Rohstoffe: Gewinnmitnahmen stehen im Vordergrund



09:22 13.08.17





Anleger nutzen steigende Ölpreise zum Ausstieg. Bei Gold und Silber werden beide Seiten gespielt. 9. August 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Für viele Rohstoffe sind die Sommermonate vergleichsweise ertragreich. Während der Silberpreis in den vergangenen vier Wochen um gut 6 Prozent auf 16,53 US-Dollar pro Feinunze zulegte, verteuerte sich Gold um 3,8 Prozent auf 1.265 US-Dollar. Das Nordseeöl Brent und das amerikanische WTI machten etwa vier Dollar pro Barrel gut, was einem Plus von rund 9 und gut 7 Prozent entspricht. Diese Gewinne wirken sich auf die Performance des mit 20 verschiedenen Rohstoffen sehr weit gefassten Bloomberg Commodity Index aus, der um 2,49 Prozent auf 83,96 Punkte zulegen konnte. 

Wie nachhaltig die Erholung ist, bleibt nach Ansicht von Dora Borbély abzuwarten, denn neben der guten Konjunktur spiele die Dollarschwäche den Rohstoffen in die Hände. "Auf Sicht der nächsten Quartale rechnen wir damit, dass sich die Rohstoffpreise tendenziell mit hohen Schwankungen seitwärts bewegen werden", prognostiziert die Analystin der DekaBank. Die Nachfrage entwickele sich in vielen Bereichen zwar weiterhin gut, zeige aber keine zusätzliche Dynamik. Bremseffekte aufgrund geringerer Investitionen in die Rohstoffgewinnung in den vergangenen Jahren reichten scheinbar noch nicht aus, um einen nachhaltig stärkeren Preisdruck zu erzeugen. 

Im ETC-Handel meldet Oliver Kilian von der UniCredit Interesse an Energie- und Edelmetallprodukten. "Auch breit gefasste Rohstoffkörbe (WKN A0JC8F) stehen auf beiden Seiten im Anlegerfokus."

Höhere Zinsen halten Goldpreis in Schach

Hinsichtlich der weiteren Entwicklung erwarten Experten von ETF Securities keine großen Sprünge bei Gold. "Bleiben weitere Schocks aus, dürfte der Goldpreis unseres Erachtens bis Jahresende auf den aktuellen Niveaus verharren", meint Jan-Hendrik Hein. Bullisher gibt sich Hein mit Blick auf das weiße Metall. "Da die Wirtschaft weiter wächst, gehen wir davon aus, dass Silber Gold bis Jahresende übertreffen wird. 

 

Borbély erwartet auf mittlere Sicht einen leichten Rückgang des Goldpreises und begründet dies mit insbesondere in den USA moderat steigenden Zinsniveaus. Renditen zögen aufgrund sehr zögerlicher Zinsanhebungen in den Vereinigten Staaten zwar nur langsam an. Zudem hielten sich andere große Notenbanken - darunter die EZB - mit dem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik extrem zurück. "Doch auch mit leicht steigenden Zinsen steigen die Opportunitätskosten der Goldhaltung, Gold wird also in Relation zu anderen Anlageklassen unattraktiver." 
Auf lange Sicht bietet Gold nach Ansicht der DekaBank nicht viel mehr als einen Inflationsausgleich.

BorbélyBorbély  

Anleger streichen Gewinne bei Rohöl ein

Ölwerte führt Kilian mit einem Verkaufsüberhang. So trennten sich Anleger mehrheitlich von ihren Brent-Positionen (WKN A1AQGX). 

 

Auch ETF Securities spricht von überwiegenden Abflüssen bei Rohöl-ETCs (WKN A1N49P), die mit 75 Millionen US-Dollar den höchsten Wert seit Mai erreichten. "Nach dem Anstieg der Ölpreise in der Vorwoche nahmen die Anleger weiter Gewinne mit", meint Hein, der die jüngste Preisschwäche auf die mangelhafte Einhaltung der Förderquoten seitens der OPEC-Mitglieder zurückzuführt. Am stärksten verstießen Länder wie der Irak, Gabun, Ecuador und die Vereinigten Arabischen Emirate gegen die Förderbeschränkungen des Kartells.

HeinHein   Potenzial nach oben begrenzt 

Die zum Wochenbeginn angekündigte Kürzung der Öllieferungen durch Saudi Arabien verteuerten Öl nur kurzfristig, wie Eugen Weinberg von der Commerzbank bemerkt. "Auch der erneut kräftige Rückgang der US-Rohöllagerbestände hatte keinen preisunterstützenden Einfluss." Das liege unter anderem an der laut US-Energiebehörde weiter zunehmenden heimischen Ölproduktion. Für 2017 erwarte das Amt einen Anstieg um 490.000 auf durchschnittlich 9,35 Millionen Barrel pro Tag. 2018 sollen demnach täglich 570.000 Barrel hinzukommen. "Ende 2018 soll die Produktion auf zehn Millionen Barrel pro Tag klettern." 

Als Gegengewicht stütze die hohe US-Nachfrage nach Ölprodukten die Preise. Etwa sei der Benzinabsatz im Juli auf ein Allzeithoch von 9,7 Millionen Barrel pro Tag geklettert. Trotz der im Sommer saisonalen Schwäche erreichten die Destillate-Käufe dank guter US-Konjunktur im Juli einen neuen Rekord von 4,2 Millionen Barrel am Tag. 

Borbély geht davon aus, dass sich Rohöl bis Ende 2018 nicht nennenswert verteuern wird. Die mittelfristige Ölpreisentwicklung werde maßgeblich von den Produktionskosten der US-Fracking-Unternehmen beeinflusst. Und in diesem Bereich sei der technische Fortschritt enorm. "Die Preissetzungsmacht der OPEC am Ölmarkt ist also sehr gering." 

von: Iris Merker 9. August 2017, © Deutsche Börse AG


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