Türkische Lira - mit dem Anker als Symbol zu neuer Stabilität



15:40 12.07.12

Nicht nur Stabilität soll das im Frühjahr vorgestellte neue Währungssymbol der Türkischen Lira symbolisieren, sondern in Form der zwei aufwärts gerichteten Striche auch den konstanten Wachstumstrend der türkischen Wirtschaft. Das unterscheidet das neue Zeichen auch vom Euro, wo die beiden waagerechten Striche aktuell wohl eher Stagnation symbolisieren. Aber neben dieser grafischen Spielerei sprechen auch die harten Fakten in meinen Augen aktuell für weiteres Potenzial der Türkischen Lira gegenüber dem Euro.

Seit dem Tief im August vergangenen Jahres hat die Lira gegenüber dem Euro schon 15 Prozent zugelegt, notiert aktuell bei 2,21 EUR/TRY. Weiteres Aufwärtspotenzial ist demnach vorhanden. Denn vor zehn Jahren notierte das Währungspaar noch bei 1,30 EUR/TRY,  seitdem hat die Lira ganze 70 Prozent gegenüber dem Euro abgewertet. Und das, obwohl sich die Türkei, die im Jahr 2001 nur knapp den Staatsbankrott abwenden konnte, in den Folgejahren zu einem Vorzeigekandidaten innerhalb Europas gewandelt hat. 2001 noch mit rund 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verschuldet, wurde diese Quote inzwischen mehr als halbiert, dank eines beeindruckenden durchschnittlichen jährlichen Wirtschaftswachstums von 5,3 Prozent. Im vergangenen Jahr stieg das BIP sogar um 8,5 Prozent, damit war die Türkei die am stärksten wachsende Volkswirtschaft innerhalb Europas. Das Land am Bosporus profitiert dabei von einem ganz wesentlichen Faktor, seiner sehr jungen Bevölkerung: Ein Viertel der Türken ist noch keine 15 Jahre alt. Zum Vergleich: In den USA liegt dieser Anteil bei nur 20 Prozent, in Deutschland und Japan bei gerade einmal 13 Prozent.

Zwar leidet das Land aktuell auch unter der Verfassung seines wichtigsten Handelspartners, der Euro-Zone. Auch die Probleme des unmittelbaren Nachbarn Griechenland gehen nicht spurlos an der Türkei vorüber. Eine länger andauernde Rezession in Europa würde auch die türkische Wirtschaft stärker beeinträchtigen und die erwartete sanfte Landung sehr viel heftiger ausfallen lassen. Das BIP-Wachstum in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres lag zwar mit 3,2 Prozent im Jahresvergleich noch über den Erwartungen, zeigt aber auch erste Anzeichen von Schwäche. Und die Schuldenkrise in Europa ist erst im zweiten Quartal so richtig eskaliert. Allerdings gelingt es der Türkei, sich zunehmend auch auf andere Absatzregionen wie Asien und den Nahen Osten zu konzentrieren. Damit sinkt die Abhängigkeit von Europa. 2009 exportierte die Türkei noch die Hälfte aller produzierten Waren nach Europa, heute liegt dieser Anteil nur noch bei 40 Prozent.



Ein Problem hat die Türkei auf jeden Fall nicht, und das ist die geldpolitische Abhängigkeit von der Eurozone. Im Gegensatz zu Griechenland, Spanien oder Italien besteht für die Türken jederzeit die Möglichkeit, ihre eigene Währung gegenüber anderen abzuwerten und damit das Land wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Sollte sich die Krise in der Euro-Zone noch weiter verschärfen, zieht man diese Option auch in Erwägung. Da liegt dann auch ein Risiko für die Lira-Position. Kommt es zu Interventionen der Zentralbank, werden diese meiner Ansicht nach zwar nicht einen aktuellen Trend umkehren können, aber sie werden kurzfristig den Kurs belasten. Ein weiteres Risiko, das man im Auge behalten sollte, liegt in einer wieder steigenden Inflation in der Türkei. Zwar ist es den Türken gelungen, diese von über 100 Prozent im Jahr 1998 auf nur noch gut acht Prozent im Mai zu reduzieren, allerdings lag sie 2009 auch schon einmal bei nur noch gut sechs Prozent. Erneute stärkere Anstiege vor allem bei den Energiepreisen könnten die Teuerungsrate aber schnell wieder über die 10-Prozent-Marke klettern lassen. Und Inflation ist immer Gift für die Währung. 

Für ein Investment in die Türkische Lira spricht aktuell das Verhältnis der Zinsen in der Eurozone und der Türkei. Bei einer Lira-Position im Gegenwert von 10.000 Euro (also dem Verkauf von 10.000 EUR/TRY) erhält man aufgrund der Zinsdifferenz aktuell 0,89 Euro pro Nacht an so genannten Roll Over Zinsen. Diese rund 3,5 Prozent pro Jahr addieren sich zum entsprechenden Kursgewinn der türkischen Währung, was die Lira auch durchaus als Carry-Währung interessant macht. Und die Marke von 1,90 EUR/TRY halte ich durchaus in den nächsten 12 Monaten wieder für realistisch. Damit sollte sich das neue Währungssymbol nicht nur etablieren, sondern sich möglicherweise auch gegen das alte aus der Eurozone durchsetzen können.

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