUD erscheint zumindest sehr deutlich abverkauft. Hier ist ein
"snap-back/Reversal" nur noch eine Frage der Zeit und leider auch für
jeden Devisenspekulanten eine Frage des Timings. Auf Tagesbasis
(Donnerstag, den 05.07.2012) notiert man zumindest beim RSI deutlich im
roten Bereich (überverkauft) mit rund 18 Zählern. Wer hier nicht zu
gierig an die Sache herangeht, kann mit gediegenem Hebelverhältnis von 5
schon nette Effekte erzielen. Im Falle eines weiteren Abverkaufs ist der
Schmerz dann noch nicht zu hoch. Wem es nützen mag, der berufe sich
zumindest mal auf die Einschätzung der Analysten der "Deutsche Bank
Research", die den Australischen Dollar (AUD) für überbewertet
einstufen. Auf Jahressicht hat der Euro gegenüber dem Australischen
Dollar nun fast schon 10 Prozent verloren.
Charttechnischer Blick auf EUR/AUD
Im derzeitigen Marktumfeld sind Marktübertreibungen an der Tagesordnung.
Dieser Markt macht die Chartanalyse schnell zur Makulatur. Trotzdem hier
ein paar Ausführungen zur aktuellen, charttechnischen Lage bei EUR/AUD.
Zum Zeitpunkt der Analyse handelt EUR/AUD im Bereich der Marke von
1,2050. Bereits seit Mai nahm das Währungspaar einen Bärenritt vor. Seit
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Dirk Friczewsky, Tradingstrategien |
Dirk Friczewsky ist Trader und Analyst bei Friczewsky Financial Markets.
Aktien, Anleihen, Devisen, Indizes und Rohstoffe werden einem
Marktscreening mittels der Technischen Analyse unterzogen und daraus
nachhaltige Tradingstrategien entwickelt. Je nach Marktlage sind die
Trading-Setups für Daytrading oder für mittelfristige bis langfristige
Investitionen geeignet. Mehr Informationen unter www.friczewsky.com.
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