Wissen Sie, was mich echt fasziniert und zugleich überrascht? Dass
ich, der ich mich eigentlich als konservativ-liberal bezeichnen
würde und wie Sie alle wissen mit Globalyze in der
vollautomatisierten Aktienanlage auf Basis des fundamentalen Value
Investmentgedankens tätig bin, dabei ertappe, dass ich einem
Kommentar in der linken taz unter der Überschrift „Unklug und
fantasielos“ voll und ganz zustimme. Dass ich das noch erleben
durfte! Dabei geht es um die gestern vollzogene Räumung des Occupy
Camps hier in Kiel am Lorenzendamm, das einen Steinwurf weit weg
war, von der, in der Finanzkrise mächtig ins Straucheln geratenen
und staatlich geretteten, HSH Nordbank. Dieses Camp wurde von den
rot-grünen und vielen anderen engstirnigen Spießern der Kieler
Ratsversammlung, die ansonsten seit Jahren nichts auf die Reihe
bringen (kein vernünftiges Bad, keine vernünftige Verkehrsanbindung
(Flughafen) usw. usw.), geräumt.
Nicht dass wir uns falsch verstehen. Auch ich bin der Meinung, dass
nicht jeder Hinz und Kunz sein Zelt gerade dort aufstellen kann, wo
es ihm passt. Es muss aber schon noch der Grundsatz der
Verhältnismäßigkeit gelten. Sehen wir uns doch aber einmal an, was
andere so machen. So läuft derzeit wegen dieser uns zum Teil
betrügenden Banken und eines total verlotterten Finanzsystems sowie
verantwortungslosen, in der Vergangenheit wegschauenden Politikern,
die uns allesamt 2008 weltweit an den Rande einer Katastrophe
geführt haben und unter der wir und vor allem unsere Kinder noch
leiden werden, eine von über 30.000 Bürgern unterstützte
Verfassungsklage, weil – wie die Urteilsverkündung am 12. September
zeigen wird – das Budgetrecht des Deutschen Bundestags über den
EFSF/ESM/Fiskalpakt auf drastische Weise beschnitten, ja ausgehebelt
werden soll.
Zudem erinnere ich an die seitens der SEC gegen 17 Investmentbanken
darunter die Deutsche Bank AG teils noch laufenden Ermittlungen
wegen Betruges, weil – so der Vorwurf - gegen die eigene Kundschaft
gewettet wurde („Misleading of Clients“). Auch wurde der Libor von
den Banken in einer beispiellosen Akt des bandenmäßigen Betrugs
manipuliert, das selbst einiges gewohnten Hartgesottenen die
Kinnlade ungebremst herunterfiel, als sie davon erstmals Kenntnis
nahmen.
Statt dass wir aber nun diejenigen abstrafen, die es wirklich
verdient hätten und eine Zombie-Bank nach der anderen zumachen bzw.
Vorstände ihres Postens entheben (was das KWG vorsieht, aber von der
zahnlosen Bafin bis heute nicht angewendet wird) und Alternativen im
Finanzmarkt unterstützen, schieben wir denen – wie die Londoner
Ex-Goldman Sachs Führungskraft Mario Draghi es heute wahrscheinlich
auch wieder tun bzw. zumindest ankündigen wird – schön artig
Milliarden-Summen ja Billionen Euro auf Kosten der Ärmsten zu.
Während wir gleichzeitig den Occupy-Vertretern das Schild „Rasen
betreten verboten“ unter die Nase halten und noch dazu eine
rot-grüne Regierung martialisch eine Hundertschaft auffahren lässt,
um die Grashalme und die dahinter residierenden Banken wie Förde
Sparkasse und HSH Nordbank – vor was eigentlich (?) - zu
schützen. Wären die wirkliche Feinde die paar „Spinner“, die wir
laut Gabor Steingard vom Handelsplatt auf der Konferenz „Banken im
Umbruch“ mehr als die Normalen brauchen, auf dem Rasen, dann hätten
wir die Finanzkrise wohl längst hinter uns gelassen, oder?
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Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Ich erinnere mich jedenfalls noch
daran, dass die AKW-Bewegung, aus der die Grünen schließlich
hervorgingen, gerade in den Anfangszeiten Recht und Gesetz nicht nur
einmal überschritten und teils alles andere als gewaltfrei
vorgingen. Dass der einstige deutsche Außenminister Joschka Fischer
Steine auf Politzisten warf, wovon die friedlich für unsere
Grundwerte einstehenden friedlichen und freundlichen Occupy Camp
Besitzer nun wirklich meilenweit entfernt waren, ist wohl auch schon
vergessen.
Ich nenne das Vorgehen deshalb spießig und engstirnig, unangemessen
und eines demokratischen Rechtsstaats unwürdig, Herr
Übergangsbürgermeister Todeskino!!! Hättet Ihr alle einmal besser in
der Vergangenheit auf die Landesbank aufgepasst, welche die
Steuerbürger des armen und hochverschuldeten Schleswig-Holstein mit
Milliardensummen retten mussten. Statt später Leute - wie auch
mich- deren Fahrzeuge in den Schlaglöchern Schaden nahmen, in einer
Art abzuspeisen, die mancher wohl als Stadt-lichen Betrug bezeichnen
könnte. Wobei der Vorgänger und jetzige Ministerpräsident Albig ja
Bildung und Schlaglöcher in eine Art Konkurrenzverhältnis stellte.
Auch eine politische Aussage, der wohl viel politisches Versagen
vorausgegangen sein muss, oder? Weswegen wir jetzt laut Albig so
viele gestohlene Bankdaten, wie wir kriegen, aufkaufen und damit zu
Straftaten aufrufen müssen. Das sagt schon alles. Ob das aber die
Lösung unserer wirklichen Probleme ist?
Also, die Botschaft ist klar. Man darf in Europa zusammen mit
Goldman Sachs, wie es Griechenland getan hat, trotz
Eurostat-Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten bescheißen und sich
folgenlos in die Eurozone mogeln und dort bleiben, wenn es auffliegt
und man da gar nicht reinpasst, man darf als Bank gegen die eigenen
Kunden wetten und damit betrügen, man darf die Statuten zur Bad
Notenbank EZB brechen, eine Regierung darf guten Gewissens sogar
gegen die Verfassung verstoßen, aber eines darf man nicht:
Für einen guten Zweck und Werte, nämlich eine bessere Finanzwelt und
eine bessere Zukunft gewaltlos protestieren und dabei die
unglaubliche Rechtsverletzung der Inbesitznahme des uns allen
gehörenden öffentlichen Raums auf Zeit begehen.

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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop und Value Börsenbrief. Nicht zuletzt wegen seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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