Opportunismus? Demagogisch? Dramatisierung? Nein, zu einfache Lösungen!



11:52 23.07.17

Viele Dinge sehen eigentlich ziemlich einfach aus, erweisen sich im Endeffekt jedoch als beinahe unendlich kompliziert. Und genau diese Tatsache ist es, an der der Populismus derzeit Schiffbruch erleidet.

Im neuen Duden gibt es eine aus meiner Sicht völlig untaugliche Definition von Populismus. Denn da heißt es: von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (im Hinblick auf Wahlen) zu gewinnen.

Das verstehe ich nicht. Opportunismus? Demagogisch? Dramatisierung? Ich habe das eine viel bessere Definition. Sie besteht eigentlich nur aus einem Wort: Vereinfachung. Oder Simplifizierung. Populismus ist für mich, in komplexen und interdependenten Zusammenhängen eine einfache Lösung zu präsentieren.

Das kann man natürlich machen, man kann sich aus tausend Einflussgrößen eine herauspicken und sie zum Alleinschuldigen machen. Doch hilft das weiter?

Hätten die Brexit-Befürworter vorher gewusst, was mit so einem Ausstieg alles verbunden ist, wer weiß, wie die Abstimmung ausgegangen wäre

Etwa 20.00 Regelungen müssen jetzt überprüft werden, in denen die Briten an der EU hängen. Und was ist, wenn man sich dem EU-Recht entledigt, kann man dann noch am EU-Binnenmarkt teilnehmen? Selbst wenn alle wollten, ginge es nicht, weil dann ja ein rechtsfreier Raum entstünde.

Es wird also Kontrollen geben müssen. Doch hier hat natürlich niemand je darüber nachgedacht, dass dafür in den britischen Häfen gar keine Kapazitäten existieren?

Und so geht es weiter und weiter, und es zeigt sich ganz allgemein: Aus der mittlerweile existierenden transnationalen Verflechtung weltweit kann man nur noch schwerlich ausstiegen.



Ob Donald Trump das alles weiß? Ich bin da eigentlich sicher. Und er wird uns bestimmt irgendwann in der Halbzeitpause seiner angekündigten Lösung des Nahostkonflikts in einigen wenigen genialen Twitter-Beiträgen mitteilen, wie das doch gelingt.

Es sei denn, Emmanuel Macron drückt ihm so fest die Hand, dass er nicht an sein Handy herankommt. Vielleicht ist das ja die Lösung. Wie in einer Ehe. Sich so fest zu umarmen, dass niemand mehr loskommt.

Und wenn man genau hinschaut, ist das ja heute schon so. Zum Glück. Denn selbst die schwierigsten Differenzen sind besser als Krieg. Und daran denkt ja heute niemand im Westen auch nur in einem Moment. Was vielleicht den größten Erfolg unserer Politik in den letzten siebzig Jahren ausmacht.

Und alles andere tritt dahinter zurück. Alles.


Bernd Niquet



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Über den Autor
 
Autor: Bernd Niquet Bernd Niquet,
Autor

Bernd Niquet ist promovierter Volkswirt und schreibt Börsenkolumnen und Bücher


In tiefsten Schichten. Teil II der Reihe: Wichtige und bisher liegengebliebene Themen und Fragestellungen

Das neue Buch von Bernd Niquet:
IN TIEFSTEN SCHICHTEN, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2015, 327 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-95744-926-9.

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Beschreibung:
"Wenn ich mein Projekt, Entwicklungsprozesse einmal in Gänze und in allen Facetten darzustellen, tatsächlich erfolgreich abschließen will, darf ich jetzt nicht mehr haltmachen. Auch wenn es wehtut."

Bernd Niquet wurde 1956 in Berlin geboren und lebt noch immer dort. Im Rahmen der Serie »Wichtige und bisher liegengebliebene Themen und Fragestellungen« ist von ihm bereits als Band 1 »Die bewusst herbeigeführte Naivität« erschienen.

Warnung:
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker. Das Buch ist sehr speziell. Es ist kein Wirtschaftsbuch, sondern eher ein Versatzstück zu "Jenseits des Geldes". Wenn der Arzt oder der Apotheker ratlos sind, fragen Sie direkt beim Autor an:
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