Globale Finanzmärkte auf dem Prüfstand



09:35 31.07.17

Seit Beginn der 1980er Jahre kann eine rasant fortschreitende internationale Verflechtung der globalen Finanzmärkte festgestellt werden. Die ungehemmte Öffnung der weltweiten Märkte sorgt noch immer für Wohlstand und Wachstum zum einen, während es auf der anderen Seite den Motor für diese Entwicklung am Laufen hält und gar beschleunigt. Die Gefahren, welche diese Entwicklung birgt, sind hinreichend bekannt. Eine gravierende Weltwirtschaftskrise ist heute auf keinen Fall unwahrscheinlicher als in vergangenen Jahrzehnten - eher ist sie größer. Die zukünftige Entwicklung ist von politischen Entscheidungen abhängig.




Fehlende Krisenvorsorge

Nicht selten hat sich in der Vergangenheit bereits bewiesen, dass ein grenzenloser Finanzmarkt globale Konsequenzen haben kann. Schlimmer als je zuvor traf es in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrtausends aufstrebende Schwellenländer wie Argentinien, Brasilien, Mexiko, Russland oder Südostasien. Schwachstellen waren vor allem in problematischen Bankenregulierungen zu finden, die diese Länder bis zum heutigen Tage jedoch weitestgehend beseitigt haben und so zu einer verstärkten Kontrolle ihrer eigenen Wirtschaft beitragen. Als 2008 erneut eine Weltwirtschaftskrise für Angst und Schrecken sorgte, wurden etablierte Industriestaaten in Mitleidenschaft gezogen und die Ursachen sind bis heute bei Weitem nicht behoben worden. Wieder ist es eine mangelhafte Regulierung, welche die Krise verursacht hat und für deren Verbesserung sich bis dato keine erfolgreiche Lösung zu finden scheint. Das Marktvolumen nimmt dabei mit rasantem Tempo zu - auch wegen des stetig steigenden Warenaustauschs mit Entwicklungsländern, die von relativen Kostenvorteilen, wie beispielsweise niedrigen Löhnen und Gehältern, profitieren.

Neue Technologien erweitern das Spektrum



Insbesondere verantwortlich für die freie Entfaltung der internationalen Finanzmärkte ist die stetig fortschreitende Verbesserung der modernen Kommunikations- und Informationstechnologien. Nie war es einfacher, Kapital effizient dahin zu lenken, wo es am profitabelsten investiert werden kann. Zudem ist es längst nicht mehr nur die Elite einer Industrienation, welche ihr Geld in internationale Finanzmärkte investieren. Neue Angebote machen es möglich, mit verhältnismäßig wenig Geld nicht nur Aktien zu kaufen, sondern auch in Immobilien, Grundstücke oder andere gruppenfinanzierte Projekte zu investieren. "Crowdraising" oder "Crowdinvestment" nennt man solche Angebote, die auf zahlreichen Internetportalen Investoren und Anlegern die Möglichkeit geben in vielversprechende Projekte zu investieren. Dabei ist in den meisten Fällen möglich, eine überdurchschnittlich hohe Rendite zu erzielen - insbesondere auch in der Eurozone -, da sich durch die aktuelle Niedrigzinspolitik der EZB, die Kapitalerträge auf ehemals etablierte Anlageformen wie Festgeldkonten oder Sparbücher bis ins Negative geschmälert haben. Selbst Negativzinsen auf Sparguthaben sind nicht mehr bloß eine surrealer Abstraktion in der theoretischen Volkswirtschaftslehre.

Finanzinstrumente sind pervertiert

Der größte Anteil des internationalen Aktienhandels findet an einer relativ geringen Anzahl von Handelsplätzen statt. Diese bestehen zum Teil seit Jahrhunderten und blicken auf eine lange Tradition zurück. Detaillierte Informationen zu den bedeutendsten globalen Handelsplätzen sind unter diesem Link abrufbar. Zwar gibt es zahlreiche Handelsplattformen, die nicht über die bekannten regulierten Börsen ihre Order versenden, jedoch wird noch einige Zeit vergehen, bis diese dem New York Stock Exchange oder der Frankfurter Börse ernsthaft Konkurrenz bieten können - falls es denn überhaupt jemals dazu kommen wird. Der Handel mit Aktien ist bei Weitem nicht das Problem. Die Möglichkeiten für private Anleger sind heute größer als jemals zuvor. Pervertierte, komplexe Derivatgeschäfte bilden dabei die Krönung der modernen Finanzinstrumente und werden von nicht wenigen Finanz- und Wirtschaftsexperten kritisiert.

Korrekturen dringend benötigt

Eigentlich ist es kaum vorstellbar, dass sich der Kurs der Entwicklung der globalen Finanzmärkte in absehbarer Zeit von selber zum Besseren ändern wird. Dazu wäre eine tatsächliche Annäherung des Standards und somit auch der ökonomischen Situation aller Länder vonnöten. Da die internationale Wirtschaftspolitik aktuell aufgrund zahlreicher Konflikte gespalten ist, bleibt zu hoffen, dass sich trotz dieses Umstands möglichst bald global auf Regulierungen für die Internationalen Kapitalströme geeinigt werden kann. Der Brexit ist beispielsweise eine historische Chance für die EU, sich unabhängig von einer gemeinsamen Währung zu stärken und zu reformieren. Wiederum wäre eine Einigung innerhalb der EU über eine einheitliche Rahmenpolitik bezüglich des Binnenfinanzmarktes ein starkes Signal an weitere Nationen, um die dringend benötigten Korrekturen auf den globalen Finanzmärkten durchzuführen.




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