„Catch the Cash” - Frankreich macht Jagd auf Bargeld und Gold



07:48 26.03.15

Unverbrüchlicher Euro-Partner

Während sich die hiesige Presse ansonsten gerne mit europäischen Erfolgsgeschichten beschäftigt, scheint ihr eine Entwicklung bei unserem wichtigsten EU-Partner Frankreich irgendwie durch die Lappen gegangen zu sein. Dabei stand es im „Le Parisien“, der größten Pariser Boulevardzeitung mit einer Auflage von mehreren 100.000 Stück. Unter dem Titel „La chasse au cash est lancée“ („Die Jagd auf Bargeld ist eröffnet“), wird dort über das Vorhaben des französischen Finanzministers Michel Sapin berichtet, die Verwendung von Bargeld weiter drastisch einzuschränken. Schon bisher ist Frankreich mit einer Bargeld-Transaktionsgrenze von 3.000 EUR eines der restriktiven Länder der EU. Diese Grenze soll nach dem Willen des Finanzministers nun auf 1.000 EUR gesenkt werden. Als Begründung müssen wie üblich Geldwäsche, Drogenhandel, Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und ganz aktuell auch der Terror herhalten. Auch Herr Sapin ist also „Charlie“, oder er versteht es einfach nur, daraus Kapital für die Staatskasse zu schlagen.

Unsolidarische Abhebungen

Dabei ist das neue 1.000-Euro-Limit nur der sichtbarste Eingriff in die Freiheit unserer westlichen Nachbarn. Wer mehr als 1.000 EUR in fremde Währung tauscht, der muss bald den Ausweis vorlegen und wer künftig mehr als 10.000 EUR im Monat von seinem Konto abhebt, soll in die Datenbanken französischer Behörden eingetragen werden. Da ist er natürlich schon längst drin, weshalb die Verkündung dieses Limits wohl den Zweck hat, die Menschen dafür zu sensibilisieren, wie unsolidarisch größere Geldabhebungen sind. Ist das erst einmal in den Köpfen gesackt, dann kann auch leicht aus der Melde- eine Abhebegrenze werden. Die Mehrheit betrifft es ja ohnehin nicht.

Bargeld-Gangster-Romantik

Dabei hat sich die Kriminalität sicherlich schon längst innerhalb (!) des bargeldlosen Geldkreislaufs eingerichtet. Zwielichtige Gestalten mit Koffern voll Barem geistern vor allem noch durch die Phantasien der Filmemacher. Dennoch sind die französischen Maßnahmen absolut konsequent: Schließlich lässt die EZB nichts unversucht, uns weiter in eine Welt der Null- und Negativzinsen zu treiben. Ein Facebook-Kommentar bewertete die Blockupy-Proteste daher schon recht zutreffend: „An die Krawallhorden in Frankfurt: Ihr macht denselben Blödsinn wie die EZB, ihr zerstört Eigentum.“ Aber wir schweifen ab. Besonders in einer Welt der Negativzinsen muss Bargeld geradezu zwingend kriminalisiert werden, um die Flucht der Sparer aus dem ohnehin wackeligen Bankensystem zu verhindern. Die dort verfügbare Bargeldmenge würde zudem nicht einmal ausreichen, um auch nur einen winzigen Bruchteil der Sichteinlagen auszuzahlen. Ganz nebenbei sollen auch Gold-Bewegungen innerhalb Frankreichs künftig überwacht werden.

Brüsseler Gleichschritt

Was das alles mit uns zu tun hat? Auf den ersten Blick nicht viel und auf den zweiten eine ganze Menge. Denn im Rahmen der Finanz- und Schuldenkrise wurden bereits in zahlreichen EU-Ländern Bargeldgrenzen, Aufzeichnungspflichten und ähnliches eingeführt. Ein solcher Wildwuchs ist aber auf Dauer kaum vorstellbar. Wir befinden uns schließlich unter dem Joch der Brüsseler Bürokratie und deren offensichtliches Ideal ist, dass der Kontinent im Gleichschritt marschiert – bei Glühbirnen, Staubsaugern und selbstverständlich auch beim Bargeld.

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Doppelter Boden?

Beim Gold ergibt sich aktuell die Chance auf einen charttechnischen Doppelboden – wieder einmal. Betrachtet man die Kursentwicklung seit Ende 2011 ist es jetzt schon das dritte Mal, dass Goldanleger hier Morgenluft wittern (vgl. Abb. 1, blaue Linien). Bei den letzten beiden Versuchen wurden sie allerdings enttäuscht, der Kurs scheiterte im Bereich der grau markierten Widerstände bzw. erreichte diese nicht einmal. Es macht also durchaus Sinn, dass Technische Analysten erst dann von einem vollendeten doppelten Boden sprechen wollen, wenn der höchste Punkt zwischen den beiden Tiefs nachhaltig überwunden werden konnte. Dieser Widerstand liegt aktuell im Bereich der gelben Markierung bei knapp unter 1.310 USD/Feinunze – also noch gute 100 USD entfernt. Dennoch gibt es einen weiteren potenziell positiven Aspekt des Goldcharts: Am Ende von langen Abwärtstrends sind häufig erste Ausbruchsversuche zu beobachten, die aber scheitern (wiederum gelber Bereich). Die Käufer ziehen sich mit einer blutigen Nase zurück. Die positive Aus- und Aufbruchsstimmung wird damit weitestgehend bereinigt. Wenn in der Folge keine nachhaltigen neuen Tiefs gemacht werden – wie das bis jetzt der Fall ist –, stehen die Chancen gut, dass der nächste Ausbruch tatsächlich die Talfahrt beendet.



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Hinweis

Zu den Märkten

Mit einem kleinen Rücksetzer – man sollte vielleicht besser von einem „Rücksetzerchen“ sprechen – gab der DAX in den letzten Tagen um einige Punkte von seinem in der vorletzten Woche markierten Allzeithoch nach. Eine wirkliche Korrektur will jedoch nicht so richtig in die Gänge kommen, es scheint als ob jeder minimale Kursrückgang postwendend zu neuen Käufen genutzt wird. Interessanterweise fällt die aktuelle Schwächephase des deutschen Leitindex mit einer Zwischenerholung beim Euro zusammen. Denn exakt kurz bevor der DAX sein vorläufiges Allzeithoch markierte, kostete ein Euro mit 1,05 US-Dollar, so wenig wie seit 2002 nicht mehr. Bis heute hat sich der Euro davon immerhin auf einen Kurs von 1,10 USD erholen können, während parallel dazu die Aktien eine kurze Verschnaufpause einlegen. Der DAX scheint ganz massiv von amerikanischer Liquidität und der erhofften Aufhellung der Konjunktur in Europa durch einen schwachen Euro getrieben zu sein. Gerade angesichts der Zwischenkorrektur des Euro besteht jedoch nun auch im DAX erst mal das Risiko eines weiteren kurzen Rücksetzers. Mit den mittel und langfristigen Wechselwirkungen zwischen den Bewegungen an den Devisen- und den Aktienmärkten beschäftigen wir uns intensiv in der Titelgeschichte des neuen Smart Investor 4/2015.

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Die Transaktionen für unsere Musterdepots finden Sie auf unserer Website im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Fazit

Mit weiteren Einschränkungen soll Bargeld – einem echten Stück Freiheit – bald der Garaus gemacht werden. Eine Entwicklung, die vor allem angesichts der geldpolitischen Experimente jedermann beunruhigen sollte. Dem DAX scheint unterdessen der Nachschub an „Bargeld“ nicht auszugehen – die Liquiditätshausse lässt lediglich kurze technische Rücksetzer zu.

Ralph Malisch, Christoph Karl
Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
Ein mit “*“ gekennzeichnetes Wertpapier wird zum Zeitpunkt der Erscheinung dieser Publikation von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.


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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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