Ein Crack-up-Boom?



13:07 19.11.13

von Dr. Marc-Oliver Lux

Crack-up-Boom ist ein vom Ökonomen Ludwig von Mises (1883-1971)
geprägter Begriff, der eine Katastrophenhausse in der letzten Phase
einer hyperinflationären Phase bezeichnet. Anleger treibt es aufgrund
ihres Vertrauensverlustes in Papiergeld in Sachwerte, wie z.B. Aktien.

Doch ein Lemmingenphänomen ist am Aktienmarkt nicht erkennbar. Ganz im
Gegenteil; die Skepsis gegenüber dem Aktienmarkt ist sehr groß.
Privatanleger haben sich nach herben Verlusten in den Krisenjahren
2001-2003 sowie 2008-2009 von der Börse abgewendet. Die
Aktienmarktrallye ging an vielen vorbei. Gleiches gilt für
institutionelle Adressen wie Versicherungen. Ihnen verwehren
regulatorische Vorschriften die Aufstockung der Aktienquote im
Kapitaldeckungsstock. Im Durchschnitt sind nur noch gut 5-6% der
Versicherten- und Pensionsgelder in Aktien angelegt. Der große Rest
liegt in verzinslichen Papieren, die angesichts des Niedrigszinsniveaus
die Versicherer in zunehmende Bredouille bringen, ihre zugesagten
Garantieversprechen einzuhalten.

Aber auch unter denjenigen Profis, die freier am Kapitalmarkt agieren
können, werden die steigenden Aktienkurse argwöhnisch verfolgt, denn
sehr wohl ist den meisten bewußt, daß hier vor allem billige
Notenbankliquidität in risikobehaftete Anlagen strömt. Die Aktienhausse
ist liquiditätsgetrieben und nicht darin begründet, daß die
Marktteilnehmer von der Aktienanlage euphorisiert wären. Da Zinsanlagen
am Boden liegen und Immobilien bereits teuer geworden sind, wenden sich
die Investoren notgedrungen zunehmend dem Aktienmarkt als letzten


Renditehafen zu.

Dieser Mix aus Liquiditätsschwemme und Skepsis der Anleger eröffnet dem
Aktienmarkt aber noch erhebliches Steigerungspotential. Womöglich werden
die Kurse noch in Höhe schießen, die der ein oder andere nicht für
möglich hält. Die Börse neigt zu Übertreibungen, die außerhalb der meist
kurzfristig orientierten Vorstellungskraft des Einzelnen liegen. Häufig
kommt es besser oder schlechter als man denkt.

Man denke nur an den Goldpreis: bei 400 USD konnte sich niemand
vorstellen, daß überhaupt mal wieder Preise über 1000 USD möglich sind,
geschweige denn im Hoch fast das Doppelte. Nun seit der Goldpreis
bereits bis zu 30% korrigiert hat, mag die breite Masse nicht so recht
daran glauben, daß Gold sogar noch weiter und wieder unter 1000 USD
rutschen könnte. Doch der Markt hält sich nicht an die Logik der
Anleger, wieviel Gewinn oder Verlust vernünftig ist.

11.000 im DAX und 20.000 im Dow Jones sind keine so fernen Marken mehr
und im Zuge einer möglicherweise noch kommenden Kaufpanik in 2014
durchaus erreichbar. Natürlich werden diese Niveaus nicht gehalten
werden können, und früher oder später mag es auch wieder tiefere Kurse
geben als heute, aber aktuell wird jeder Rücksetzer des Marktes sofort
wieder gekauft. Der Aufwärtsdrang der Bullen (Symbol für steigende
Kurse) ist viel zu groß. Der Vorstoß in unbekanntes Kurs-Terrain hat im
DAX gerade erst begonnen.

Dr. Marc-Oliver Lux ist Geschäftsführer der renommierten Münchner
Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner.

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