BWIN: Schwächelt die Gaming-Branche?



09:26 20.01.15

Der Markt für Sportwetten im Internet entwickelt sich weltweit dynamisch. Jedes Jahr wird mit einem Zuwachs von etwa 5 Prozent gerechnet. Das wirkt sich aber bei weitem nicht auf alle Aktienkurse aus der Wettbranche günstig aus, im Gegenteil. Mit dem Kurs der Bwin.Party Digital Entertainment-Aktie ist es in den letzten Jahren stetig bergab gegangen.

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Brancheneinschätzung

Die Wett- und Glücksspielbranche ist eine Wachstumsbranche, die volkswirtschaftlich keine geringe Bedeutung hat. In Deutschland wurden mit Sportwetten 2013 ca. sieben Milliarden Euro Umsatz erzielt. Weltweit werden die Branchenumsätze auf über 900 Milliarden Dollar geschätzt, einschließlich illegaler Wettumsätze. Der Hauptanteil der Sportwetten wird im Internet abgeschlossen, beispielsweise über Bwin.Party Digital Entertainment

Besonderheiten des deutschen Wettmarktes

Internetwetten sind in Deutschland noch nicht so verbreitet wie in anderen Teilen der Welt, vor allem im englischsprachigen Raum. In Deutschland bewegen sich Wettunternehmen zudem in einer rechtlichen Grauzone, denn hier dürfen nur staatlich zugelassene Wettanbieter tätig werden. Seit 2012 und dem Glücksspielstaatsvertrag dürfen auch private Wettanbieter in den Markt einsteigen, sofern sie über eine Lizenz verfügen. Bwin.Party Digital Entertainment gehört zu den 20 Unternehmen, die in Deutschland eine Konzession erhalten sollen, bisher sind aber noch keine offiziellen Zulassungen erfolgt. Der deutsche Staat hat als Voraussetzung für eine Zulassung die Abgabe einer Wettsteuer von 5 Prozent festgelegt, die bereits vom Fiskus kassiert wird. Bwin.Party Digital Entertainment zahlt diese ebenfalls und darf deshalb in dieser Grauzone, die der europäischen Rechtsprechung entgegensteht, agieren.

Das Unternehmen Bwin.Party Digital Entertainment

Bwin.Party Digital Entertainment ist ein digitaler Anbieter mit dem Kerngeschäft Sportwetten, Casino- und Pokerspiele sowie zusätzlich der Abwicklung von Kartentransaktionen mit Zahlungsfunktion. Das Unternehmen ist der weltgrößte Anbieter von Sportwetten und anderen Glücksspielen, der Anteil der Sportwetten macht 40 Prozent aller Erlöse aus. Es hat weit über 10 Millionen Kunden. Bwin.Party Digital Entertainment entstand in seiner heutigen Form 2011 aus der Fusion von Bwin mit PartyGaming, einem Anbieter von Poker, Bingo und anderen Casino-Spielen, die über eine Online-Plattform betrieben werden. Bwin.Party Digital Entertainment selbst existiert bereits seit Dezember 1997 und war ursprünglich eine österreichische Firma.

Das Unternehmen hat seinen offiziellen Sitz aus Steuergesichtspunkten auf Gibraltar und  Namensaktien emittiert. Die Konkurrenzsituation ist hart. Wettbewerber sind u. a. Body Gaming, William Hill, Paddy Power, Unibet oder Churchill Downs, Sportingbet, Playtech, Tipico und Interwetten. Die Bwin.Party Digital Entertainment-Aktie kann an allen deutschen Börsen gehandelt werden und ist ebenso in Wien, an der Londoner Börse sowie der Nasdaq gelistet. Ein Großinvestor ist Jason Ader aus den USA vom Hedgefonds SpringOwl, der über 5,2 Prozent der Anteile verfügt.

Durch Managementfehler, mangelnde Innovationsfreude und falsche Geschäftsstrategien ging es beim Unternehmen seit der Fusion mit PartyGaming geschäftlich bergab. Die Fusion und die damit verbundene Konzentration auf den amerikanischen Markt brachten nicht den erhofften Erfolg. Nach Einschätzung von Branchenkennern wurden hier zwei Unternehmen zusammengeführt, deren geschäftliche Ausrichtung nicht zusammenpasst. Zum Ausdruck kommt das in den von Jahr zu Jahr schrumpfenden Umsätzen und Gewinnen, während Branchenkonkurrenten steigende Umsätze und höhere Gewinne zu verzeichnen haben.

Entwicklung des Aktienkurses und der fundamentalen Kennziffern



Bwin.Party Digital Entertainment ist ein sehr volatiler Aktienwert. Seit August 2005 (mit Ausnahmen Ende 2005/Anfang 2006 und Anfang 2007) ist der Kurs der Aktie signifikant gefallen, um fast 90 Prozent. Seit 2007 hat er sich noch einmal mehr als halbiert. Im Vergleich zum Index DJ Stoxx 600 hat die Aktie sich seit längerem unterdurchschnittlich entwickelt.

Das Gewinnwachstum ist seit 2012 rückläufig. Das soll sich zwar 2015 und 2016 ändern, aber nur in geringem Umfang. Für 2017 wird ein weiterer Rückgang des Gewinnwachstums prognostiziert.

Die Dividendenrendite liegt bei ca. 2,6 Prozent, das KGV der für 2015 erwarteten Gewinne bei ungefähr 22. Die Aktie ist also trotz der Kursrückgänge immer noch nicht günstig zu haben. Sie ist derzeit nur noch ca. 1,40 Euro wert. Im Vergleich zu den Wachstumserwartungen ist im Kurs ein hoher Aufschlag enthalten.

An den nichteuropäischen Börsen sollten potentielle Käufer auf Handelsgebühren und mögliche Währungskursverluste zum Pfund oder Dollar achten, Bwin.Party Digital Entertainment gehört zu den Aktien mit einem breiten Spread.

Aktuelle Situation bei Bwin.Party Digital Entertainment

Anfang Januar dieses Jahres gab Bwin.Party Digital Entertainment eine Umsatzwarnung für 2014 heraus. Der österreichisch-britische Anbieter kündigte für das vergangene Jahr nur noch einen Umsatz von 608 bis 612 Millionen Euro an. Erwartet wurden 10 bis 18 Millionen Euro mehr, das sind immerhin fast sieben Prozent weniger als 2013. Als Grund wurden vor allem die gesunkenen Margen im Fußball-Wettgeschäft genannt, die auf unerwarteten Spielausgängen in den europäischen Ligen in der neuen Saison und hohen Werbekosten beruhten. Im Jahr der Fußball-WM in Brasilien ist das natürlich für solch ein Unternehmen kein gutes Zeichen. 2015 findet kein großes Fußball-Ereignis statt, weder kontinental noch weltweit, auch Olympische Spiele sind erst im nächsten Jahr.

Außerdem fielen 2014 hohe Verluste im Social-Gaming-Sektor sowie allein in einem amerikanischen Bundesstaat 10 Millionen Euro Verlust an. Im ersten Halbjahr 2014 waren für den Konzern 94 Millionen Euro Verlust zu verzeichnen, lange kann das kein Unternehmen durchhalten. Aufsichtsrat und Management wurden deshalb 2014 schon umstrukturiert.
Sportwetten und andere Glücksspiele sind generell ein zyklisches Geschäft. Der Umsatz der Wettanbieter hängt zwar weniger von Wirtschaftskrisen oder Konjunkturentwicklungen ab, dafür aber von sportlichen Großereignissen, Wetterfolgen und rechtlichen Voraussetzungen für das Betreiben von Glücksspielen sowie dem Service rund um das Wettgeschäft. Wettaktien zu kaufen, ist auch eine Spekulation darauf, dass die Kunden viel und nicht besonders erfolgreich tippen. Wie viel Gewinn am Ende ausgezahlt werden muss, steht in Form der Wettquote meist im Voraus fest. Bwin.Party Digital Entertainment bietet im Branchenvergleich nur durchschnittliche Wettquoten an. Das Wettangebot an sich, insbesondere von Live-Wetten, ist dagegen bei Bwin.Party Digital Entertainment konkurrenzlos vielfältig.

Wie es bei Bwin.Party weitergehen könnte, darüber gibt es am Markt und in der Branche wilde Spekulationen. Das Management verspricht Besserung und berichtet über Gespräche und Maßnahmen mit dem Ziel der Konsolidierung und Steigerung des Aktienkurses. Beispielsweise könnte das Unternehmen als Ganzes verkauft werden. Übernahmespekulationen und Verkaufsgerüchte in Bezug auf die Trennung von der Poker- und Soft-Games-Sparte oder einzelnen defizitären Geschäftsbereichen bringen Kursphantasie. Die angeblich unmittelbar bevorstehende Liberalisierung des deutschen Wettmarktes sorgt schon seit Jahren für Spekulationen auf steigende Kurse.

Fazit

Bwin.Party Digital Entertainment ist zwar der größte Online-Sportwettenanbieter, steckt aber derzeit in einer tiefen wirtschaftlichen Krise, die zum Großteil hausgemacht ist. Mutige Anleger und Spekulanten können auf wirtschaftliche Fortschritte bei Bwin.Party Digital Entertainment wetten. Investoren jedoch sollten diese volatile Aktie meiden.


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