Auslandsaktien: Die richtigen Weichen in Japan gestellt



07:30 19.08.17





Kauflaune bei Unternehmen und Verbrauchern bringen Schwung in die japanische Konjunktur. Vor dem Hintergrund guter Unternehmenszahlen geben sich Anleger optimistisch. 17. August 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Es scheint, als gehöre die schwierige wirtschaftliche Lage in Japan der Vergangenheit an. Unternehmen investieren wieder kräftig und der private Konsum boomt. Mit dem überraschenden Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1 Prozent im zweiten Quartal gelang Japan der sechste Anstieg in Folge. Eine derartige Serie gab es laut Rudolf Besch von der DekaBank zuletzt in den Jahren 2005 und 2006. Damit habe das Land die Chance, einen im internationalen Vergleich üblichen Aufschwung wie Anfang der Neunzigerjahre zu generieren. Japans längste Aufschwungsserie habe damals acht Quartale betragen. 

Auch wenn die Teuerungsrate in Höhe von aktuell 0,4 Prozent nicht annähernd an die gewünschten 2 Prozent heranreicht, stimmen für Walter Vorhauser die Vorzeichen im Land der aufgehenden Sonne. "Der neue Wirtschaftsminister Toshimitsu Motegi ist hinsichtlich der Festigung der Geschäftsbeziehungen zu anderen Wirtschaftsregionen sehr aktiv", urteilt der Händler der Oddo Seydler Bank. Ein Beispiel sei die im Juli erzielte grundsätzliche Einigung auf ein umfassendes Handelsabkommen mit der Europäischen Union, nachdem Donald Trump Japan die kalte Schulter gezeigt habe. Beide Regionen zusammen seien für rund ein Drittel der globalen Wirtschaftsleistungen gut. Exportnationen wie Japan und Deutschland profitierten überdurchschnittlich von geringeren Handelsbeschränkungen. 

Seiko Epson mit Umsatzexplosion

Aktien wie die der Seiko Epson (WKN 471496) profitieren von der guten heimischen Konjunktur. "Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stieg der Umsatz beim japanischen Elektronikkonzern nicht zuletzt aufgrund starker Zuwächse bei Drucklösungen um 71,9 Prozent", bemerkt Vorhauser, der die Organisation gut aufgestellt wähnt. Zudem habe Seiko Epson viele neue Unternehmen für sich gewinnen können. Die Aktie von Seiko Epson legte seit Jahresbeginn von 2.475 auf 2.790 Yen zu, was einem Plus von knapp 13 Prozent entspricht. In der Gemeinschaftswährung kommt der Wert auf einen Gewinn von gut 7 Prozent.
Panasonic-Umbau trägt Früchte  

Langsam aber stetig nach oben gehe es mit der Aktie von Panasonic (WKN 853666), wie Vorhauser anmerkt. Der Wert legte seit Jahresbeginn über 20 Prozent von 9,54 auf 11,71 Euro zu. "Mit einer Steigerung von 29,2 auf 48,8 Milliarden Yen im ersten Quartal machte der Elektronikriese einen beachtlichen Gewinnsprung." Umgerechnet komme der Konzern auf einen Ertragszuwachs von 17 Prozent auf rund 647 Millionen Euro. 

Die stärkere Fokussierung auf die Automobilindustrie zahle sich mittlerweile aus. "Panasonic verdoppelte seien Umsätze mit dem Verkauf von Lithium-Batterien für Elektroautos und Fahrzeugelektronik." Unter anderem produziere Panasonic Batterien für das im Juni angelaufenen Model 3, mit dem Tesla den Massenmarkt für elektrisch betriebene Autos ebnen wolle. Die Fahrzeug-Akkus produzierten die Japaner in der neuen Tesla-Batteriefabrik im Bundesstaat Nevada. Nach höheren Anlaufkosten werde die Sparte nach Überzeugung des Konzerns schon bald Gewinne abwerfen. Auch der Bereich Eco Solutions - dazu gehören die Herstellung und der Vertrieb von Solarmodulen - überzeuge mit einem Umsatzplus von rund 3 Prozent.

VorhauserVorhauser  

Yamaha Motor auf gutem Weg

Auf besser als erwartete Ergebnisse im ersten Halbjahr blickt Roland Stadler zufolge auch Yamaha Motor (WKN 857690). Der Produzent von Motorrädern, Marine-, Industriemaschinen- und Roboterprodukten habe seinen Ertrag um sage und schreibe 50 Prozent steigern können. Das Betriebsergebnis käme mit 82,2 Milliarden Yen auf plus 25,7 Prozent. "Unter anderem tragen eine effizientere Produktion und höhere Absätze von Motorrädern vor allem in Schwellenländern zu den Rekorderträgen bei", weiß der Händler der Baader Bank. Antriebe für Elektrofahrräder hätten ebenfalls starke Umsätze verbucht. Die Yamaha Aktie reflektiere mit einem Anstieg auf 25,18 Euro die Zufriedenheit der Anleger. "Der Wert kommt damit in Euro auf gut 20 Prozent seit Januar." Für das Gesamtjahr hebe Yamaha Motor seine Prognose für die Gesamtjahresdividende auf 78 Yen. Gegenüber dem Vorjahr entspreche das einem Plus von 18 Yen. 

Nordkorea verunsichert vorübergehend

Diskussionen rund um eine mögliche militärische Auseinandersetzung zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten führte nach Ansicht von Stadler zeitweilig zu Abflüssen bei japanischen Aktien. Nach einem Minus von rund 500 Punkten hat sich der Nikkei 225 mittlerweile wieder gefangen und notiert aktuell um 19.700 Punkte. "Japan läge im Ernstfall nah am Geschehen." 

von Iris Merker
17. August 2017, © Deutsche Börse AG


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