Triple-Win: Co-Investments für vermögende Privatinvestoren



08:00 22.09.17

Von Joachim Schweinfurth Die Nachfrage von vermögenden Privatpersonen nach direkten Beteiligungsmöglichkeiten an jungen Unternehmen steigt stetig. Standardisierte Angebote von Banken und Vermögensberatern gehen am Bedarf vorbei. Stattdessen braucht es intelligente Strukturen, gute Netzwerke und erfahrene Industriekapitäne.

Wer ist 47 Jahre alt, männlich, Geschäftsführer und verfügt über ein Investitionsvolumen in Höhe von knapp einer Million Euro? Laut einer aktuellen Umfrage der Austrian Angel Investor Association beschreiben diese Angaben den durchschnittlichen Business Angel. Doch obwohl mehr als die Hälfte der deutschen Start-ups Schwierigkeiten haben Kapitalgeber zu finden, arbeiten lediglich acht Prozent mit Business Angels zusammen. Das liegt vor allem daran, dass die Möglichkeit für vermögende Privatinvestoren, sich an Start-ups und jungen Unternehmen mit innovativen Wachstumsplänen zu beteiligen, sich bislang überwiegend auf standardisierte Angebote von Banken und Vermögensberatern oder den Erwerb von Anteilen börsennotierter Beteiligungs- und Investmentgesellschaften konzentriert. Allen diesen Anlageformen ist gemein, dass ein privater Investor keine eigene Anlageentscheidung trifft, sondern diese an den verantwortlichen Fund- oder Beteiligungsmanager delegiert. Gleichfalls finanziert ein Investor die erforderliche Infrastruktur des gewählten Instrumentes unabhängig von der Performance seines Investments.

Dagegen bieten Direktinvestments vermögenden Privatinvestoren eine interessante Alternative. Voraussetzung jedoch ist, dass eine realistische Abwägung zwischen Risiken und Erfolgspotentialen eines Investments erfolgt. Ist diese Einschätzung unzureichend oder nicht möglich, erhöhen sich die Risiken eines Totalverlustes signifikant. Denn die Herausforderung an Start-ups und junge Unternehmen sind angesichts vieler parallel laufender Prozesse enorm. So muss die Produktentwicklung vorangetrieben und Vertriebsstrukturen aufgebaut werden. Zur Sicherstellung der Finanzierung müssen Fremd- und/oder Eigenkapitalmaßnahmen eingeleitet sowie die Möglichkeiten der Inanspruchnahme öffentlicher Fördermittel geprüft werden.

Ein Start-up lebt nicht vom Geld allein

Die Bereitstellung von Finanzmitteln allein, ist jedoch nicht ausreichend. Vielmehr bedarf es bei jungen Unternehmen einer engen Begleitung und permanenten Erfolgskontrolle. Entsprechend hoch ist der Betreuungsaufwand. Nur wenige private Investoren können die dafür notwendige Zeit und Expertise aufbringen. Eine Möglichkeit, sich trotz des Interessenkonfliktes direkt an Unternehmen zu beteiligen, ist der Anschluss an ein Investorennetzwerk. Entscheidend für die Auswahl ist das erforderliche Branchen-Know-how. Zudem sollte ein Deal-Captain mit einem signifikanten Eigeninvestment die Betreuung der Unternehmen übernehmen und die Interessen der Co-Investoren gegenüber der Gesellschaft vertreten.

Auch die Mehrheit der eingangs dargestellten Business Angels favorisiert Co-Investments innerhalb geeigneter Netzwerke. Rund 80 Prozent der Deals nehmen hier schätzungsweise ihren Anfang. Aus diesem Grund kooperiert auch BankM mit solchen Netzwerken und nimmt dabei eine veränderte Rolle an: Die Bank ist nicht mehr Verkäufer von mehr oder weniger standardisierten Unternehmensbeteiligungen, sondern stellt Kontakte zwischen Netzwerken, Co-Investoren und Deal-Captains her. Sie betreut die finanztechnischen Transaktionen und koordiniert die Prozesse für die beteiligten Akteure. Bislang sind rund 60 Co-Investoren, vornehmlich Unternehmer und vermögende Privatpersonen Teil unserer Netzwerke. Der Branchenfokus liegt dabei auf Deep-Tech-Bereichen wie ICT, IoT, Smart Grids, Sensors, Semiconductor, MEMS, Mechatronics, Robotics und Material Science und wird aktuell systematisch auf die Sektoren MedTech, Life Science und Pharma ausgeweitet.



Interessenkongruenz durch intelligente Struktur

Die Einbringung eines Investments erfolgterfahrungsgemäß am besten in Form eines Treuhandvertrages. Vertragspartner ist eine Beteiligungsgesellschaft, deren Eigentümer eine erfahrene Gruppe von Business Angels koordiniert (siehe Grafik). Grundsätzlich werden Investments in Unternehmen, die sich in einer sehr frühen Phase ihrer Entwicklung befinden, allein von der Beteiligungsgesellschaft getätigt. Die Möglichkeit für interessierte Co-Investoren sich zu engagieren, ergibt sich in anschließenden Finanzierungsrunden und steht allen Co-Investoren gleichermaßen offen, wobei der Grundsatz „first come, first serve“ gilt. Die Investition erfolgt direkt in das Unternehmen und auf Basis derselben Konditionen, wie für die Beteiligungsgesellschaft. Diese Vorgehensweise reduziert die Risiken für einen potentiellen Co-Investor. Auch können gegebenenfalls steuerliche Anreize direkt genutzt werden.

Co-Investments_Grafik.JPG

Die Mindestinvestitionssumme beträgt in der Regel rund 100.000 Euro, kann in Abhängigkeit der Erfordernisse und mit fortschreitender Unternehmensentwicklung jedoch auch deutlich höher liegen. Um bei folgenden Finanzierungsrunden nicht zu stark verwässert zu werden, sollten Co-Investoren deshalb keinesfalls ihr gesamtes Kapital sofort investieren. Die von der Beteiligungsgesellschaft erhobene Vergütung besteht in einer Perfomance-Fee von bis zu 20 Prozent, welche dem Co-Investor aber erst bei einem erfolgreichen Exit in Rechnung gestellt wird. Das Direktinvestment der Beteiligungsgesellschaft und das auf Basis des Treuhandvertrages von der Beteiligungsgesellschaft betreute Co-Investment sind interessenkongruent.

Fazit

Der dargestellte Prozess bietet allen Parteien eine Reihe von Vorteilen: Co-Investoren haben die Möglichkeit, sich auf Basis attraktiver Bewertungen direkt an Unternehmen zu beteiligen. Die Beteiligungsgesellschaft selbst erhöht durch das Hinzuziehen von Co-Investoren den Einfluss auf das Unternehmen, erweitert die Gestaltungsspielräume und erzielt durch die erfolgsabhängige Vergütung einen zusätzlichen Ertrag. Die Unternehmen schließlich, können sich auf die operativen Aufgaben konzentrieren und gleichzeitig auf das Know-how der Beteiligungsgesellschaft zugreifen. Gute Voraussetzungen, damit in Zukunft mehr als 8 Prozent der deutschen Start-ups einen passenden Business Angel finden.

(Der Beitrag wurde erstmals veröffentlicht in der Ausgabe 4/2017 der UnternehmerEdition) => Diese Kolumne ins Forum einfügen und diskutieren <=


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