Scale startet an der Deutschen Börse



13:46 17.03.17

Nach der Brexit-Entscheidung und dem auch deshalb drohenden Aus den Fusionsverhandlungen zwischen dem London Stock Exchange (LSE) und der Deutschen Börse brauchte eben dieser Betreiber der deutschen Handelsplattform dringend eine gute Nachricht: die Eröffnung des Wachstumssegments Scale soll nun für Aufwind sorgen. Dieses tritt die schwierige Nachfolge des Neues Marktes mit seinem Index Nemax an, der 1997 als Gegenstück zur US Technologiebörse NASDAQ ins Leben gerufen wurde.

Dank Scale sollen es kleine und mittlere Unternehmen jetzt wieder leichter haben, Kapitalgeber zu finden. Zum Start sind 43 davon mit dabei, in Zukunft sollen aber zusätzliche Listungen erfolgen und auch ein eigener Index ist geplant. Das Portfolio von Scale ist recht gemischt. Es gibt klassische Industrieunternehmen wie z. B. Diskus und Vectron, Finanz- und Technologiefirmen wie FinLab und die German Startup Group aber auch Anleihen wie die des Fußballvereins FC Schalke 04.

Gab es im Neuen Markt seinerzeit vorrangig junge Unternehmen, so sind Start-Ups in Scale nicht vorgesehen. Hier sind keine hippen Neugründungen gefragt, sondern kleinere Unternehmen, die bereits am Markt etabliert sind. So hat Scale auch ein paar Mindestanforderungen, die die Spreu vom Weizen trennen soll: mindestens 30 Millionen Euro Marktkapitalisierung, mindesten 10 Millionen Euro Umsatz. Dazu kommt dann noch eine Prüfungspflicht durch zwei Analysehäuser, die von der Handelsplattform und nicht den Unternehmen selber beauftragt werden. Interessenkonflikte sollen so genauso verhindert werden wie eine erneute Spekulationsblase wie damals beim Neuen Markt.





Dieser wurde 1997 mitten in der boomenden Dotcom-Ära gegründet und beheimatete Aktien wie T-Online und SolarWorld. Während vor allem erstgenannte selbst schon als Skandalpapier herhalten könnte, setzen Beispiele wie EM.TV und vor allem ComROAD noch einen drauf. Stiegen die Kurse anfangs ins Unermessliche, ging es ab dem Jahr 2000 wieder steil bergab – inklusive spektakulärer Betrugsfälle und damit verbundener Insolvenzen. Der Neue Markt konnte sich davon nie mehr erholen, so dass die Deutsche Börse das Segment 2003 einstellte. Doch auch heute wirken die schlechten Nachrichten von damals noch nach und sind für viele Privatanleger ein Grund, nicht in Aktien zu investieren und sich eher am Devisenmarkt wie zum Beispiel bei iFOREX umsehen.

Insofern ist ein neues Wachstumssegment jetzt gefragter denn je – und zwar nicht nur um wieder Vertrauen zu schaffen. Schließlich sind Schlagworte wie „Industrie 4.0“ in aller Munde, doch das dafür benötigte Kapital fehlt an jeder Ecke. Ob Scale dies liefern kann und ob neue Standards bezüglich der Sicherheit am Ende wirklich vor erneuten Enttäuschungen schützen können, muss die Zeit zeigen. Trotz vieler Versprechungen sollten sich gerade private Anleger aber bewusst sein, dass ein Wachstumssegment wie Scale und die dort zu findenden Unternehmen grundsätzlich eine Anlage mit Risiko sind. Gerade die in letzter Zeit gerne an Kleinanleger verkauften Mittelstandsanleihen, die ab jetzt auch in Scale zu finden sind, sollten laut Finanzexperten und Verbraucherschützern vorsichtig bewertet werden.




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