Seltene Erden: Mehr Kreislaufwirtschaft wagen!



17:05 20.02.14

Verbraucher und Unternehmen können sich zurücklehnen, meint man. Seltene Erden haben einen deutlichen Preisrutsch hinter sich gebracht, die Versorgung scheint ausreichend, kein Grund zur Panik. Das allerdings ist eine reine Momentaufnahme, die nicht dazu taugt, in die Zukunft fortgeschrieben zu werden. Marktexperten bezweifeln, dass sich die Lage am Markt für die verschiedenen Seltenen Erden noch lange Zeit so entspannt zeigt wie zuletzt. Schon in wenigen Jahren könnten die Industrienationen vor einem dicken Problem stehen, wenn der Nachschub stockt.

Schuld daran sind vor allem zwei Dinge: Zum einen haben die Bemühungen, außerhalb Chinas eine nennenswerte Förderung von Seltenen Erden aufzubauen, bisher nur sehr überschaubare Erfolge gezeigt – siehe die Entwicklungen zum Beispiel bei Lynas (ISIN: AU000000LYC6) und Molycorp (ISIN: US6087531090). Dafür mitverantwortlich sind die Preisentwicklung und die Krise in der Bergbauindustrie. Beides hat die Erkundungsarbeiten zur Erforschung neuer Vorkommen an Seltenen Erden nicht gerade beflügelt. Zum anderen ist damit das weltweite Quasi-Monopol Chinas als Lieferant für die Rohstoffe über die nächsten Jahre gesichert. Und nichts wird die Regierung in Peking lieber tun, als die Industriekonkurrenz in anderen Nationen mit den wichtigen Hightech-Rohstoffen möglichst knapp zu versorgen.

Seltene Erden finden sich heute in unglaublich vielen Produkten, Maschinen und Anlagen, ohne die es im täglichen Leben einer Industrienation nicht mehr geht: Die Seltenen Erden erobern die kleinen und großen Elektronikartikeln wie zum Beispiel Handys, sie werden in Magneten aller Größen genutzt, in Windenergieanlagen und Atomkraftwerken – diese Liste ist nicht mal im Ansatz vollständig.



Die Gruppe dieser Rohstoffe wird nicht umsonst von vielen Regierungen als strategisch wichtig eingestuft. Und so ist es logisch, dass man in den Industrienationen ein enormes Interesse daran hat, die Versorgung der Wirtschaft mit den wichtigen Rohstoffen zu sichern. Einige Studien von Experten zu dem Thema gehen allerdings davon aus, dass dies in wenigen Jahren zu einem großen Problem werden könnte. Und so ist längst ein Wettlauf gegen die Zeit auf der Suche nach wirtschaftlich akzeptablen Alternativen im Gange.

Im Fokus der Öffentlichkeit stand dabei bisher vor allem eine Steigerung der Förderung von Seltenen Erden außerhalb Chinas. Das allerdings ist gar nicht so einfach, denn die Entwicklung eines neuen Bergwerks nimmt viele Jahre in Anspruch und stellt hohe Risiken dar – Risiken, die in der Bergbaukrise viele Investoren nicht schultern wollten. Flaut die Krise ab, wird sich dies ändern, aber auch nicht unmittelbar zu Ergebnissen führen. Rohstoffressourcen müssen erkundet werden, Bergwerke müssen aufgebaut werden, bevor man die begehrten Bodenschätze aus der Erde holen und in den Wirtschaftskreislauf schicken kann.

Stellt man das Wort „Wirtschaftskreislauf“ aber um, so wird „Kreislaufwirtschaft“ daraus, neudeutsch Recycling. Zur Rückgewinnung von Seltenen Erden gibt es bereits weltweit Anstrengungen, der Durchbruch ist aber auch hier noch nicht gelungen. Das liegt unter anderem daran, dass das Recycling Seltener Erden bisher kein großes Thema war, hier herrschte bisher vom Produzenten bis hin zum Verbraucher eine Wegwerfmentalität. Entsprechend schlecht ist das Einsammeln von recyclebarem Schrott in diesem Sektor organisiert, es gibt nur wenige standardisierte Verfahren, die bisher Einzelfalllösungen sind. Doch gerade im Recycling lassen sich kurzfristiger Effekte bei der Rückgewinnung von Seltenen Erden erzielen als im Bergbau. Die Wirtschaft kann das Recycling Seltener Erden stärker in der Produktentwicklung und im Produktionsprozess berücksichtigen, der Gesetzgeber Initiativen für die Sammlung der Schrotte und Abfälle starten. Dann könnte sich auch das Problem erledigen, dass die Rückgewinnung der Rohstoffe derzeit für die Recycling-Unternehmen meist ein Zuschussgeschäft ist.

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Autor: Miningscout.de Miningscout.de
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